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Forex: Gefährliches Geschäft oder harmloser Handel?

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Forex, der Devisenmarkt, bietet Tradern große Gewinnchancen. Allerdings setzt das Trading profunde Kenntnisse und Erfahrung voraus, denn der Handel mit Devisen ist mit einem hohen Risiko verbunden.

Der Handel mit Währungen hat eine lange Geschichte. Schon im antiken Griechenland wurden Devisen gehandelt: Damals tauschten Händler aus dem Nahen Osten ihre Währungen, um Waren von europäischen Partnern zu kaufen und umgekehrt. Dieser noch relativ einfache Devisentausch erfolgte in der Regel auf der Basis von Gewicht und Material der jeweiligen Währung. Große Handelsfamilien wie die Medici in Italien oder ganze Handelsnationen wie Großbritannien prägten im 16. Jahrhundert den Devisenmarkt.

Eine institutionelle Form des Devisenhandels entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals war es erstmals möglich, ein eigenes Konto im Ausland zu führen und dort Beträge in der jeweiligen Landeswährung gutschreiben zu lassen. Mit der Einführung des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und dem Bretton-Woods-Abkommen etablierten sich noch während des Zweiten Weltkriegs feste Wechselkurse zwischen den Währungen.

Nachdem sich die Zentralbanken zunächst auf Eingriffe bei starken Kursschwankungen geeinigt hatten, wurde diese Beschränkung nach und nach aufgehoben, sodass die Devisenkurse heute frei steigen und fallen können. Allerdings haben große Staatskrisen gezeigt, dass die Zentralbanken oder Staaten selbst eingreifen, um starke Kursrückgänge auszugleichen.

Was ist der Forex?

Forex ist eine Abkürzung für den englischen Begriff „Foreign Exchange Market“ und wird auf Deutsch mit Devisenmarkt übersetzt. Synonym werden auch die Bezeichnungen Währungsmarkt und FX-Markt verwendet. Beim Forex handelt es sich um den größten Finanzmarkt der Welt. Täglich werden dort über 5 Billionen US-Dollar Umsatz gemacht.

Auf dem Devisenmarkt können Händler (Trader) Devisen kaufen und verkaufen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei einem Währungsumtausch im Urlaub. Wenn ein Urlauber aus Deutschland in die USA reist und vor dem Reiseantritt 100 Euro in Dollar umtauscht, berechnet sich die Menge der erhaltenen Dollar anhand des Wechselkurses. Kommt der Urlauber wieder nach Deutschland zurück, kann er seine Dollar wieder in Euro umtauschen. Liegt der Wechselkurs höher, profitiert er vom Rücktausch. Liegt der Kurs niedriger, verliert er beim erneuten Umtauschen Geld.

Jeder kann handeln

Der Forex ist weder an einen festen Ort noch an sehr feste Zeiten gebunden. Außer am Wochenende können Trader nahezu 24 Stunden täglich Währungen kaufen oder verkaufen. Damit unterscheidet sich der Forex Trade vom Aktienhandel, der an die jeweiligen Börsen sowie an die Öffnungszeiten der Börsen geknüpft ist.

Im Prinzip kann jeder von überall auf der Welt in den Devisenhandel einsteigen, ein Internetanschluss vorausgesetzt. Allerdings ist der Handel mit Devisen mit sehr hohen Risiken verbunden. Für Laien ist der FX-Markt deshalb weniger geeignet.

Beim Forex müssen Trader zum Beispiel bedenken, dass ein schwacher Euro dazu führt, dass er gegenüber allen Währungen schwächer ist. Hat ein Trader nun Devisen unterschiedlicher Währungen gekauft, muss er überall mit Verlusten rechnen.

Die Handelszeiten

Beim Forex werden vier Haupthandelszeiten berücksichtigt. Es zählen jeweils die Öffnungszeiten des Marktes in New York, London, Tokio und Sydney. Für deutsche Forex Trader ergibt sich dadurch eine mögliche Handelszeit von sonntags, 22.00 Uhr, bis freitags, 23.00 Uhr. Am Wochenende sind die Märkte geschlossen. Durch die Zeitverschiebung und die jeweiligen Öffnungszeiten der Länder können Händler unter der Woche nahezu 24 Stunden mit Devisen handeln.

Besonders lohnenswerte Handelszeiten sind wöchentlich an Werktagen zwischen 13.00 und 17.00 Uhr. In dieser Zeitspanne sind die Märkte in den USA und Europa gleichzeitig geöffnet.

Gut zu wissen:Die vier Haupthandelszeiten

  1. Sydney-Zeit: GMT + 1
  2. Tokyo-Zeit: GMT + 9
  3. New-York-Zeit: GMT - 4
  4. London-Zeit: GMT + 1

Die Forex Währungen

Mit dem Wechselkurs wird bezeichnet, welche Menge einer Währung benötigt wird, um eine andere Währung zu kaufen. Synonyme für Wechselkurs sind auch Devisenkurs oder FX Rate. Beim Forex werden in der Regel zwei verschiedene Formen der Wechselkurse genutzt. Als „Kassakurs“ wir der aktuelle Wechselkurs zu einem bestimmten Zeitpunkt bezeichnet. Der Devisenterminkurs umfasst den heutigen Kurs, der für ein Devisengeschäft in der Zukunft angesetzt wird.

