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Near Field Communication (NFC): Bargeldlos bezahlen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 01.02.2016

Die Funk-Technologie NFC („Near Field Communication“) soll den Zahlungsvorgang an der Kasse beschleunigen. Gleichzeitig ermöglicht sie es aber auch unbefugten Dritten, die Kreditkartendaten auszulesen. Die Verbraucherschützer fürchten eine neue Sicherheitslücke, die Betrüger ausnutzen könnten, doch die Finanzdienstleister beschwichtigen.

Immer wieder tritt im Zusammenhang mit bargeldloser Bezahlung der Begriff Near Field Communication, zu Deutsch Nahfeldkommunikation, auf. Dabei handelt es sich um eine drahtlose Übertragungstechnik zwischen zwei Geräten, die sich nah beieinander befinden – in der Regel findet der Datenaustausch mit einer Distanz von bis zu vier Zentimetern zwischen den Elementen statt.

Aus diesem Grund stellt NFC auch keine Konkurrenz zu WLAN oder Bluetooth dar, stattdessen spezialisiert sich die Anwendung auf einen Bereich, in dem zwei Geräte gesichert miteinander kommunizieren, etwa bei einem Bezahlvorgang.

Die Datenübertragungsrate beträgt dabei maximal 424 kBit/s. Das ist zwar geringer als bei einer Bluetooth-Übertragung, reicht aber aus, um kleinere Datenmengen, wie etwa Web-Links, zu verschicken. Auch unterschiedliche Daten wie Telefonnummern, Bilder, MP3-Dateien oder digitale Berechtigungen können per NFC übertragen werden. Ebenso ist die Technik im Bereich des bargeldlosen Bezahlens oder Ticketing einsetzbar.

Dieses Verfahren soll den Vorteil haben, dass Benutzer keine umständlichen Aktionen oder Kommandos auslösen müssen. Es reicht völlig aus, ein NFC-Gerät an ein anderes anzunähern: Sei es beim bargeldlosen Bezahlen, wenn Sie im Geschäft Ihr Smartphone an ein Bezahlterminal halten oder Ihr Bahnticket, das beim Annähern an das Terminal entwertet wird. Zahlungsabläufe können dadurch deutlich beschleunigt werden.

So setzt sich das Verfahren durch

Das NFC-Verfahren wurde bereits 2002 von der ehemaligen Philips-Tochter NXP und Sony entwickelt. Dabei wurden Standards wie Bluetooth oder RFID verwendet. Die Technik erreicht mittlerweile eine immer größere Nachfrage, sodass inzwischen Android-Smartphones über die passende Hardware verfügen und Samsung ein Bada-System eingeführt hat, das die weitere Verbreitung von NFC vorantreiben wird.

Zudem hat sich die Technik auch bei Banken etabliert: So sind bereits seit August 2012 EC-Karten des Sparkassenverbandes und der Genossenschaften mit entsprechenden Chips ausgestattet, ebenfalls haben Mastercard und Visa Karten mit NFC-Chips eingeführt. Schätzungsweise werden 2016 rund 46 Prozent aller Smartphones mit der NFC-Technik ausgestattet sein.

Einsatzbereiche von NFC

Die Einsatzbereiche der NFC-Technologie sind mehr als vielfältig und reichen vom Datenaustausch über bargeldloses Bezahlen bis hin zum Ticketing oder Zugangskontrollen. In der Regel werden dafür drei verschiedene Übertragungsmodi verwendet:

  1. Das NFC-Medium, beispielsweise ein Handy, liest den passiven Chip einer NFC-Chip-Karte aus.
  2. Das NFC-Medium wird von einem aktiven NFC Medium, etwa ein Fahrscheinkontrollgerät, ausgelesen.
  3. Als Leinenwerfer funktioniert NFC, wenn zwei NFC-Träger eine Verbindung für die Übertragung von größeren Datenmengen aufbauen, etwa via Bluetooth.

So ergeben sich verschiedene Einsatzbereich der Near Field Communication, von denen wir Ihnen einige exemplarisch vorstellen.

Datenaustausch

Insbesondere beim Austausch zwischen Smartphone und Tablet ist NFC schon weit verbreitet. Viele Android-Geräte sind bereits standardmäßig mit dem entsprechenden NFC-Chip ausgestattet. Um diese auszulesen, wird ein NFC-fähiges Smartphone bzw. gegebenenfalls eine aktive NFC-App vorausgesetzt.

