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Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Wer sich gegen Berufsunfähigkeit versichern will, von dem verlangen die Versicherungsgesellschaften genaue Infos über seinen Gesundheitszustand. Wer dabei schummelt, riskiert im Ernstfall den Versicherungsschutz.

Millionen-Risiko Berufsunfähigkeit: Rund jeder vierte Arbeitnehmer muss seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben. Glück im Unglück, wenn zuvor eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wurde. Damit die vereinbarte Rente auch fließt, muss der Versicherungsantrag unbedingt korrekt ausgefüllt worden sein. Denn wer Gesundheitsfragen falsch beantwortet hat, geht im Zweifelsfall leer aus. "Um die Gesundheitsfragen gibt es sehr oft Streit", weiß Professor Wolfgang Römer. Als neutraler Schlichter vermittelt der Versicherungsombudsmann tagtäglich bei Streitigkeiten zwischen Kunde und Versicherungsgesellschaft.

Hintergrund: Bevor die Versicherer Schutz gegen Berufsunfähigkeit anbieten, unterziehen sie ihre Kunden einem detaillierten und ausführlichen Gesundheitscheck. Neben Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, beruflichen Risiken (Giftstoffe, Unfallgefahr) und Lebensgewohnheiten (Rauchen, Sport) interessieren sie sich auch für sämtliche Vorerkrankungen, chronische Leiden und Unfälle. Kann die Gesellschaft später nachweisen, dass der Kunde im Versicherungsantrag gesundheitliche Probleme verschwiegen hat, muss sie im Ernstfall nicht zahlen.

Das gilt sogar, wenn die Berufsunfähigkeit gar nichts mit den verschwiegenen Krankheiten zu tun hat, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem aktuellen Urteil (Az. 12 U 391/04). Dabei ging es um eine Frau, die im Antrag einen Herzklappenfehler und erhöhte Cholesterinwerte unterschlug und später aufgrund eines Sturzes nicht mehr arbeiten konnte.

Achtung:Zeit nehmen beim Beantworten der Gesundheitsfragen

Um bei Berufsunfähigkeit nicht plötzlich ohne Rente da zu stehen, sollten Sie die Gesundheitsfragen gründlich und gewissenhaft beantworten – auf keinen Fall unter Zeitdruck! Wer den Antrag zusammen mit einem Versicherungsvertreter ausfüllt, sollte die Eingaben genau prüfen.

Zeitraum beeinflusst Streitpotenzial

Leider kommt es immer wieder vor, dass manche Vermittler aus Sorge um ihre Provision vor unbequemen Angaben zurückschrecken. Bei Vorerkrankungen oder chronischen Beschwerden wie beispielsweise Rückenproblemen oder Allergien empfiehlt es sich, eine Kopie der Krankenakte vom behandelnden Arzt beizulegen. Manche Gesellschaften wollen über die Krankheitsgeschichte der vergangenen zehn Jahre informiert werden, andere begnügen sich mit fünf. Als Faustformel gilt: Je kürzer der Zeitraum, desto geringer das Streitpotenzial!

Zusätzliche Prüfung im Ernstfall: Viele Kunden wähnen sich sicher, sobald die Gesellschaft den Antrag angenommen hat. „Oft ein teurer Irrtum“, weiß Professor Römer: „Ob die Gesundheitsfragen korrekt beantwortet wurden, prüft die Versicherung in der Regel erst, wenn sie im Schadensfall zahlen soll.“ Wurde beim Ausfüllen geschummelt oder geschludert, zahlt der Kunde im Zweifelsfall jahrelang umsonst Prämie.

Gut zu wissen:Es gibt Ausnahmen

Ist der Antrag unvollständig ausgefüllt oder bestehen zwischen einzelnen Angaben offensichtlich Widersprüche, muss die Versicherungsgesellschaft das sofort monieren – oder später trotzdem zahlen. Auf die ärztliche Schweigepflicht können Versicherungskunden übrigens nicht bauen. Mit der Unterschrift unter den Versicherungsvertrag wird der Arzt davon entbunden.

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