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Rahmenkredit als Alternative zum Dispo

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 14.09.2016

Wenn der Urlaub ansteht, aber das Auto bockt, der Kühlschrank den Geist aufgibt oder der Kleiderschrank zusammenbricht, braucht man manchmal schnell und unkompliziert Geld. Wer aber für unvorhergesehene Ausgaben gleich die EC-Karte seines Girokontos zückt, zahlt im Regelfall kräftig drauf. Denn gerade die Zinsen für den Dispokredit sind sehr hoch. Der Rahmenkredit ist eine günstigere Alternative. Insbesondere Bankkunden, die über mehrere Monate im Dispo sind, sollten einen Rahmenkredit in Betracht ziehen.

Ein Rahmenkredit, auch Abrufkredit genannt, wird über ein eigenes Kreditkonto abgewickelt. Auf dieses Konto wird der Darlehensbetrag überwiesen und wartet dort darauf, abgerufen zu werden – daher auch die Bezeichnung Abrufkredit. Von dem Kreditkonto können Sie dann flexibel abbuchen – den gesamten Betrag auf einmal, in regelmäßigen Raten oder in wechselnden Beträgen ganz nach Bedarf. Zinsen werden dabei nur für Beträge fällig, die Sie auch tatsächlich vom Kreditkonto abrufen.

Eine konkrete Laufzeit wie sie bei herkömmlichen Ratenkrediten üblich ist, gibt es beim Rahmenkredit nicht. So können Sie mit dem Rahmenkredit für eine dauerhafte Geldreserve sorgen.

Wie bei jedem Kredit wird natürlich eine Rückzahlung vereinbart, dies geschieht meist monatsweise. Je nach Angebot kann Höhe dieser „Mindesttilgung“ variieren. Monatlich wird ein bestimmter Betrag zurückgezahlt, meist in Höhe von mindestens ein bis zwei Prozent des Betrags, den Sie dem Konto entnommen haben. Wie bei allen Krediten gilt: Wer früher tilgt, zum Beispiel durch Sonderzahlungen, ist früher schuldenfrei und zahlt dementsprechend weniger Zinsen.

Zinsen beim Rahmenkredit

Bei längerfristigen Krediten, vor allem wenn es um größere Summen geht, wird häufig ein Zinssatz für die gesamte Laufzeit festgelegt. Sie wissen also von Anfang an genau, welche Zinskosten auf Sie zukommen. Das ist beim Rahmenkredit nicht der Fall. Der Zins dieses Kredittyps orientiert sich an den üblichen Zinsen am Geldmarkt, beispielsweise dem Euribor, zu dem sich die Banken auch untereinander Geld leihen.

Auch der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) – also der Zinssatz, zu dem Kreditinstitute bei der Notenbank Geld leihen können – spielt eine wichtige Rolle. Allerdings sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Zinsen dem Leitzins entsprechen. Die Banken lassen sich ihr Dienstleistung und das Risiko, das sie mit der Kreditvergabe eingehen natürlich vergüten. Daher schlagen sie noch einige Prozentpunkte hinauf, schließlich wollen sie an vergebenen Krediten verdienen.

Wichtig ist vielmehr die Entwicklung der zugrundeliegenden Zinssätze: Stehen hier Änderungen an, ziehen die Banken irgendwann nach und passen auch für Rahmenkredite ihre Zinsen an. Das kann auch den Zins von laufenden Rahmenverträgen beeinflussen, zu dem Sie sich über das Kreditkonto bei ihrer Bank Geld leihen. Allerdings können Sie meist rechtzeitig reagieren und gegebenenfalls vor der Zinserhöhung höhere Rückzahlungen leisten, denn über solche Änderungen wird Sie die betreffende Bank in der Regel informieren. Es schadet allerdings nicht, die allgemeine Zinsentwicklung ein wenig im Blick zu behalten. Dass die Zinsen steigen können, sollten sie aber im Hinterkopf behalten.

