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Festgeldzinsen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Festgeld bietet eine Möglichkeit, auch in Zeiten niedriger Zinsen mit einer sicheren Geldanlage eine vergleichsweise gute Rendite zu erzielen. Mit Festgeld kann man als Anleger sehr gut kalkulieren, denn der Zinssatz wird bereits bei Vertragsabschluss oft auf Jahre im Voraus festgesetzt. Wie viel Rendite das Geld am Ende bringt, steht somit schon am Anfang fest. Wenn Sie über eine Geldsumme verfügen, die Sie wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht benötigen werden, sollten Sie sich über Festgeld informieren – und die verschiedenen Angebote der Banken vergleichen.

Viele Menschen mit großen finanziellen Rücklagen fragen sich, wie sie dieses Geld anlegen sollen. Weil das traditionelle Sparbuch heute kaum noch eine Rolle spielt, bieten sich Tagesgeld und Festgeld als zwei grundsätzliche Alternativen der Geldanlage an. Wollen Sie sich Liquidität bewahren und legen Wert darauf, jederzeit Zugriff auf das Geld zu haben, sollten Sie sich für ein Tagesgeldkonto entscheiden – mit vergleichsweise niedrigen Zinsen. Können Sie auf die Verfügbarkeit hoher Geldbeträge lange Zeit verzichten, ist das Festgeld aber die lukrativere Alternative. Als Faustregel gilt: Je mehr Geld „übrig“ ist, umso eher sollte man sich für Festgeld entscheiden.

AspektTagesgeldFestgeld
Zinssatz variabel fest
Rendite eher niedrig vergleichsweise hoch
Flexibilität groß (es können individuelle Sparleistungen erbracht werden) gering (fest angelegter Betrag auf lange Laufzeit)
Mindesteinlage meist nicht notwendig (oder sehr gering) hoch (in der Regel erst ab 1000 Euro)
Liquidität hoch (auch große Beträge sind jederzeit verfügbar) niedrig (Kündigung meist nur aus Kulanzgründen)

Davon hängt die Höhe der Festgeldzinsen ab

Ausgangspunkt für die Höhe der Zinsen für Festgeld ist natürlich immer die allgemeine Zinsentwicklung. In Zeiten hoher Zinsen ist Festgeld ganz besonders attraktiv, aber auch in Niedrigzinszeiten warten Festgeldanlagen regelmäßig mit etwas höheren Zinssätzen auf. Warum ist dies so? Festgeld zeichnet sich dadurch aus, dass ein bestimmter Betrag auf lange Sicht der Bank überlassen wird. Dies gibt dem Finanzinstitut eine gewisse Sicherheit und die Möglichkeit, mit dem vom Kunden angelegten Geld zu arbeiten. Dafür werden höhere Zinsen als für Tagesgeldkonten geboten, weil bei diesen für die Bank immer die Gefahr besteht, dass der Kunde höhere Beträge abhebt. Entscheidend für die Höhe der Zinsen beim Festgeld ist also vor allem die Laufzeit.

Die Höhe der Zinsen für Festgeld orientiert sich im Wesentlichen (wie bei allen Zinsen) am EZB-Leitzins. Attraktive Festgeldzinsen für kurze Laufzeiten gibt es nur bei sehr hohen Anlagesummen (ab 10.000 Euro).

Weitere Faktoren:

  • Je länger die Laufzeit, desto besser der Festzins
  • Wenn eine vorzeitige Kündigung vertraglich möglich ist, wirkt sich dies in der Regel negativ auf den Festzins aus
  • Neukundenboni gewähren oft für einen begrenzten Zeitraum erhöhte Zinsen

Nicht nur auf die Zinsen kommt es an

Wer sein Geld nicht nur sicher, sondern auch gewinnbringend anlegen will, sollte beim Festgeld neben den Zinsen auch auf andere Konditionen achten. Der Zinssatz bietet in der Regel zwar eine gute Orientierung beim Vergleich der Angebote, im Detail können sich jedoch auch andere Faktoren auswirken:

