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eCall: Automatischer Notruf bei Verkehrsunfällen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 29.08.2016

eCall ist die Kurzform für „emergency call“, auf Deutsch Notruf. Dabei handelt es sich um ein Notrufsystem für PKW und andere Kraftfahrzeuge, das von der EU geplant wurde. Im Falle eines Unfalls alarmiert das System automatisch die nächstgelegene Notrufstation und übermittelt wichtige Daten zu Standort und Fahrzeug. eCall soll 2018 verpflichtend für alle Neuwagen sowie leichte Nutzfahrzeuge innerhalb der Europäischen Union sein.

Jährlich sterben viele Menschen auf den Straßen Europas. Allein im Jahr 2014 starben fast 26.000 Verkehrsteilnehmer in der EU. Deshalb suchen die Gesetzgeber immer wieder nach neuen Methoden, durch welche diese Zahl reduziert werden kann. Bis zum Jahr 2020 möchte die Europäische Union die Zahl der Verkehrstoten auf unter 20.000 bringen.

Die EU geht davon aus, dass dank eines einheitlichen Notfallsystems wie eCall allein mehr als 2.500 Menschenleben pro Jahr gerettet werden. Die geringeren Todesfälle sollen dadurch erzielt werden, dass Notärzte und andere Rettungskräfte viel schneller vor Ort sein können, da der Notruf automatisch unmittelbar nach einem schweren Autounfall ausgelöst wird und sofort Fahrzeug- und Standortdaten an die Einsatzkräfte übermittelt werden.

EU-weiter Einsatz geplant

Das eCall-System soll in der gesamten EU eingeführt werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, dass das Notrufsystem vereinheitlicht wird und es EU-weit auf der Notrufnummer 112 basiert. Die Abläufe bei eCall-Notrufen sollten darüber hinaus standardisiert sein, damit die Hilfe reibungslos und für alle Autofahrer verfügbar ist. Bisherige Systeme mancher Autohersteller funktionieren nur in manchen Ländern und nur bei bestimmten Fahrzeugen.

Gut zu wissen:Woher weiß ich, ob mein Auto mit eCall ausgestattet ist?

Grundsätzlich muss jeder Neuwagen ab 2018 mit eCall-Technik ausgestattet sein. Ob Ihr Auto jetzt schon die Voraussetzung für das System verfügt, können Sie in Ihrer Werkstatt oder beim Autohersteller direkt erfragen. Die Infrastruktur für eCall soll ab dem 1. Oktober 2017 verfügbar sein.

Hintergrund zum eCall-System

Erste Versuche mit einem Notrufsystem für PKW gab es in den 1980er-Jahren in Deutschland. Damals startete die Bundesanstalt für Straßenwesen verschiedene Tests mit dem sogenannten „Auto-Notruf-System“. Im Vergleich zum heutigen eCall-System war die Technik deutlich einfacher. Sie basierte auf einem Funkgerät, das im Auto eingebaut war.

Nach einem Unfall konnten damit Rettungskräfte alarmiert werden. Zugleich diente das Funksignal dazu, den Standort über Funkmasten anzupeilen. Geplant war, dass das Auto-Notruf-System zum Preis von knapp 500 D-Mark Mitte der 1980er-Jahre eingeführt werden sollte. Allerdings fand das System keine große Lobby.

Viele Regierungen in Europa waren mittlerweile daran interessiert, die Unfallrettung dank in PKW installierten Notrufsystemen zu verbessern. Jedoch gab es keine einheitlichen Bemühungen. Stattdessen wurden verschiedene technische Lösungen von Automobilherstellern wie Volvo oder BMW vorgeschlagen. Schließlich erfolgte auch 2016 die Einführung des Unfallmeldediensts (UMD), einer Initiative von Versicherern sowie den Technikpartnern IBM und Bosch. Das System basiert auf einem Sensor, der über den Zigarettenanzünder mit Strom versorgt wird und einer App, welche Unfälle direkt an die Leitstellen meldet. Ähnliches gibt es auch in Österreich.