Rahmenkredit beantragen

Im Gegensatz zu anderen Formen des Kredits wie zum Beispiel Ratenkrediten oder Annuitätendarlehen, werden Rahmenkredite hierzulande noch eher selten genutzt. Sie werden auch nicht von allen Banken angeboten. Manchmal sind sie nur für Kunden der Bank zu haben, die dort auch ein Girokonto führen.

Auch gibt es Unterschiede bei der Gestaltung des Zinses, die vor allem der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers abhängt. Ihre Bonität, also Ihre Kreditwürdigkeit, prüft jede Bank, bei der Sie einen Kreditantrag stellen. So erfährt auch die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) von Ihrer geplanten Kreditaufnahme, denn dort holen die Kreditinstitute die Informationen über Sie ein. Eine Kreditanfrage hat allerdings keinen negativen Einfluss auf Ihren SCHUFA-Score, sie wird lediglich registriert. Erst die tatsächliche Kreditaufnahme wird von der SCHUFA gewertet. Zudem wird die Bank auch die bei einem Kreditantrag üblichen Nachweise wie zum Beispiel Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge und eine Identitätsbestätigung von Ihnen verlangen.

Damit trägt die Bank dem Gedanken Rechnung, dass es nicht bei jedem Kunden gleich wahrscheinlich ist, dass er seine Schulden, den Kredit, komplett zurückzahlt. Je weniger Sicherheiten ein Kunde bieten kann, desto höher ist das Risiko für die Bank, ihr Geld nicht zurückzubekommen. Dieses Ausfallrisiko lässt sich die Bank bezahlen. Je besser die Bonität des Kunden, desto günstiger wird der Zins, den eine Bank bei einem bonitätsabhängigen Kredit dem Kunden anbietet – umgekehrt gilt dies natürlich genauso: Eine geringe Kreditwürdigkeit bedeutet hohe Zinsen.

Die Ausgestaltung des Vertrages hängt vom Angebot ab. Sie sollten sich also bei verschiedenen Anbietern schlau machen und Angebote vergleichen.

Gut zu wissen:Unterlagen für einen Rahmenkredit

Wie bei Kreditverträgen üblich, benötigt die Bank neben dem ausgefüllten (Online-) Antragsformular Angaben und Belege zu Ihrem Erwerb und Einkommen.

Als Nachweis dienen beispielsweise:

  • Bei Angestellten: Gehaltsabrechnungen
  • Bei Beamten: Bezügemitteilungen
  • Bei Freiberufler: Einkommenssteuerbescheide, Gewinn- und Verlustrechnungen
  • Bei Rentnern: Aktuelle Rentenbescheid

Hinzu kommt eine Zustimmung zur SCHUFA-Auskunft und ein Identitätsnachweis – vor Ort in Filiale durch Vorlage des Personalausweises, bei Online-Anträgen zum Beispiel per Postident-Verfahren.

Rahmen- oder Abrufkredite unter einer Kreditsumme von 2.500 Euro sind kaum zu finden. Ein maximaler Kreditrahmen von mehreren Zehntausend Euro sind hingegen keine Seltenheit. Allerdings ist der Rahmenkredit bei höheren Summen und längerer Laufzeit nicht immer sinnvoll. Ab einer bestimmten Summe kann ein Ratenkredit günstiger sein, auch weil man sich mit ihm niedrige Zinsen auf längere Zeit sichern kann.

Achtung:Angebote mit automatischer Zinserhöhung

Bei manchen Angeboten erhöht sich der Zinssatz für den Rahmenkredit automatisch nach einer bestimmten Laufzeit.

Welcher Kredit passt zu mir?

Viele Menschen, die ein Girokonto besitzen, haben schon einmal einen Kredit aufgenommen – allerdings oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn auch die Überziehung des Girokontos ist eine Form von Kredit: Man spricht vom sogenannten Dispositionskredit. Der Rahmenkredit schließt die Lücke zwischen diesem bei regelmäßigem Zahlungseingang spontan verfügbaren Dispokredit des Girokontos und längerfristigen Darlehen wie dem Ratenkredit.

Der Rahmenkredit ist damit geeignet für Verbraucher, die kurzfristig Geld benötigen und die in absehbarer Zeit, also zum Beispiel etwa binnen eines Jahres, wieder zurückzahlen können. Der Rahmenkredit hat nur einen Kreditrahmen, aber keine feste Laufzeit wie der Ratenkredit. Vorteilhaft ist ein Rahmenkredit auch, wenn Sie bereits wissen, dass Sie einen Kapitalbedarf haben werden, aber nicht genau abschätzen können, wie viel Geld Sie sich letztendlich leihen müssen. Da sie nur Zinsen auf tatsächlich abgerufene Beträge zahlen, können Sie problemlos einen höheren Kreditrahmen ansetzen.

Zudem sind sie beim Rahmen- oder Abrufkredit flexibel bei der Rückzahlung. Dies kann von Vorteil sein, wenn Ihr monatliches Budget Schwankungen unterliegt. Flexibel ist allerdings auch der Zinssatz, er wird von der Bank an die Entwicklungen auf dem Geldmarkt angepasst.

Für teurere Anschaffungen ist allerdings ein klassischer Ratenkredit günstiger, da einerseits die Zinsen oft niedriger sind und man hier gut planbare Raten zu einem festen Zinssatz für die gesamte Laufzeit festlegt – gerade in Zeiten niedriger Zinsen eine gute und günstige Option.

Wenn Sie nur eine kurzfristige kleinere Finanzspritze benötigen, die Sie mit Ihrem nächsten Gehaltseingang ohne Weiteres wieder zurückzahlen können, ist es in der Regel auch unproblematisch den Dispokredit des Girokontos zu nutzen. Vorteil des Dispokredits ist ganz klar, seine Bequemlichkeit. Er ist sofort verfügbar und muss nicht erst beantragt werden.

Kreditauszahlung und Kündigung

Sobald die Bank die Kreditwürdigkeit geprüft hat, wird Ihnen Zu- oder Absage erteilt. Die Information darüber, ob Sie den Kredit erhalten oder nicht nennt man auch „Kreditentscheidung“. Bei einer positiven Kreditentscheidung wird danach ihr Kreditkonto eröffnet. An das Geld auf diesem Konto kommen Sie wie bei Ihrem Girokonto auch per Karte am Geldautomaten oder am Schalter in der Bankfiliale.

Entnahmen möglichst schnell zurückzahlen

Zinsen fallen zwar nur für die tatsächlich abgebuchten Beträge an, dennoch sollten Sie sich bemühen, die Kontoentnahmen möglichst schnell wieder auszugleichen. Denn die Bank bucht die Zinsen für den Rahmenkredit von eben diesem Kreditkonto ab. So wird das Geld darauf weniger. Infolge des größeren Fehlbetrags fallen natürlich wiederum höhere Zinskosten an, die wieder vom Kreditkonto abgebucht werden.

Es setzt sich also eine Spirale in Gang, die dafür sorgt, dass das Konto immer leerer wird, selbst wenn Sie gar kein Geld entnehmen. Werden die Zinsen nur monatlich oder gar am Quartalsende abgebucht, kann das schnell unübersichtlich werden und Sie bemerken möglicherweise gar nicht, wie die Zinskosten in die Höhe schnellen.

Kündigung erst nach vollständiger Tilgung

Kündigen können Sie den Vertrag für einen Abrufkredit in der Regel erst, wenn Kredit und alle angefallenen Zinsen in vollem Umfang an die Bank zurück gezahlt sind. Die Bank hat ein ordentliches Kündigungsrecht von zwei Monaten. Das steht in den AGB des jeweiligen Instituts. Gründe für eine Kündigung durch die Bank können falsche Angaben bei Aufnahme des Kredits oder gravierende Verschlechterungen Ihrer Kreditwürdigkeit sein, von denen die Bank über die Schufa erfährt.

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