  • Neukundenboni (meist nur für einen begrenzten Zeitraum, beispielsweise das erste Jahr)
  • Wie werden die Zinsen ausgezahlt?
    • Jährlich auf ein Tagesgeldkonto? In diesem Fall ist der Zinseszins-Effekt geringer
    • Erst am Ende der Laufzeit? Die Zinsen sind dann nicht sofort verfügbar, sie erhöhen jedoch den Zinseszins-Effekt

Zins-Auszahlung: Zinseszins und Abgeltungssteuer

Der Zinseszins-Effekt ist eine wichtige Größe, die vielen Kunden erst auf den zweiten Blick auffällt. Wie der Name es schon sagt, bezieht sich dieser Effekt darauf, dass Zinsen im Laufe der Zeit auch für die Beträge anfallen, die bereits durch Zinsen erworben wurden. Je länger die Laufzeit eines Festgeld-Vertrags ist, umso mehr wirkt sich der Zinseszins-Effekt aus. Er wird aber nur dadurch ermöglicht, dass die Zinsen auf dem Festgeldkonto verbleiben. Werden die Zinsen dagegen jährlich ausgezahlt – beispielsweise auf ein Tagesgeldkonto – ist der Effekt geringer. Denn Tagesgeldkonten weisen in der Regel niedrigere Zinssätze auf. Der Zinssatz ist deshalb nicht allein entscheidend für die Rendite. Die Auszahlungskonditionen für die Zinsen spielen beim Festgeld ebenfalls eine große Rolle.

Auch beim Festgeld wird vom Staat eine pauschale Abgeltungssteuer erhoben, die direkt von der Bank eingezogen wird. Sie beträgt 25 Prozent der Zinsen, die mit Geldanlagen erwirtschaftet werden. Mit einem Freistellungsauftrag kann verhindert werden, dass die Steuer direkt von der Bank an den Fiskus abgeführt wird, solange die Erträge 801 Euro bei Singles beziehungsweise 1.602 Euro bei Verheirateten nicht übersteigen. Haben Sie es versäumt, einen Freistellungsauftrag zu erteilen, können Sie die abgeführte Steuer in Ihrer Steuererklärung als Einkommensteuervorauszahlung geltend machen.

Festgeld ist vor allem für Menschen interessant, die weniger auf hohe und ungewisse Gewinne als auf Sicherheit setzen. Entscheidend ist im Wesentlichen die Laufzeit des individuellen Festgeld-Vertrags. Lange Laufzeiten können profitabel sein – in Niedrigzinszeiten allerdings nur dann, wenn sich die Zinsentwicklung nicht ändert. Kurze Laufzeiten beim Festgeld lassen die Option offen, auf Zinsänderungen reagieren zu können, doch sie bieten nur überschaubare Renditeaussichten, die kaum über der Rendite eines Tagesgeldkontos liegen. Wer aber über hohe Rücklagen verfügt und einen Teil seines Vermögens in Festgeld anlegt, macht in der Regel nichts falsch. Generell sollte aber natürlich im Sinne der Diversifikation nicht das gesamte Vermögen in Festgeld angelegt werden. Durch verschiedene Anlageformen, beispielsweise Aktien, Fonds, Festgeld und Rohstoffe wie Gold, können Sie das Risiko der Geldanlage streuen. Zudem erreichen Sie so eine Balance zwischen riskanteren Anlagen wie Aktien, die für eine ausreichende Rendite sorgen, und sicheren Anlagen wie Festgeld, die einen völligen Verlust des angesparten Kapitals verhindern.

