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Sparbrief: Zinsen auf lange Zeit sichern

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Der Sparbrief ist ein festverzinsliches Anlageprodukt und ähnelt einem Festgeldkonto oder dem (mittlerweile eingestellten) Bundesschatzbrief. Denn auch beim Sparbrief wird vom Kunden Geld für einen fest vereinbarten Zeitraum bei einer Bank oder Sparkasse angelegt. Die Laufzeiten bewegen sich in der Regel zwischen einem und zehn Jahren. Im Übrigen sind die Konditionen sehr unterschiedlich. Sparbriefe sind sehr beliebt bei Menschen, die in erster Linie auf Sicherheit und eine überschaubare, aber garantierte Rendite setzen.

Bei einem Sparbrief handelt es sich rechtlich um eine Namensschuldverschreibung. Ein Sparbrief lautet also immer auf einen bestimmten Namen und ist grundsätzlich nicht für einen Verkauf vorgesehen. Der Brief ist nur sehr eingeschränkt verkehrsfähig – im Gegensatz zu Inhaberschuldverschreibungen, bei denen schon der Besitz des Papiers für die Berechtigung des Verfügenden spricht.

Weil ein Sparbrief als Forderung zum Vermögen des Inhabers gehört, fällt er beim Tod des Berechtigten automatisch den Erben zu. Ein automatisches Kündigungsrecht für die Erben besteht jedoch nicht. Als Interessent sollte man wissen, dass bei einem Sparbrief Geld für eine bestimmte Zeit fest angelegt wird.

Das bedeutet insbesondere, dass:

  • Während der Laufzeit über das Geld nicht verfügt werden kann.
  • Eine Aufstockung des Sparbetrags nicht möglich ist.
  • Erst am Ende der Laufzeit wird das Geld ausgezahlt. Eine besondere Kündigung muss nicht ausgesprochen werden.
VorteileNachteile
Sichere Geldanlage Hohe Sicherheit geht mit relativ niedriger Rendite einher
Wahlmöglichkeit in Bezug auf Auszahlung der Zinsen (thesaurierend, jährlich, abgezinst) Fehlende Flexibilität – das Geld ist auf längere Zeit nicht verfügbar
Zinssatz wird auf lange Zeit garantiert Im Vergleich zu anderen Sparanlagen relativ niedrige Verzinsung
Sparbrief kann beliehen werden  

Gut zu wissen: Einlagensicherung greift auch hier

Die ohnehin große Sicherheit eines Sparbriefs wird durch die gesetzliche Einlagensicherung zusätzlich gestärkt. Seit 2011 besteht ein umfassender gesetzlicher Schutz für Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person. Dieser Schutz umfasst auch Sparbriefe und Festgeld.

Staatsanleihen benötigen diesen Schutz nicht, da hier der Staat direkt (als Vertragspartner) für die Rückzahlung bürgt. Unternehmensanleihen dagegen genießen nur eine Einlagensicherung bis zu 20.000 Euro, und dies auch nur zu 90 Prozent.

Unterschiedliche Konditionen

Sparbriefe sind mittel- bis längerfristige Anleihen. Die Laufzeiten liegen meist zwischen einem und zehn Jahren. Selten werden – wegen der geringen Nachfrage – auch längere Laufzeiten angeboten. Diese können bis zu 25 Jahre betragen.

Die Höhe des Anlagebetrags ist nach oben hin unbegrenzt. Allen Sparbriefen ist außerdem gemein, dass bei ihnen weder Abschlussgebühren noch Kontoführungsgebühren entstehen. Wenn Sparkassen Sparbriefe ausgeben, bezeichnen sie diese oft als Sparkassenbriefe – der Unterschied besteht allerdings nur in der Bezeichnung.

Im Wesentlichen lassen sich drei Sparbrief-Typen unterscheiden:

  1. Konventioneller Sparbrief
    Fest vereinbarter Zinssatz, jährliche Auszahlung der Zinsen.
  2. Abgezinster Sparbrief
    Schon beim Kaufpreis werden die Zinsen angerechnet; am Ende der Laufzeit wird der Nennwert ausgezahlt.
  3. Aufgezinster Sparbrief
    Die Zinsen werden nicht jährlich, sondern erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt (thesaurierend).

Zu beachten ist bei der Wahl zwischen Auf- und Abzinsung, dass nur bei einem abgezinsten Sparbrief der Zinseszinseffekt wirksam wird.

