Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Firmenkredite: Kapital für Unternehmensinvestitionen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Ein Firmenkredit kann von Selbständigen oder Unternehmen in Anspruch genommen werden, um größere Investitionen oder eine Unternehmensgründung zu finanzieren. Dabei gelten andere Bedingungen als für Kredite für Privatpersonen. Um einen Firmenkredit zu erhalten, müssen die Antragsteller ihre Kreditwürdigkeit belegen können.

In den meisten Fällen wird ein Firmenkredit verwendet, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern. Somit stellen Unternehmenskredite eine wichtige Basis für die Sicherung der Unternehmensfinanzierung dar.

In Deutschland werden Firmenkredite von mittelständischen Unternehmen genutzt, um zum Beispiel neue Maschinen oder einen Fuhrpark anzuschaffen. Darüber hinaus liefern Firmenkredite frisches Kapital für die Anschaffung neuer Technologien. Hierzu gehören zum Beispiel Online-Shop-Software oder Logistiksoftware.

Kapital für die Unternehmensgründung

Firmenkredite dienen auch zur Finanzierung von Neugründungen. Banken als Kreditgeber strecken in diesem Fall Kapital vor, damit Unternehmer die nötige Ausrüstung oder Ausstattung für die Gründung bezahlen können. Ebenso können für die erste Zeit Mitarbeitergehälter oder Honorare über Gründerkredite bezahlt werden.

Kurzfristige oder langfristige Firmenkredite

Grundsätzlich werden Firmenkredite in zwei verschiedene Arten eingeteilt, die durch die jeweilige Laufzeit bestimmt werden.

  1. Kurzfristige Firmenkredite
    Diese Kredite haben eine relativ kurze Laufzeit und versorgen Unternehmen schnell mit Kapital, zum Beispiel bei plötzlichen Einnahmerückgängen oder dem Ausfall eines Auftrags. Kurzfristige Firmenkredite werden in der Regel als Rembourskredit, Avalkredit, Diskontkredit oder Kontokorrentkredit vergeben. Durch die kurzfristige Kreditgewährung kann Zahlungsausfall des Unternehmens verhindert werden.
  2. Langfristige Unternehmenskredite
    Diese Kreditform wird auch Investitionskredit genannt. Hierbei handelt es sich um Darlehen, die für große Anschaffungen wie Maschinen oder Technologie benötigt werden. Diese Kredite haben dann eine möglichst lange Laufzeit.

Nur für Selbständige oder Unternehmen

Der Sinn und Zweck eines Firmen- oder Unternehmenskredits ist es, dass die Finanzierung dem Unternehmen zugute kommt. Deshalb sind die Begünstigten bei Firmenkrediten Unternehmen oder Selbständige, die das Kapital für ihr Geschäft benötigen.

Von der Kreditsumme profitiert durch Investitionen indirekt die Allgemeinheit. Auf diese Weise unterscheidet sich der Firmenkredit vom Privatkredit. Letztgenannter dient lediglich der Erfüllung persönlicher Wünsche.

Firmenkredite können von juristischen Personen des Öffentlichen Rechts oder des Privaten Rechts sowie von Personenhandelsgesellschaften abgeschlossen werden. In der Regel leistet der Geschäftsführer die Unterschrift unter den Kreditvertrag. Gibt es mehrere Geschäftsführer unterschreiben diese gemeinsam.

Anforderungen an bestehende Unternehmen

Bei der Beantragung eines Firmenkredits wird die Kreditwürdigkeit von Unternehmen überprüft. Für eine erste Prüfung werden die Finanzdaten von ähnlichen Dienstleistern wie der SCHUFA in Anspruch genommen.

Doch die SCHUFA ist nur für Privatpersonen zuständig. Allerdings können die SCHUFA-Daten ebenfalls herangezogen werden, um die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers zusätzlich zu prüfen.

Offenlegung der finanziellen Situation

Ähnlich wie Privatkunden müssen auch Firmeninhaber die finanzielle Situation ihres Geschäfts darlegen. Folgende Unterlagen können deshalb von der Bank angefordert werden:

  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen
    Sofern noch kein aktueller Steuerbescheid vorliegt, können Banken eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) anfordern. Darin listet üblicherweise ein Steuerberater alle Einnahmen und Ausgaben des laufenden Geschäftsjahres auf.
  • Bilanzen
    Wenn Unternehmen bilanzieren müssen, sind die Bilanzen vor der Finanzierung vorzulegen.
  • Handelsregisterauszüge
    Hierüber erfahren die Kreditgeber mehr über die Firmeninhaber und die Verteilung von Firmenanteilen. So ist zum Beispiel die Haftung bei Zahlungsausfall anders geregelt, wenn eine GmbH finanziert wird oder ein Einzelunternehmen.
  • Kontoauszüge
    Anhand aktueller Kontodaten können sich Banken einen Überblick über die laufende Geschäftstätigkeit verschaffen.
  • Steuerbescheide
    Über die Steuerbescheide bekommen Banken Einblicke in die Gewinne der vergangenen Jahre.
  • Satzungen und Verträge
    Durch die Prüfung von Vertragswerken können Banken Verbindlichkeiten und Pflichten gegenüber Dritte kontrollieren.