Auch NFC-Tags können Sie nutzen: Diese kleinen Aufkleber sorgen in Verbindung mit einer App dafür, dass Ihr Smartphone bei Berührung verschiedene Aktionen auslöst. Mit nur einem Klick können Sie Daten austauschen, wenn Sie zwei aktive Geräte aneinanderhalten. Dabei handelt es sich um eine NFC-aktiv-aktiv-Verbindung, da die Funkfelder beider Geräte aktiv sind.

Informationsübermittlung per NFC-Tags

Die NFC-Tags können Sie nicht nur in Verbindung mit Ihrem Handy verwenden. Auch ist es möglich, dass diese sich in Werbeplakaten befinden. Kommen Sie mit diesem in Berührung, werden Ihnen anschließend Informationen wie ein passender Kalendereintrag zu einem Konzert oder der Link zu einer Website übermittelt.

Bargeldloses Bezahlen

Einige Supermärkte, wie etwa Aldi Nord, bieten inzwischen das bargeldlose Bezahlen per NFC an. Dafür können Sie entweder Ihr Smartphone oder Ihre NFC-fähige EC- bzw. Kreditkarte nutzen. Stichwort hier ist „girogo“: Die kontaktlose Bezahlmöglichkeit der Deutschen Kreditwirtschaft. Sie funktioniert auf Prepaid-Basis, daher müssen Sie zunächst einen bestimmten Betrag auf den Chip Ihrer Girocard laden.

Bis zu 200 Euro Guthaben können hier an rund 13.000 Stellen wie etwa dm, Esso, Edeka oder Netto genutzt werden. Allerdings können nur Kaufsummen bis 20 Euro über die Möglichkeit bezahlt werden. Möchten Sie per Smartphone zahlen, müssen Sie dafür zunächst eine entsprechende App Ihres Providers herunterladen. Sowohl EC-Karte als Handy werden zum Bezahlen an das Terminal gehalten. Dies funktioniert inzwischen auch bei einigen Fahrscheinautomaten.

Smartphone als Eintrittskarte

Eintrittskarten für Konzerte oder andere Veranstaltungen können ebenfalls über das NFC-System genutzt und am Einlass mit einem entsprechenden Gerät kontrolliert werden. Halten Sie Ihr Smartphone an das entsprechende NFC-Gerät, wird das Ticket entwertet.

Ähnlich funktioniert dies bei digitalen Fahrausweisen der Bahn. Hier müssen Sie Ihr Smartphone beim Ein- und Aussteigen an das entsprechende Terminal halten. Durch die Bewegungsdaten Ihres Handys wird festgestellt, welche Züge Sie genutzt haben. Es erfolgt eine monatliche Abrechnung anhand dieser Daten. Dafür sind eine Anmeldung sowie das Herunterladen einer App erforderlich.

Sicherheitsrisiken der Near Field Communication

Wie bei jeder neuen Technologie stellt sich auch hier für den Verbraucher die Frage nach der Sicherheit, insbesondere wenn es um das bargeldloses Bezahlen und den Austausch von sensiblen Daten geht. Auch Verbraucherschützer befürchten eine Sicherheitslücke, die Betrüger ausnutzen könnten.

Unverschlüsselte Daten auf der Kreditkarte

So gehen vermehrt Gerüchte herum, dass Daten unverschlüsselt auf NFC-Kreditkarten liegen und Unbefugte beim Bezahlvorgang darauf zugreifen können. So ist es nach dem BR-Format „Report München“ für technisch versierte Menschen keine Schwierigkeit, die Daten über den NFC-Chip auszulesen. Das ist prinzipiell machbar, wenn ein Smartphone speziell präpariert wurde und nah genug an die Kreditkarte gehalten wird. So können sowohl Kreditkartennummer als auch Ablaufdatum auf diese Weise in Erfahrung gebracht werden.

MasterCard und Visa sehen diese Sicherheitslücke nicht, denn auch auf herkömmlichen Kreditkarten sind diese Daten unverschlüsselt gespeichert. Zudem stehen die Daten gut lesbar auf der Vorderseite der Karte. Verschlüsselt sind dagegen der Name des Kreditkarteninhabers sowie die dreistellige Kartenprüfnummer. Zwar wäre eine vollständige Verschlüsselung möglich, doch ist es gerade die einfach Auslesbarkeit, die für die Beschleunigung des Bezahlvorgangs sorgt.

Unbemerkte Belastung der Bankkarte per Funk

Weit verbreitet ist auch die Vorstellung, dass die eigene Bank- oder Kreditkarte über NFC-Funk unbemerkt von Betrügern belastet wird. Allerdings kann hier Entwarnung gegeben werden, denn der Betrüger müsste dafür ein enormes organisatorisches und technisches Geschick an den Tag legen. So gelingt dies nämlich nur, wenn der Angreifer im Gedränge einer Kassenschlange der Zielperson so nahe kommt, dass zwischen der Bankkarte und dem fremden Kassenterminal ein Abstand von unter vier Zentimetern erreicht wird – in der Praxis ist dies kaum möglich. Selbst wenn dies gelingen würde, könnte der Betrüger nur auf Kleinstbeträge zugreifen, denn für höhere Beträge ist eine PIN-Eingabe erforderlich.