Auf jeden Fall lohnt sich auch bei Sparbriefen der Blick ins Kleingedruckte. Wenn hier zum Beispiel der Nachrang des Sparbriefs festgelegt wird („Nachrangabrede”) ist Vorsicht geboten: Dies bedeutet nämlich für den Insolvenzfall, dass zunächst alle anderen Forderungen des Finanzinstituts aus der Insolvenzmasse beglichen werden.

Praktisch bedeutet dies für den Inhaber eines Sparbriefs mit Nachrangabrede in den allermeisten Fällen einen kompletten Ausfall seines Auszahlungsanspruchs bei einer Pleite des Geldinstituts – da Sparbriefe allerdings seit 2011 durch den staatlichen Anlegerschutz bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert sind, ist auch im Fall der Fälle kein Totalausfall der Anlage zu erwarten.

Gut für die Umwelt: Der Ökosparbrief

In letzter Zeit hat eine besondere Form der Sparbriefe an Bedeutung gewonnen: Der Ökosparbrief oder Umweltsparbrief. Diese Briefe werden zumeist von Sparkassen oder Volksbanken in Zusammenarbeit mit kommunalen Energieversorgern angeboten. Die Einlagen der Kunden sollen dem Ausbau erneuerbarer Energien dienen – und bringen als Sparbrief Zinsen ein.

Dieses Finanzprodukt ist manchmal auch mit einem Vertrag über den Bezug von Ökostrom verbunden. Ökosparbriefe dienen nicht nur dem ökologischen Image der ausgebenden Institute, sondern haben auch einen handfesten Umweltnutzen, weil hier Geld für umweltfreundliche Energie angelegt wird. Kommunale Energieunternehmen setzen das Geld zielgerichtet für den Ausbau von Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie ein.

Aber auch überregionale Finanzinstitute, die sich ausschließlich der Förderung umweltfreundlicher Energien oder sozialer Projekte verschrieben haben, bieten Sparbriefe an. Sparbriefe von Banken wie der Umweltbank, der GLS Bank oder der Ethik Bank sind vor allem bei Personen beliebt, die in nachhaltig, sozialverträglich oder umwelterhaltend ausgerichtete Projekte und Geldanlagen investieren wollen.

Wie sieht ein Sparbrief aus?

Nach Abschluss der Vereinbarung erhält der Kunde von der Bank eine Urkunde – dies ist der eigentliche Sparbrief. Unterschiedliche Banken geben jeweils andere Briefe aus. Die folgenden Daten sind in diesen Papieren jedoch immer aufgeführt: 

  1. Nennwert
  2. Name des Gläubigers
  3. Datum der Auszahlung (beziehungsweise Vertragsbeginn und Vertragsablauf)
  4. Zinsen (Zinssatz, Art der Verzinsung)
  5. Hinweise zur Abtretung, Verpfändung oder vorzeitigen Rückzahlung

Vergleich mit anderen langfristigen Anlagen

In den Zeiten niedriger Zinssätze sind die Renditeerwartungen besonders bei sicheren Anlagen sehr niedrig. Oftmals wird kaum die Inflationsrate ausgeglichen.

Als Faustregel gilt: Je sicherer die Rückzahlung, desto niedriger sind die Zinsen. Menschen, die eher auf hohe Rendite setzen wollen, müssen Risiken in Kauf nehmen. Für diese sind Unternehmensanleihen geeignet. Sichere Geldanlagen sind dagegen insbesondere Staatsanleihen, Festgeldkonten und Sparbriefe.

 FestgeldStaatsanleihenUnternehmensanleihenSparbrief
Einlagensicherung 100 % bis 100.000 Euro Unbegrenzt 90 % bis 20.000 Euro 100 % bis 100.000 Euro
Zinsen Eher niedrig Sehr niedrig höher Eher niedrig
Sicherheit Hoch (Einlagensicherung) Sehr hoch Abhängig vom Unternehmen und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Hoch (Einlagensicherung)

Altersvorsorge und Geldanlage für Kinder

Der Einstiegsbetrag für einen Sparbrief ist unterschiedlich. Je nach Finanzinstitut werden Mindestbeträge zwischen 250 und 2.500 Euro verlangt. Höhere Beträge sind selbstverständlich möglich. Daher eignen sich Sparbriefe auch als Teil einer umfassenden Altersvorsorge, insbesondere dann, wenn man kurze Zeit vor dem Erreichen des Rentenalters eine gewisse Geldsumme zurücklegen will, die man sich nach einigen Jahren – selbstverständlich verzinst – auszahlen lassen möchte.