Wechselkurse verändern sich, wenn die Nachfrage nach einer bestimmten Währung steigt oder fällt. Die Nachfrage kann zum Beispiel steigen, weil ein Land viele Produkte exportiert. Diese werden in der jeweiligen Landeswährung bezahlt.

Ein Beispiel: Ein Trader kauft für 1,00 Euro 1,30 US-Dollar. Steigt der Euro, kann er beim erneuten Dollarkauf zwar mehr Dollar erhalten, allerdings kann er seine bereits gekauften US-Dollar nur mit Verlust wieder in Euro tauschen.

Währungspaare

Ein Währungspaar bezeichnet beim Forex Trading die Währung von der in eine andere getauscht wird. Die erstgenannte Währung wird als Basiswährung, die zweitgenannte als Kurswährung bezeichnet. Die Basiswährung ist die Währung, die gekauft wird.

Währungspaare bestehen meistens aus dem US-Dollar und anderen Währungen, weil der US-Dollar auf dem Währungsmarkt am häufigsten gehandelt wird.

Besteht ein Währungspaar aus zwei Hauptwährungen ohne US-Dollar, spricht man auch von Währungskreuzen. So sind zum Beispiel Währungskreuze mit Euro, Yen oder Pfund möglich.

Die Währungspaare werden in der sogenannten „Chart“ angezeigt. Steht dort zum Beispiel EUR/USD 1,35, muss ein Trader 1,35 US-Dollar bezahlen, um einen Euro zu erhalten.

Die Top5-Währungspaare beim Forex sind:

  • EUR/USD
  • USD/JPY
  • GBP/USD
  • USD/CHF
  • USD/CAD

So funktioniert der Forex Trade

Die größten Marktteilnehmer auf dem Forex sind Banken, Industrieunternehmen oder professionelle Devisenmakler und Handelshäuser. Es können jedoch auch private Devisenhändler am Markt teilnehmen.

Geld verdienen über den Forex

Es gibt keine pauschale Aussage dazu, wie viel Kapital ein Trader für den Forex Handel benötigt. Letztlich hängt der Kapitaleinsatz davon ab, wie viel Gewinn gemacht werden soll. Der Einstieg in den Forex Trade ist jedoch schon mit ein paar hundert Euro möglich.

Die Rendite beim Forex Handel besteht aus der Differenz, mit der eine Währung gekauft und später wieder verkauft wird. Grundsätzlich ist die Berechnung der Rendite beim Forex Trade nicht so einfach wie bei einer herkömmlichen Geldanlage, zum Beispiel über Festgeld. Von der Rendite müssen außerdem die Gebühren für Forex Broker abgezogen werden, über die der Zugang zum Devisenmarkt erst möglich ist. Zu beachten ist dabei allerdings, dass diese Einkünfte versteuert werden müssen.

Wer viel Geld investiert, kann hohe Gewinne erzielen, allerdings ist Forex Trading nicht als Ersatz für ein Einkommen aus einer geregelten Arbeit gedacht. Privattrader können den Forex Handel jedoch zur Ergänzung des Einkommens nutzen.

Hoher Zeitbedarf

Forex Trading ist zeitaufwändig. Auch aus diesem Grund sollten Einsteiger sich zuvor überlegen, wie viel Zeit sie für ihre Devisengeschäfte aufbringen können. Forex Broker helfen bei der Entwicklung von Strategien und können so für Gewinne sorgen. Allerdings bleibt das hohe Risiko des Forex Tradings erhalten. Der durchschnittliche Forex Einsteiger wird jedoch in der Regel zunächst Verluste machen, da der Handel mit Währungen sehr komplex ist und deutlichen Schwankungen unterliegt.

Es empfiehlt sich daher, zunächst mit einem Demokonto bei einem Forex Broker zu starten, um ein Gefühl für den Devisenmarkt zu bekommen. Nach ersten Versuchen, Verlusten und Gewinnen können Anfänger dazu übergehen, echtes Geld in den Devisenhandel zu investieren.

Wichtige Grundsätze

Wer verantwortungsvoll in den Forex Trade einsteigen möchte, sollte sich an feste Grundsätze halten. Hierzu zählt, dass ein Trader nur so viel investiert, wie er auch als tatsächlichen Verlust tragen könnte. Darüber hinaus bewährt sich auch der Leitsatz „Kaufe niedrig, verkaufe hoch“. Wenn der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro zum Beispiel gerade sehr niedrig ist, sollten Trader Dollar kaufen. Durch die allgemein steigende Nachfrage an der günstigen Währung wird der Kurs voraussichtlich wieder steigen. Der Trader kann seine Devisen dann verkaufen und hohe Gewinne erzielen.