Tipp:Risiko-Minimierung durch abschaltbare NFC-Funktion

Das Risiko lässt sich beispielswiese verringern, indem Sie bargeldlos mit dem Smartphone bezahlen. Die NFC-Funktion könnte dann ausgeschaltet bleiben und nur kurz vor dem Bezahlvorgang aktiviert werden. Anschließend wird sie wieder ausgeschaltet.

Verlust des Smartphones

Verlieren Sie Ihr Smartphone oder wird es Ihnen gestohlen, kann das prinzipiell dazu führen, dass eine andere Person es zur Zahlung nutzen kann. Allerdings können Sie dieses Risiko schnell und unkompliziert minimieren, indem Sie die virtuelle Kreditkarte durch eine SMS deaktivieren. Dann funktioniert auch das Bezahlen an einem Offline-Terminal nicht, an dem gesperrte Kreditkarten oftmals noch angenommen werden. Tritt ein solcher Fall ein, bleibt der Händler oder die Bank auf dem Schaden sitzen.

Sicherheit durch den dreistelligen Sicherheitscode

Der CVC- oder CVV-Code ist eine dreistellige Prüfnummer, die die Nutzung von gestohlenen oder gefälschten Kreditkartenangaben erschweren soll. Diese Nummer ist zusätzlich zur Kreditkartennummer auf der Rückseite der Karte abgedruckt – daher ist sie nicht maschinenlesbar. Im Gegensatz zu Kreditkartennummer und dem Ablaufdatum ist diese Nummer beim Bezahlen per NFC verschlüsselt, ebenso wie der Name des Karteninhabers.

Bei Online-Transaktionen ist es üblich, dass diese Nummer zur Authentifizierung abgefragt wird. So wird sichergestellt, dass die Person tatsächlich im Besitz der Karte und nicht nur der Kreditkartennummer ist.

Tipp:Alufolie blockiert Funkkontakt

Auch wenn es absurd klingen mag: Besitzen Sie eine Karte mit NFC-Chip und haben Sie dennoch Bedenken, können Sie die Kreditkarte in Alufolie wickeln: So kann kein Funkkontakt hergestellt werden.

Vorteile der Near Field Communication (NFC)

Trotz der vermeintlichen Sicherheitslücken hat die NFC-Technologie einige Vorteile zu bieten, die dafür sorgen, dass sich das System auch in Zukunft weiter durchsetzen wird:

  • Sicherheit durch geringen Abstand
    NFC gilt insbesondere deshalb als sicher, weil die Daten innerhalb eines räumlich sehr kleinen Felds ausgetauscht werden. Der Abstand der einzelnen Geräte beträgt dabei nur wenige Zentimeter, sodass das Abfangen von Daten kaum möglich ist. Angreifer müssten sich dafür der Zielperson auf engstem Raum nähern.
  • Schnelle Datenübertragung
    Auch wenn die Datenübertragungsrate nur maximal 424 kBit/s beträgt, reicht dies vollkommen aus, um verschiedene Daten wie Telefonnummern, Fotos oder Zahlungsinformationen zu übermitteln. Für die schnelle Übertragung sorgt auch die einfach Handhabung, da keine umständliche Aktionen oder Kommandos ausgeführt werden müssen, um den Datenaustausch zu starten.In der Regel genügt es, die beiden aktiven Geräte aneinanderzuhalten.
  • Beschleunigung von Zahlungsabläufen
    Zahlungsabläufe können durch das NFC-Verfahren extrem beschleunigt werden, denn das Eingeben der PIN oder eine Unterschrift sind nicht mehr nötig. Stattdessen wird die Kreditkarte oder das Smartphone nur kurz an den Terminal gehalten, um beispielsweise den Einkauf im Supermarkt oder die Fahrkarte am Automaten zu kaufen.
  • Smartphonesteuerung durch NFC-Tag
    Auch besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihr Smartphone oder Tablet mithilfe eines NFC-Tags steuern. So können Sie beispielsweise ein Tag an Ihrer Haustür anbringen. Kommen Sie nach Hause, müssen Sie nur kurz Ihr Smartphone daran halten und Ihr Gerät verbindet sich automatisch mit dem heimischen WLAN. Dafür müssen Sie das NFC-Tag lediglich über eine App programmieren.

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