Als einziger Bestandteil einer Altersvorsorge ohne andere Absicherungen eignen sich Sparbriefe jedoch nicht. Zu empfehlen ist ein Portfolio aus verschiedenen Anlageprodukten, das im Wesentlichen aus sicheren Finanzprodukten besteht, zu einem geringeren Teil aber auch spekulative Anlagen enthält (Stichwort Diversifikation).

Auch als Geldanlage für Kinder sind Sparbriefe geeignet. So kann Geld für ein achtjähriges Kind fest über einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt werden, damit es beim Erreichen der Volljährigkeit ein ansehnliches Startkapital zur Verfügung hat.

Sparbrief und Steuern

Es muss beachtet werden, dass auch beim Sparbrief die Zinsen versteuert werden müssen. Die Abgeltungssteuer von 25 Prozent wird meist direkt von der Bank abgeführt.

Es kommt für die Besteuerung beim Sparbrief zudem darauf an, zu welchem Zeitpunkt die Zinsen dem Inhaber des Sparbriefs zukommen. Bei einem aufgezinsten Sparbrief werden die Zinsen einmalig zum Ende der Laufzeit ausgezahlt. Bei sehr hohen Anlagebeträgen kann deshalb dieser Gewinn die Freistellungsgrenze (Sparerpauschbetrag) von 801 Euro (bei Ehegatten 1.602 Euro) übersteigen.

Die jährliche Auszahlung der Zinsen kann sich deshalb in Einzelfällen steuerlich rentieren – auch wenn der Zinseszinseffekt dann nicht ausgenutzt wird. Zu beachten ist hier, dass vorher dem Finanzinstitut ein Freistellungsauftrag zukommen muss. Sonst wird die fällige Steuer vom Geldinstitut direkt an den Fiskus weitergeleitet.

Beleihbare Geldanlage

Selbstverständlich verfolgen Sparer zumeist das Ziel, mit einem Sparbrief Zinsen zu erwirtschaften. Wird jedoch – beispielsweise für einen Autokauf – während der Laufzeit des Sparbriefs Kapital benötigt, kann man diese Anlageform auch für einen Kredit verwenden, denn ein Sparbrief kann beliehen werden.

Dies bedeutet, dass der Brief nicht als Sicherheit für einen anderen Kredit dient, sondern das vereinbarte Darlehen direkt mit der Auszahlungssumme aus dem Sparbrief getilgt wird. Das Beleihen eines Sparbriefs bietet gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten eine Reihe von Vorteilen:

  • Im Vergleich zu einem Dispositionskredit fallen hier niedrigere Zinsen an.
  • Das Antrags- und Genehmigungsverfahren verläuft in der Regel sehr unkompliziert, wenn die Beleihung bei der Bank erfolgt, die auch den Sparbrief ausgegeben hat.
  • Wenn nur ein Teil des Sparbriefs beliehen wird, bleibt der Restbetrag als Geldreserve erhalten.

Fazit: Für wen eignen sich Sparbriefe?

Sparbriefe eignen sich als Anlage für Kunden, die sehr viel Wert auf Sicherheit legen. Eine nennenswerte Rendite versprechen Sparbriefe in Zeiten niedriger Zinsen erst ab einer Laufzeit von etwa zehn Jahren.

Jeder, der einen Sparbrief erwirbt, sollte wissen, dass er sich damit langfristig vertraglich bindet und während der Laufzeit auf das angelegte Geld verzichten muss. Es gilt also zu bedenken, ob sich eine langfristige Anlage angesichts niedriger Zinsen überhaupt lohnt. Eine Kündigung ist in der Regel nicht möglich – anders als bei vergleichbaren Bundesschatzbriefen, die allerdings nicht mehr ausgegeben werden.

Gut zu wissen: Der Sparbrief im Erbfall

Sparbriefe sind nicht kündbar. Und auch ein Sonderkündigungsrecht für Erben besteht nicht. Wer einen Sparbrief erbt und nicht lange auf das Geld warten will, ist auf die Kulanz der ausstellenden Bank angewiesen.

Zwar bieten einige Finanzunternehmen den Ankauf von Sparbriefen an; die individuelle Vereinbarung mit der Bank ist gegenüber einem Verkauf jedoch meist lohnender. Im Fall einer erfolgreichen Rücknahme des Sparbriefs wird die Bank in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

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