Anhand dieser Dokumente prüft die Bank nicht nur die aktuelle Situation, sondern versucht daraus, die weitere geschäftliche Entwicklung abzuleiten. In den meisten Fällen haben Banken ein eigenes Scoring-System zur Verfügung, um die Kreditwürdigkeit des Antragstellers einzustufen. Von dieser Einstufung hängt danach zum Beispiel die Verzinsung des Firmenkredits ab.  

Gut zu wissen:Glaubwürdigkeit als wichtiger Faktor

Zahlen sind nur eine Seite bei der Beantragung eines Firmenkredits. Mindestens ebenso wichtig ist die persönliche Glaubwürdigkeit, die ein Kreditnehmer bei einem Firmenkredit ausstrahlt. Letztlich gehen Banken durch hohe Kreditsummen ein großes Risiko ein. Deshalb spielt die persönliche Ausstrahlung der Antragsteller eine entscheidende Rolle.

5 Tipps zum Kreditantrag für die Firma

  1. Legen Sie die finanzielle Situation Ihrer Firma so offen wie möglich dar. Verschleiern Sie keine Fakten. Früher oder später wird die Bank diese „negativen Aspekte“ ohnehin bemerken.
  2. Treten Sie selbstbewusst, aber nicht überheblich auf.
  3. Kleiden Sie sich angemessen, nicht zu leger, aber auch nicht zu förmlich.
  4. Bleiben Sie authentisch. Versuchen Sie nicht, eine andere Person abzugeben.
  5. Geben Sie auf mögliche Fragen keine ausweichenden Antworten.

Tipp:Firmenkredit bei der Hausbank beantragen

Für Unternehmer kann es von Vorteil sein, wenn sie ihren Firmenkredit bei der Hausbank beantragen. Wer sich dort durch eine sehr gute Zahlungsmoral sowie Liquidität bewährt hat, kann dadurch Vorteile beim Kreditantrag für seine Firma haben.

Firmenkredit für Existenzgründer: Anforderungen

Existenzgründer oder Selbständige benötigen im besonderen Maße Fremdkapital, weil sie bei der Gründung in der Regel noch nicht ausreichend Kapital besitzen.

Im Gegensatz zu bereits existierenden Unternehmen können Existenzgründer sich nicht einer Bonitätsprüfung unterziehen lassen. Dies gilt zumindest für das Geschäft, da noch keine validen Geschäftsdaten vorliegen. Doch auch hier besteht die Möglichkeit, dass Banken dennoch eine herkömmliche Bonitätsprüfung durchführen, um das Finanzgebaren des Antragstellers zu testen.

Der Businessplan ersetzt die Bonitätsprüfung

Existenzgründer müssen für ihren Kreditantrag einen Businessplan vorlegen. Er ist wichtig für die Kreditgeber, weil daraus hervorgeht, ob eine Geschäftsidee erfolgreich sein kann.

Zugleich belegt der Businessplan, dass der Existenzgründer die nötige Erfahrung vorweisen kann, damit die Geschäftsidee langfristig zum Erfolg führt. Darüber hinaus gibt der Businessplan an, mit welcher Konkurrenz das Unternehmen rechnen muss.

Ziel jedes Businessplans ist es, den Kreditgeber von der Geschäftsidee zu überzeugen und ihm adäquate Lösungsvorschläge für mögliche Risiken zu liefern. 

Tipp:Auf diese Fragen sollte ein Businessplan Antworten geben können

  • Wer gründet das Unternehmen? Über welches Know-how und welche Fähigkeiten verfügt der Gründer?
  • Was bietet das Unternehmen an und was ist das Besondere an dessen Dienstleistungen oder Produkten?
  • Wie ist das Marktumfeld?
  • Gibt es Konkurrenz?
  • Für welche Zielgruppe sind die Produkte oder Dienstleistungen gedacht?
  • Welche Pläne gibt es beim Marketing?
  • Für welche Unternehmensform entscheidet sich der Gründer?
  • Werden Mitarbeiter benötigt? Welche Formalitäten wurden bereits erfüllt / müssen noch erfüllt werden?
  • Welche Chancen und Risiken hat die Geschäftsidee?
  • Wie soll das Unternehmen finanziert werden?
  • Gibt es Urkunden, Zeugnisse, Zertifikate oder andere offizielle Dokumente, die Leistungen oder Kenntnisse bestätigen?