Richtige Laufzeit wählen

Die Höhe der Festgeldzinsen ist im Wesentlichen von der Laufzeit abhängig. Je länger dem Finanzinstitut das vom Kunden überlassene Geld zur Verfügung steht, umso wahrscheinlicher sind auch die Renditeaussichten für die Bank. Denn die Bank arbeitet mit dem Geld und legt es gewinnbringend an. Unterschiedliche Laufzeiten für Festgeld richten sich nach den Interessen des Anlegers:

LaufzeitVor- und Nachteile
6 Monate bis 1 Jahr
  • Niedrige Zinsen/Rendite
  • Für hohe Beträge geeignet
  • Kurze Laufzeit eröffnet die Möglichkeit, kurzfristig von gestiegenen Zinsen zu profitieren
1 bis 2 Jahre
  • Etwas höhere Zinsen und Rendite
  • Auch bei mittleren Beträgen (ca. 5000 Euro) denkbar
  • Empfehlenswert, wenn auf mittelfristig niedrige Zinsen spekuliert wird
3 bis 5 Jahre
  • Relativ hohe Zinsen, gute Rendite
  • Empfehlenswert bei höherem Zinsniveau und großen Rücklagen
Bis zu 10 Jahre
  • Wird nur selten angeboten
  • Nur bei sehr hohem Zinsniveau empfehlenswert

Zinsentwicklung

Seit einiger Zeit kennt die Entwicklung der Zinsen nur eine Richtung: Nach unten. Und solange der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei fast null Prozent liegt (0,05 % Anfang 2015), wird sich auch an der Zinsentwicklung beim Festgeld nicht viel ändern. Experten erwarten ein Anziehen des Leitzinses erst dann, wenn sich im Euro-Raum eine stabile wirtschaftliche Entwicklung abzeichnet. Erst dann wird die EZB wahrscheinlich Handlungsspielräume für eine langsame Abkehr von der Politik des „billigen Gelds“ sehen. Mittelfristig werden sich die Zinsen auch für Festgeld wohl nicht wesentlich ändern und weiterhin im Bereich von ein bis drei Prozent bewegen. Sollte die EZB allerdings den Leitzins weiter senken, würde auch das Zinsniveau der Festgeld-Anlagen leiden – über diese Maßnahme wird unter Finanzexperten derzeit allerdings nur spekuliert.

Wie sicher ist Festgeld?

Börsencrash und Eurokrise – viele Anleger fragen sich angesichts dieser Ereignisse, wie sicher ihre Anlagen bei der Bank sind. Festgeld und staatliche Wertpapiere genießen im Allgemeinen den Ruf, solide Zinseinnahmen zu garantieren, wenn die Gewinnerwartungen hier auch nicht besonders groß sind. Das Risiko ist jedoch gering. Die EU-weite Sicherung von Sparanlagen bis zu 100.000 Euro gilt auch für Festgeldkonten. Diese Regelung ist in der Europäischen Union seit 2011 in Kraft – und sie gilt pro Kunde und Bank. Einen zusätzlichen Schutz (über die staatlich garantierte 100.000-Euro-Grenze hinaus) bietet der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V., dem zum Beispiel die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Postbank angeschlossen sind. Hierdurch werden bis zu 1,5 Millionen Euro pro Anleger geschützt.

Zinsverluste durch Vorfälligkeitsentschädigung

Ein Festgeldkonto ist auf Dauer angelegt – das macht die spezifische Besonderheit des Festgelds aus. Deshalb hat der Kunde in der Regel nicht das Recht, den Vertrag vorzeitig zu kündigen, um an das bereits eingezahlte Geld zu kommen. Meist zeigen sich die Banken jedoch kulant – sie verlangen aber für die entgangene Möglichkeit, das Geld gewinnbringend zu verwenden, in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung. Dieser Betrag ist oft höher als der bisher erreichte Gewinn durch Zinsen, sodass eine vorzeitige Kündigung mit einem finanziellen Verlust für den Kunden verbunden sein kann.

Die Vorfälligkeitsentschädigung wird oft in Form niedrigerer Zinsen oder dem völligen Wegfall von Zinsen beglichen. Wenn sich die Bank nicht auf eine vorzeitige Kündigung einlässt, bietet sie oft einen Kredit an, der mit dem Festgeldkonto gesichert wird. Die eingeschränkten Kündigungsmöglichkeiten sind ein weiteres Argument dafür, Festgeldanlagen nur für Geldsummen zu nutzen, auf die man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in absehbarer Zukunft angewiesen ist.

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