Das heutige eCall-System wurde bereits 2011 von der EU gestartet. Ursprünglich war geplant, eCall im Jahr 2015 einzuführen. Jedoch hat sich die Einführung nun auf den 31. März 2018 verzögert.

Automatischer Notruf: So funktioniert's

Die eCall-Technik basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten, die im Auto installiert werden müssen. Sensoren erkennen einen schweren Unfall, bei dem zum Beispiel die Airbags ausgelöst werden. Danach alarmiert das System über die zentrale Rufnummer 112 den nächstgelegenen Rettungsdienst, den sogenannten PSAP (Public Safety Answering Point). Dabei werden Standortdaten sowie wichtige Eckdaten zum Fahrzeug übertragen.

Es ist darüber hinaus auch möglich, dass Unfallopfer direkt per Sprachverbindung Kontakt zu Rettungsstellen aufnehmen können. Möglich ist außerdem, dass Autoinsassen den Notruf manuell auslösen.

Diese Elemente umfasst das eCall-System

  • GSM-Antenne: Darüber wird der Notruf an den PSAP gesendet.
  • GPS-Empfänger: Mit seiner Hilfe kann der exakte Standort ermittelt und übergeben werden.
  • Steuergerät: Es meldet die Standortdaten an die Notrufstelle.
  • Crash-Sensor: Dieser Sensor prüft die Stärke des Unfalls und löst nur bei schweren Unfällen Alarm aus.
  • Lautsprecher und Mikrofon: Auf diese Weise kann die Leitstelle mit den Fahrzeuginsassen kommunizieren.
  • Manueller Auslöser: Hiermit ist in der Regel eine Taste gemeint, über die der Notruf direkt von einem Insassen ausgelöst werden kann.
  • Notstromversorgung: Im Falle eines Kurzschlusses muss das eCall-System weiter funktionieren können.
  • Kontrollleuchte: Sie zeigt an, ob das System einsatzbereit und funktionstüchtig ist.
  • Rettungskarte: Diese spezielle Karte enthält alle wichtigen Informationen über das betroffene Fahrzeug. Sie wird mit Hilfe der übermittelten Fahrzeugdaten mit einer Datenbank abgeglichen.

Kosten noch relativ unklar

Bis zur kompletten Umsetzung von eCall werden die genauen Kosten erfahrbar sein. Aktuell wird das System von verschiedenen Herstellern wie Bosch, Continental oder Peiker weiterentwickelt und gefertigt.

Der eCall-Service soll laut Angaben der EU kostenlos sein. Für den Einbau des Systems schätzen die Initiatoren, dass auf Verbraucher Kosten in Höhe von weniger als 100 Euro zukommen werden. Auf welche Weise die Autohersteller das Sicherheitssystem umsetzen werden, bleibt noch offen.

Ebenfalls noch in der Diskussion ist, wie die Kosten für den Notruf mit den jeweiligen Mobilfunkanbietern abgerechnet werden. Denn für die Übertragung der Daten wird das GSM-Mobilfunknetz benötigt. So ist außerdem unklar, wie bei Datenroaming abgerechnet wird. Diese Fragen stellen sich, wenn ein Unfall nicht im Heimatland der Unfallopfer, sondern im europäischen Ausland passiert.

Ist das eCall-System Pflicht?

Ab dem 31. März 2018 ist das eCall-Notrufsystem für alle Neuwagen und leichten Nutzfahrzeuge Pflicht, wenn sie innerhalb der EU in Betrieb genommen werden sollen. Vorgeschrieben wird der Einbau von der Europäischen Union.

Für Fahrzeuge, die bereits zugelassen sind, besteht keine Nachrüstungspflicht. Allerdings wird empfohlen, das System nachträglich einzubauen. Schließlich soll das System europaweit für eine schnellere Unfallhilfe und somit für weniger Verkehrstote sorgen.