Der Finanzierungsplan – darauf kommt es an

Der Finanzierungsplan ist ein wichtiger Bestandteil des Businessplans. In diesem Abschnitt wird genau erläutert, wie viel Eigenkapital vorhanden ist und wie hoch der Bedarf an Fremdkapital ist. Somit sagt der Finanzierungplan der Bank genau, wie viel Geld für die Finanzierung benötigt wird.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Existenzgründer

Existenzgründer müssen nicht immer zur Bank gehen, wenn sie Fremdkapital benötigen. Mögliche Anlaufstellen sind auch:

  • Freunde und Verwandte: Für den Start können häufig schon Freunde und Verwandte mit Kapital aushelfen. Um Streit zu vermeiden ist es empfehlenswert, auch unter Freunden einen Vertrag aufzusetzen.
  • Venture Capitalists: Existenzgründer können sich von Investoren Geld leihen. Dafür können sie Firmenanteile vergeben. Bei den Investoren kann es sich um andere Unternehmen oder private Investoren handeln.
  • Crowdfunding: Eine moderne Variante der Unternehmensfinanzierung ist Crowdfunding. Hier stellen meist Privatpersonen unterschiedliche Geldbeträge zur Verfügung. Crowdfunding wird in der Regel über das Internet über sogenannte „Crowdfunding-Plattformen“ abgewickelt. Für ihre Einlage erhalten die Anleger dann in der Regel Anteile an der Firma oder das finanzierte Produkt, sobald es fertiggestellt wurde.
  • Förderorganisationen: Organisationen wie die „Business Angels“ fördern Gründer, indem sie Kapital zu günstigen Konditionen bereitstellen. Existenzgründer können außerdem auf verschiedene Initiativen der Länder, Kommunen oder des Bundes zurückgreifen.
  • Existenzgründerzuschuss: Wer Arbeitslosengeld bezieht, hat die Möglichkeit, bei Neugründungen einen Existenzgründerzuschuss zu erhalten. Der Zuschuss wird beim zuständigen Arbeitsamt beantragt. Für die Bewilligung gelten ähnliche Regeln wie für die Beantragung eines Firmenkredits bei der Bank. So müssen Antragsteller zum Beispiel auch einen Businessplan vorlegen.

Sicherheiten für einen Firmenkredit

Für Firmenkredite kann die Bank verschiedene Sicherheiten verlangen. Unterschieden wird dabei zwischen Sachsicherheiten und Personensicherheiten. Bei einer Personensicherheit bürgt zum Beispiel eine andere Person für den Kredit.

Bei Sachsicherheiten werden Sachwerte als Sicherheit hinterlegt. Üblicherweise reicht eine Personensicherheit bei Unternehmensfinanzierungen nicht aus.

Zu den Sachsicherheiten gehören folgenden Werte:

Die Art der Sicherheit kann sich auf die Konditionen, zum Beispiel die Verzinsung, auswirken.

Die Besonderheit bei Hypotheken

Wird eine Sicherheit hinterlegt, reduziert sich die Belastung der Sicherheit üblicherweise mit der Verringerung der Kreditschuld. Man spricht in diesem Fall von akzessorischer Sicherheit.

Wird für den Firmenkredit jedoch eine Grundschuld auf eine Immobilie oder ein Grundstück eingetragen, ist die Belastung fiduziarisch. Dies bedeutet, dass die Grundschuld immer gleich hoch bleibt, ganz gleich wie viel des Kredits bereits zurückgezahlt wurde. Erst wenn der Kredit vollständig beglichen wurde, wird die Grundschuld gelöscht. 

Gut zu wissen:Hypothek und Grundschuld

Für Banken stellt die Hypothek oder die Grundschuld eine besonders hohe Sicherheit dar, da sie sie auch in Anspruch nehmen kann, wenn ihrerseits noch weitere Forderungen aus anderen Verträgen gegenüber dem Kreditnehmer bestehen.

Alternativen zum Firmenkredit

Um sich mit frischem Kapital zu versorgen, können große Unternehmen auch Anleihen oder Wertpapiere ausgeben. Werden Anleihen ausgegeben, müssen Unternehmen berücksichtigen, dass sie die garantierte Verzinsung des Kapitals auch durch entsprechende Einnahmen realisieren können.

Bei der Ausgabe von Aktien sind außerdem zahlreiche weitere Anforderungen zu erfüllen. So muss das Unternehmen zum Beispiel zuerst in eine Aktiengesellschaft überführt werden.

Lesen Sie mehr dzau

Kreditwürdigkeit und Bonität bei der Kreditaufnahme
Kreditwürdigkeit und Bonität bei der Kreditaufnahme
Die Bonität oder Kreditwürdigkeit eines potenziellen Kreditnehmers ist eine Grundvoraussetzung bei der Vergabe von Krediten. Ein Kreditnehmer ist dann kreditwürdig, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch...
Kreditauskunft
Kreditauskunft
Bei einer Kreditauskunft wird die Kreditwürdigkeit eines potenziellen Vertragspartners überprüft, also zum Beispiel bei einer Kreditanfrage oder einer Kontoeröffnung. Sie kann bei Auskunfteien wie der...
Kredit Ratgeber
Kredit Ratgeber
Wenn Sie kurz- oder langfristig einen finanziellen Engpass überbrücken möchten, können Sie einen Privatkredit aufnehmen. Diese sind in vielen verschiedenen Formen verfügbar, da die Kreditgeber ihre Angebote...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen