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Schadenfreiheitsklasse: So funktioniert das System

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Mit Ihrer Kfz-Versicherung sichern Sie sich gegen die finanziellen Folgen von Autounfällen ab. Dafür zahlen Sie an Ihre Kfz-Haftpflicht- oder Vollkaskoversicherung einen regelmäßigen Versicherungsbeitrag. Wer längere Zeit unfallfrei fährt, sodass der Versicherung keine Kosten entstehen, wird durch einen Schadenfreiheitsrabatt und die Einstufung in eine höhere Schadenfreiheitsklasse (SF) belohnt. Wie die Regelungen für dieses Rabattsystem genau aussehen und wie Sie Ihre Vorteile richtig nutzen, erfahren Sie hier.

Jeweils zum ersten Januar eines Jahres betrachten die Kfz-Versicherer die Schadenverläufe ihrer Kunden. Wer im vorangegangenen Jahr keinen Unfall verursacht hat, steigt in der Klasse auf. Wenn Sie viele Jahre unfallfrei bleiben, summieren sich die einzelnen Besserstufungen. In der Folge wird die Kfz-Versicherung immer günstiger, denn anhand der Schadenfreiheitsklasse wird Ihnen ein Beitragsrabatt gewährt.

Die Schadenfreiheitsklassen verlaufen nach einer einheitlichen Reihenfolge, wobei die höchste Schadenfreiheitsklasse SF35 die günstigste ist. Wer erstmalig ein Fahrzeug versichert, aber kein Fahranfänger mehr ist, beginnt meist in der SF½. Hier gibt es keinen Rabatt, sondern der Versicherer berechnet einen prozentualen Aufschlag auf den „normalen“ Beitrag. Auch wenn Sie zwischenzeitlich Ihre Kfz-Versicherung wechseln, bleibt Ihre Schadenfreiheitsklasse bestehen.

Dieses Schadenfreiheitssystem wird sowohl bei Kfz-Haftpflichtversicherungen als auch bei Vollkaskopolicen angewandt. Für Fälle in der Teilkaskoversicherung ist der Schadenfreiheitsrabatt nicht geeignet, weil es sich hier um Schäden handelt, welche Sie nicht selbst verursacht haben und für die Sie nicht in der Klasse abgestuft werden dürfen.

BedingungSchadenfreiheitsklasseSchadenfreiheitsrabatt / Beitragshöhe in Prozent
7 – 35 Jahre unfallfrei SF7 - SF35 unter 100 Prozent bis zu 20 Prozent
6 Jahre unfallfrei SF6 unter 100 Prozent
5 Jahre unfallfrei SF5 unter 100 Prozent
4 Jahre unfallfrei SF4 unter 100 Prozent
3 Jahre unfallfrei SF3 unter 100 Prozent
2 Jahre unfallfrei SF2 unter 100 Prozent
1 Jahr unfallfrei SF1 100 Prozent
Mindestens 3 Jahre EU-Führerschein SF½ über 100 Prozent
Fahranfänger 0 über 100 Prozent
Nach Rückstufung aus SF 1 S über 100 Prozent
Fahranfänger nach Unfall durch Eigenverschulden M (Malusklasse) über 100 Prozent

Wie hoch der Schadenfreiheitsrabatt in den einzelnen Schadenfreiheitsklassen ausfällt, hängt von den individuellen Regelungen der einzelnen Versicherer ab. Es kann also sein, dass Sie nach einem Versicherungswechsel trotz gleicher Einstufung einen höheren oder geringeren Rabatt erhalten.

Teilweise gilt eine entsprechende Beitragsreduzierung auch für mehrere Schadenfreiheitsklassen. Wie welche Versicherung die Rabatte für die Schadenfreiheitsklassen festgelegt hat, können Sie bei den jeweiligen Anbietern erfahren. Häufig sind die entsprechenden Tabellen auch im Internet abrufbar.

In der Regel erreichen Versicherte nach 35 unfallfreien Jahren mit der SF35 die Höchstgrenze und müssen dann teilweise nur noch 20 Prozent des eigentlichen Versicherungsbeitrags bezahlen. Nach einem Unfall hingegen werden Sie eine oder mehrere Stufen zurückgestuft.

Wer besonders viele Unfälle verschuldet hat, kann in die Malusklasse eingestuft werden. In dieser untersten Klasse muss ein Versicherungsbeitrag mit teilweise hohem Aufschlag bezahlt werden. In welcher Schadenfreiheitsklasse Sie sich befinden, können Sie der aktuellen Rechnung Ihres Versicherers entnehmen oder einfach dort erfragen.

Tipp

Retten Sie Ihren Schadenfreiheitsrabatt

Lesen Sie, wie Sie optimal vom Rabattsystem der Kfz-Versicherung profitieren zu können und wie das Prinzip hinter dem Rabatt funktioniert. Mehr »

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Achtung:Auswirkungen auf die Höhe Ihres Versicherungsbeitrags

Der Schadenfreiheitsrabatt wirkt sich maßgeblich auf die Höhe Ihres Versicherungsbeitrags aus. Weiterhin wird der Beitrag von der Regional- und Typklasse beeinflusst. Ihre Typklasse richtet sich dabei nach Ihrem Fahrzeug. Je häufiger Fahrzeuge des gleichen Typs statistisch in Unfälle verwickelt sind, umso höher ist Ihr Versicherungsbeitrag. Durch die Regionalklasse wird die Unfallstatistik Ihres Zulassungsbezirks berücksichtigt. Bewohner unfallträchtiger Regionen zahlen höhere Beiträge.

Für Fahranfänger gibt es während der ersten drei Jahre eine Sonderklasse, in welcher höhere Beiträge bezahlt werden müssen. Wer in dieser Zeit einen Unfall verursacht, kann in die noch teurere Malusklasse eingestuft werden. Erst wenn Sie seit drei Jahren einen EU-Führerschein besitzen und ein Jahr unfallfrei geblieben sind, erreichen Sie die Schadenfreiheitsklasse 1, in welcher Sie den Ausgangsbeitrag von 100 Prozent zahlen.

So entwickelt sich die Schadenfreiheitsklasse

Wie umfangreich Sie nach einer Schadensmeldung herabgestuft werden, ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich geregelt. Die Anbieter folgen dabei ihren Rückstufungstabellen, welche sich wiederum zwischen Kfz-Haftpflichtversicherung und Vollkaskopolice unterscheiden können. In diesen Tabellen ist festgelegt, nach wie vielen Unfällen in einem Jahr Sie wie viele Stufen herabgestuft werden. Die Höhe der Schadenssumme wird dabei nicht berücksichtigt. Ein besonders hoher Schaden kann also nicht zu einer umfangreicheren Zurückstufung führen.

Die Rückstufung nach einem einzelnen Unfall fällt bei einigen Versicherern so aus, dass Sie anschließend bewertet werden, als hätten Sie die Hälfte der tatsächlichen unfallfreien Zeit vor Ihrem Unfall erreicht. Wurden Sie also im Vorjahr nach 20 Jahren unfallfreier Fahrt in die SF20 eingestuft, kann es sein, dass Sie nach einem einzelnen verschuldeten Unfall im folgenden Jahr in die SF10 fallen.

Bei mehreren selbstverschuldeten Unfällen kann die Rückstufung noch deutlich stärker ausfallen. Nach vier oder mehr Unfällen in einem Jahr ziehen nicht wenige Versicherer die Reißleine und stufen den betreffenden Kunden ganz nach unten in die teure Malusklasse. Genau wie die Staffelungen der Schadenfreiheitsrabatte können Sie auch die einzelnen Rückstufungstabellen bei den Versicherungen anfragen oder online einsehen.

Achtung:Rückstufungen bei Vollkasko meist langsamer

Die Rückstufungstabelle der Vollkaskopolicen ähnelt denen für die Haftpflichtversicherung desselben Anbieters. Allerdings stufen Versicherer Vollkasko-Kunden meist etwas langsamer herab. Dies gilt jedoch häufig nur, bis vier oder mehr Unfälle in einem Jahr verursacht wurden. Dann gerät auch der Vollkasko-Versicherte in die Malusklasse.

Auch wenn Sie längere Zeit kein Auto angemeldet hatten, werden Sie zurückgestuft. Wie die Rückstufung genau ausfällt, hängt wiederum von Ihrem Versicherer ab. Als Orientierung gilt, dass sich eine Versicherungspause von bis zu einem Jahr in der Regel nicht auf die Schadenfreiheitsklasse auswirkt. Wer länger als sieben Jahre pausiert, beginnt häufig wieder in der SF½.

Mehr als 7 Jahre ohne Versicherung: SF-Klasse reaktivieren

Haben früher sämtliche Kfz-Versicherer die Schadenfreiheitsklasse nicht mehr anerkannt, sofern der Versicherungsnehmer sieben Jahre ohne Versicherung war, ist dies heutzutage anders: Einige Gesellschaften akzeptieren auch eine SF-Klasse, die sogar länger zurückliegt. Wichtig ist, dass Sie die bisherige SF-Klasse nachweisen können: Dies kann klappen, wenn Ihr Vorversicherer Ihre Daten noch gespeichert hat - oder aber Sie sich damals bei der Kündigung eine Bescheinigung gemäß Pflichtversicherungsgesetz erstellen ließen.

Tipp:Bei Kündigung Bescheinigung mitschicken lassen

Versicherer sind dazu verpflichtet, Ihnen auf Wunsch eine Bescheinigung gemäß §5 Absatz 7 Pflichtversicherungsgesetz mitzusenden, wenn Sie kündigen. Diese enthält unter anderem auch Dauer und Schadensfälle der Versicherungszeit. Mit diesem Dokument können Sie auch dann noch Ihre Versicherungshistorie nachweisen, wenn Ihr alter Versicherer Ihre Daten bereits gelöscht hat.

Hier die entsprechenden Fristen einiger Versicherungsunternehmen beispielhaft aufgeführt:

Versicherung Anerkennung der Schadenfreiheitsklasse
Eigene Kunden Kunden anderer Versicherer
Admiraldirekt 12 Jahre 12 Jahre
Allianz 7 Jahre 7 Jahre
DEVK 10 Jahre 10 Jahre
Direct Line 10 Jahre 10 Jahre
Europa 10 Jahre 10 Jahre
HDI 10 Jahre 10 Jahre

Quelle: Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB) der Versicherer; Stand: Juni 2016

Es kann sich also durchaus lohnen zunächst für ein Jahr eine Versicherung bei einem teureren Anbieter zu wählen - sofern dieser Ihre alte SF-Klasse anerkennt - und anschließend zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. So reaktivieren Sie Ihre Schadenfreiheitsklasse für die Mitnahme zu einem anderen Anbieter wieder.

Sparen mit Schadensfreiheitsklassen

Das Rabattsystem der Schadenfreiheitsklassen ist umfangreich und komplex. Doch können Sie als Versicherter von den Einstufungen profitieren und so Ihren Versicherungsbeitrag reduzieren oder niedrig halten.

Fahranfänger

Besonders für Fahranfänger bietet die Praxis der Schadenfreiheitsklassen gute Möglichkeiten, Geld durch niedrigere Beiträge zu sparen. Fahranfänger würden unter normalen Umständen in die relativ teure SF0 eingestuft werden und müssten einen erhöhten Beitrag bezahlen, bis sie mindestens drei Jahre ihren Führerschein besitzen.

Die Kosten lassen sich zum Beispiel reduzieren, indem sich Führerscheinneulinge bei der Kfz-Versicherung ihrer Eltern versichern. Profitieren die Eltern bereits von einer höheren Schadenfreiheitsklasse, versichern viele Anbieter auch die Kinder mit einem Fahranfänger-Rabatt. Ähnliche Sondereinstufungen gibt es auch für Ehepartner oder Zweitwagen generell.

Alternativ kann zunächst ein Fahrzeug gefahren werden, welches die Eltern als Zweitwagen versichern. So profitiert die ganze Familie vom bereits bestehenden Schadenfreiheitsrabatt. Ist der Fahranfänger drei Jahre mit dem mitversicherten Fahrzeug gefahren, kann er sich selbst versichern und beginnt nicht in der SF0, sondern in der günstigeren SF½, welche bereits nach einem unfallfreien Jahr verlassen wird. So kommt er schnell in die SF1, in welcher der normale Beitrag gezahlt werden muss, und spart mehrere Jahre an höheren Versicherungsbeiträgen.

Weiterhin ist es möglich, einen Schadenfreiheitsrabatt zu übertragen: Erfahrene Autofahrer überlassen dabei dem Begünstigten ihren Rabatt für Erst- oder Zweitwagen. Besonders unkompliziert geht dies in der Regel bei nahen Verwandten. In diesem Fall sollte der Begünstigte allerdings selbst bereits etwas mehr Fahrpraxis haben, denn er kann den Rabatt nur bis zu jener Schadenfreiheitsklasse übernehmen, die er seit Erwerb des Führerscheins theoretisch selbst hätte erreichen können.

Rückstufung durch Kostenübernahme vermeiden

Eine weitere Möglichkeit, die Entwicklung des Schadenfreiheitsrabatts zu beeinflussen, besteht immer dann, wenn es zu einem Schadensfall gekommen ist. Häufig können Sie sich als Versicherungsnehmer dann dazu entscheiden, den Schaden selbst zu bezahlen, um so einer Rückstufung zu entgehen. Der Schaden wird dabei zunächst wie üblich an die Versicherung gemeldet. Im Rahmen der Schadensregulierung informiert der Versicherer dann seinen Kunden über die Schadenshöhe. Anschließend können Sie in der Regel innerhalb von sechs Monaten entscheiden, ob Sie Ihrer Versicherung die entstandenen Kosten erstatten möchten. In diesem Fall würden Sie in Ihrer Schadenfreiheitsklasse bleiben.

Achtung:Schadensmeldungen bei der Versicherung

Alternativ können Sie auch ganz darauf verzichten, einen offensichtlich kleinen Schaden Ihrer Versicherung zu melden. Dabei sollten Sie jedoch bedenken, dass Ihr Versicherer bei der Schadensregulierung auch immer Ihre Interessen vertritt und für eine ordentliche Abwicklung sorgt. Ohne Ihren Versicherer im Rücken kann die finanzielle Einigung mit dem Unfallgegner komplizierter werden.

Bis zu welcher Schadenssumme sich diese Vorgehensweisen für Sie rechnen, hängt davon ab, in welcher Schadenfreiheitsklasse Sie sich aktuell befinden, in welche Klasse Sie durch den Schaden zurückfallen würden und welche Auswirkungen dies auf Ihren Versicherungsbeitrag hätte. Als Faustregel gilt hierbei, dass kleinere Schäden bis ungefähr 1.000 Euro selbst getragen werden sollten, wenn Sie sich mindestens in der SF10 befinden. Dann haben Sie gute Chancen, die einmaligen Kosten durch den weiterhin niedrigeren Versicherungsbeitrag in absehbarer Zeit wieder einzunehmen.

Tipp:Teuersten Schaden melden

Sollten Sie in einem Jahr gleich mehrere Unfälle verursacht haben, kann es sich lohnen, nur die teuersten Schadensfälle von der Versicherung regulieren zu lassen. Dadurch reduzieren Sie die Anzahl der Unfälle in Ihrer Jahresstatistik und können mit einer geringeren Rückstufung rechnen. Bei der Berechnung Ihrer möglichen Vorteile hilft Ihnen Ihr Versicherer meist gern weiter.

Bei solchen Berechnungen hilft Ihnen meist auch Ihre Versicherung gern weiter und ermittelt für Sie, ob es sich lohnt, einen Schaden oder mehrere aus eigener Tasche zu begleichen. Als zusätzliche Orientierung können Sie auch den Rückstufungsrechner von Stiftung Warentest einsetzen. Hier können Sie die finanziellen Folgen einer Rückstufung bei unterschiedlichen Versicherern ungefähr berechnen.

Rabattschutz und Rabattretter

Einen ähnlichen Effekt wie durch das selbst Übernehmen eines Schadens können Sie durch einen sogenannten Rabattschutz oder Rabattretter erreichen. Dabei handelt es sich um eine Zusatzleistung, welche Sie bei vielen Kfz-Versicherungen mit abschließen können. Der Rabattschutz oder -Retter sorgt dafür, dass sich ein Unfall pro Jahr nicht auf Ihre Schadenfreiheitsklasse auswirkt. Eine solche Zusatzleistung erhöht allerdings die Beiträge und lohnt daher nicht immer.

Bedeutung der SF für Sie und Ihre Versicherung

Für die Versicherer sind die Schadenfreiheitsklassen ein wichtiges Mittel, um das Versicherungsrisiko ihrer Kunden einschätzen zu können. Denn wer in der Vergangenheit viele Unfälle verursacht hat, könnte auch in Zukunft dazu neigen. Zusätzlich hilft das System dabei, die Beitragslast fair auf alle Versicherungsnehmer zu verteilen.

Bei einem Wechsel der Kfz-Versicherung bleiben Sie daher auch in Ihrer momentanen Schadenfreiheitsklasse und profitieren versicherungsübergreifend von Ihrer unfallfreien Zeit. Allerdings sollten Sie bedenken, dass es Unterschiede beim Schadenfreiheitsrabatt geben kann. Wenn Sie Ihre Kfz-Versicherung wechseln möchten und dafür verschiedene Angebote vergleichen, lohnt folglich ein Blick auf die Tabellen mit den Rabattstrukturen für Kfz-Haftpflicht und Vollkaskoversicherung.

Achtung:Rabattschutz nach Versicherungswechsel

Wenn Sie bei Ihrem aktuellen Versicherer durch einen Rabattschutz vor einer Rückstufung bewahrt wurden oder Sie eine andere Form der Sondereinstufung genossen haben, gilt diese nach einem Versicherungswechsel nicht. Befinden Sie sich also zum Beispiel in der SF10 und hatten vor einem Jahr einen Unfall, welcher dank Rabattschutz nicht zur Rückstufung geführt hat, werden Sie bei Ihrem neuen Versicherer praktisch nachträglich zurückgestuft. Beim Preisvergleich sollten Sie daher stets berücksichtigen, ob Sie sich aktuell in einer Sondereinstufung befinden oder nicht.

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