Achtung:Keine Entbindung von Erste Hilfe Pflicht

Das eCall-System entbindet Autofahrer nicht davon, anderen Unfallopfern Erste Hilfe zu leisten. Es wird zwar automatisch ein Notruf abgesetzt. Jedoch sollten Sie anderen nach einem Unfall helfen, sofern es Ihr Gesundheitszustand zulässt. Außerdem ist es lebenswichtig, die Unfallstelle abzusichern.

Datenschutz bei Notruf

Im Falle eines Notrufs werden vom eCall-System folgende Daten an die Rettungsstelle übermittelt:

  1. Fahrzeugklasse: Anhand dieser Angabe kann die passende Rettungskarte abgerufen werden.
  2. Art des Treibstoffs: Falls Brände ausbrechen oder es ein Leck im Tank gibt, wissen die Rettungskräfte sofort, worauf sie achten müssen.
  3. Zeit: Hier wird die exakte Zeit des Unfalls übermittelt.
  4. Ort: Über die GPS-Koordinaten wissen die Unfallhelfer sofort, wohin sie kommen müssen.

Die Daten werden ausschließlich an den Rettungsdienst übergeben, weil die Einsatzkräfte mit Hilfe der Eckdaten den Einsatz schon auf dem Weg zum Unfallort genau planen können.

Kritik von Datenschützern

Datenschützer kritisieren an eCall, dass das System auch von anderen Einrichtungen genutzt werden kann, zum Beispiel von Kfz-Versicherungen. Dies gilt jedoch besonders für eCall-Systeme, die von Autoherstellern angeboten werden und nicht für das „offiziell“ verpflichtende System.

Gut zu wissen:Was ist eine Rettungskarte?

Bei der Rettungskarte handelt es sich um ein Dokument, auf dem alle wichtigen fahrzeugspezifischen Informationen hinterlegt werden. Diese Karte hilft Rettungskräften bei einem Unfall, Fehler zu vermeiden und Insassen besser bergen zu können. Die Rettungskarte wird mittlerweile von vielen Herstellern angeboten. Automobilclubs wie der ADAC empfehlen, die Rettungskarte auszudrucken und hinter der Sonnenblende zu platzieren. Im Notfall haben Rettungskräfte dann schnell Zugriff darauf. Mit dem eCall-System sollen die Einsatzkräfte die Daten für die Karte direkt nach dem Notruf abrufen können.

Bei Nachrüstung: Richtige eCall-Lösung wählen

Wenn Sie Ihr Fahrzeug mit einer eCall-Lösung nachrüsten wollen, sollten Sie auf verschiedene Aspekte achten:

  • Im besten Fall wird die Technik fest im Fahrzeug verbaut, damit sie jederzeit einsatzbereit ist.
  • Die verwendete technische Lösung sollte sicherstellen, dass die Identifikation des Fahrzeugs eindeutig möglich ist.
  • Es sollte sichergestellt sein, dass der Pannenruf nicht mit dem Notruf verwechselt werden kann.
  • Der Datenschutz sollte den europäischen und deutschen Bestimmungen entsprechen.
  • Positionsdaten des Systems sollten nur im Notfall übermittelt werden.
  • Die Daten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.
  • Es muss ein Formular zur Datenübermittlung vorhanden sein, bei dem Sie mit Ihrer Unterschrift der Übermittlung zustimmen.

Nachrüstung durch Versicherer

Viele Versicherungsunternehmen wollen eCall-Systeme zum Nachrüsten anbieten. Die Kosten sollen sich dabei im mittleren zweistelligen Euro-Bereich bewegen, zum Beispiel bei knapp 30 oder 40 Euro. Die Systeme werden jedoch in der Regel nicht fest verbaut, sondern basieren auf einem Stecker, der in den Zigarettenanzünder gedrückt wird, und einer Smartphone-App.

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