Wichtige Fachbegriffe

  • Forex Broker
    Sie sind das Bindeglied zwischen privatem Devisenhändler und dem Devisenmarkt. Private Trader können Währungen über sie kaufen und verkaufen. Forex Broker können heute auch sogenannte Trading Plattformen in Form von Software sein. Über diese Programme wird der Kauf und Verkauf von Währungen organsiert.
  • Hebel (Leverage)
    Damit lassen sich im Forex Trade sehr hohe Renditen erzielen. Der Hebel vervielfacht den Gewinn bei steigenden Aktienkursen nach dem Kauf. Der Broker bietet Tradern verschiedene Hebel an, die sie nutzen können. Je nach Größe des Hebels müssen entsprechende Sicherheiten (Margins) hinterlegt werden. Der Hebel funktioniert jedoch auch in die entgegengesetzte Richtung und kann zu hohen Verlusten führen.
  • Spread
    Dabei handelt es sich um eine Art Gebühr, die der Broker für jeden Trade erhebt. Der Spread berechnet sich aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufswert einer Währung.
  • Margin
    Die Margin ist eine Art Sicherheitsleistung, die ein Trader bei einem Broker für einen Handel hinterlegt. Die Margin definiert, wie hoch der maximale Hebel sein kann. Liegt die Margin bei einem Einsatz von 10.000 Euro bei einem Prozent, muss der Trader 100 Euro bei seinem Broker hinterlegen.
  • Pip (engl. price interest point)
    Der Pip ist eine Einheit, die für den Devisenhandel genutzt wird. Mit ihr kann die Preisänderung eines Währungspaares angegeben werden.
  • Lot
    Das Lot ist eine Handelseinheit im FX Trade. Ein Lot steht üblicherweise für 100.000 Einheiten. Werden zwei Lot beim Währungspaar USD/EUR gehandelt, geht es um den Einsatz von 200.000 US-Dollar.

Forex Tools

Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl an Tools, die den Devisenhandel vereinfachen können. Diese Tools sind als Software für PCs oder als online-basierte Systeme erhältlich. Darüber hinaus können einige FX Tools auch als Browser-Plugin oder Smartphone-App genutzt werden. Aufgrund der Vielzahl an Produkten ist eine eindeutige Empfehlung schwierig. Es empfiehlt sich, einfach einige Tools zu testen, um das Beste für sich zu finden.

Vor- und Nachteile des Forex Handels

Vorteile Nachteile
Hohe Liquidität auf dem Markt Marktkenntnisse unbedingt erforderlich
Handel erfolgt direkt zwischen Marktteilnehmern Sehr hohes Risiko, da hochspekulativ
Handelszeiten sind flexibel, da Handel 24 Stunden am Tag möglich Lange Einarbeitungszeit
Kein großes Startkapital nötig Starke Gewinnschwankungen
Hohe Renditechancen Hebelwirkung kann auch negativ ausfallen
Flexibel und über das Internet von überall aus möglich  

Der Forex Trade ist vorwiegend für Profis gedacht, die sich tief in die Materie einarbeiten. Gleichzeitig müssen Forex Trader sich bewusst sein, dass sie zwar hohe Gewinne, aber eben auch sehr hohe Verluste erzielen können. Das Risiko beim Devisenhandel ist selbst bei umfassender Marktkenntnis hoch!

Fragen und Antworten

Welche Hilfsmittel gibt es, um die richtige Trading Strategie zu entwickeln?

Wer eine Trading Strategie entwickeln möchte, kann zum einen ein Trading Journal anlegen. Auf der Basis seiner bisherigen Daten lassen sich dann neue Strategien ableiten. Darüber hinaus ist die Chartanalyse ein weiterer wichtiger Bestandteil zum Entwickeln einer sinnvollen Strategie. Entsprechende Trading-Software kann bei der Vorausberechnung von Kursen ebenfalls weiterhelfen. Zum Trainieren bieten sich Demokonten an.

Was ist ein Handelsjournal?

Im Handelsjournal, auch Trading Journal genannt, werden alle ausgeführten Trades festgehalten. Anhand dieser Daten können Trader die vergangenen Aktionen analysieren und so wichtige Erkenntnisse für neue Trades gewinnen. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel vermeidbare Fehler entdecken, die zu Verlusten geführt haben. Ebenso können erfolgreiche Strategien mit Hilfe des Handelsjournals optimiert werden.

Welche Daten sollte man in sein Handelsjournal aufnehmen?

Je mehr Daten im Handelsjournal erfasst werden, desto genauere Auswertungen kann der Trader vornehmen. Zur einfacheren Bearbeitung empfiehlt es sich, das Trading Journal als Excel-Tabelle anzulegen. Diese Tabelle kann folgende Daten enthalten:

  • Währungspaare
  • Open und Close (mit Datum und Uhrzeit)
  • Open und Close (Kurse)
  • Lot-Größe
  • Stop-Loss
  • Take-Profit
  • Indikatoren
  • Gewinne und Verluste
  • Tagescharts
  • Wichtige Kennzahlen

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