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Wie kann man seinen Stromverbrauch berechnen?

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Diese Frage stellen sich Verbraucher immer wieder. Fakt ist, dass die wenigsten Haushalte den Stromverbrauch ihrer Elektrogeräte kennen und somit oft unwissentlich Geld verschenken. Denn Einsparungen machen sich schneller bemerkbar als man denkt. Wie man den Stromverbrauch der Wohnung und einzelner Geräte ermittelt, erfahren Sie im Folgenden. Zudem erhalten Sie wertvolle Tipps zum Stromsparen.

Der Stromverbrauch in Deutschland ist ein wichtiges Thema, ganz besonders, seit die Bundesregierung die Energiewende beschlossen hat. Da die Strompreise für die Endverbraucher in den letzten Jahren immer weiter nach oben geklettert sind, wollen viele Bürger den Stromverbrauch im Haushalt senken. Doch wie schafft man das?

Zunächst muss bekannt sein, wie hoch der Verbrauch überhaupt ist. Die einfachste Methode, den Stromverbrauch im Durchschnitt zu ermitteln, ist der Blick auf alte Stromrechnungen. Hierfür sollte man nach Möglichkeit nicht nur den Verbrauch eines Jahres berücksichtigen, denn es gibt immer wieder einmal Jahre, in denen man Spitzen nach oben oder unten feststellen kann.

Der Stromverbrauch im Haushalt ergibt sich aus der in Rechnung gestellten Kilowattstunden. Dieser Jahresverbrauch dient überall als Berechnungsgrundlage für Stromvergleiche. Je genauer man ihn also als Kunde kennt, desto besser.

Richtwerte für den Stromverbrauch

Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Deutschland lag 2011 bei 2,02 Personen. Der Trend zu kleineren Haushalten setzt sich damit fort, denn zehn Jahre zuvor waren es noch 2,27 Personen.

Das bedeutet, dass es hauptsächlich 1- und 2-Personenhaushalte in Deutschland gibt, weswegen auch der Stromverbrauch für 2 Personen oder Singles die gefragteste Bezugsgröße darstellt. Sie lässt sich meist auch einfacher ermitteln als für größere Familien, da dort verhaltensbedingte Schwankungen wahrscheinlicher sind.

Im gesamten Durchschnitt verbraucht ein deutscher Haushalt etwa 3.550 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr – Familien etwas mehr, Singles entsprechend weniger. Wird die Personenzahl umgerechnet auf die durchschnittliche Wohnungsgröße, entspricht das folgenden Richtwerten:

Wohnung mit 30 m2 (1 Person) 2.050 kWh
Wohnung mit 50 m2 (2 Personen) 3.440 kWh
Wohnung mit 100 m2 (3 Personen) 4.050 kWh
Reihenhaus bzw. Wohnung über 100 m2 (4 Personen) 4.750 kWh
Einfamilienhaus (5 Personen) 5.370 kWh

Natürlich können die Werte individuell stark abweichen, weil verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. So wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass ein (freistehendes) Einfamilienhaus deutlich mehr Strom verbraucht als eine Wohnung gleicher Größe mit gleicher Personenzahl.

Das liegt daran, dass dort meist Strom für den Betrieb von Hof- bzw. Terrassenbeleuchtung, Garage, Wasserpumpen im Garten und anderen Dingen benötigt wird, was bei einer einfachen Wohnung nicht der Fall ist. Auch die Art und Effizienz der Heizungsanlage spielt eine Rolle, denn selbst beim Heizen mit Öl oder Gas wird natürlich Strom für den Betrieb der Wasserpumpen benötigt.

Berechnung anhand der Quadratmeter-Zahl

Heizkosten lassen sich recht einfach nach Quadratmetern berechnen. Beim Stromverbrauch ist jedoch wichtiger, wie viele Haushaltsgeräte betrieben werden und wie viele Personen im Haushalt leben. Denn durch diese Faktoren kann sich der Verbrauch für Licht, Warmwasser, Waschmaschine, Kochen (sofern elektrisch) und anderes stark verändern.

Daher kann die folgende Formel des Bundes der Energieverbraucher nur einen groben Richtwert bieten, der sich im Einzelfall vom Ergebnis stark unterscheiden kann.

  1. Wohnfläche in Quadratmeter multiplizieren mit neun Kilowattstunden
  2. Personenzahl im Haushalt mit 200 Kilowattstunden multiplizieren (bei elektrischer Warmwasserbereitung 550 kWh)
  3. Anzahl der Haushaltsgeräte (beispielsweise Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank, TV) multiplizieren mit 200 kWh
  4. Die Ergebnisse von Schritt 1 bis 3 addieren

Die so errechnete Zahl ist allerdings nur ein Näherungswert. Je nach Modernisierungsgrad der Wohnung können die Durchschnittswerte von Gefriertruhen, Fernsehern oder anderen Geräten deutlich höher oder niedriger liegen.

Natürlich spielt es bei einigen Geräten auch eine Rolle, von wie vielen Personen sie genutzt werden, während das bei anderen Haushaltsgeräten weniger ins Gewicht fällt. So ist es unerheblich, ob der Fernseher von einer oder von sieben Personen gleichzeitig genutzt wird. Auch ein Kühlschrank wird in einem Haushalt mit weniger Personen nur unwesentlich weniger beansprucht als in einem großen Haushalt. Zudem variiert die Größe der Kühlgeräte nur selten.

Anders bei Waschmaschine und Trockner – hier macht jede zusätzliche Person viel aus. Es kommt also immer auf den Einzelfall an. Liegt man mit seinem Durchschnittswert deutlich über dem ermittelten Jahresrichtwert, sollten Stromverbrauch und das Verbrauchsverhalten überprüft werden.

Regelmäßig den Verbrauch überprüfen

Für ein aussagekräftiges Ergebnis ist die Ermittlung eines Durchschnitts in der Regel verlässlicher als einzeln gemessene Werte. Wer also den Stromverbrauch im Haushalt ermitteln möchte, sollte dies nicht nur zu bestimmten Zeitpunkten tun.

Laufen beispielsweise am Abend bei voller Beleuchtung sämtliche Geräte, weil gerade gekocht und gewaschen wird, im Fernsehen ein Fußballspiel läuft und die Kinder ihre Hausaufgaben am Computer machen, liegt der Verbrauch um einiges höher als am Vormittag, wo vielleicht alle auf der Arbeit beziehungsweise in der Schule sind und nur die Kühlgeräte laufen.

Tipp:Messgeräte zur Ermittlung des genauen Stromverbrauchs

Zur Ermittlung des genauen Stromverbrauchs kann man einfache Messgeräte einsetzen, die zwischen Steckdose und Gerät geschaltet werden. So lässt sich der „echte“ Verbrauch im Standby-Betrieb ermitteln.

Stromfresser, die eigentlich gar keinen Strom verbrauchen sollten, wenn sie nur am Netz hängen, lassen sich ebenfalls mit einem Messgerät entlarven.

Häufig kann man solche Geräte bei Verbraucherzentralen ausleihen oder im Rahmen einer Energieberatung in Anspruch nehmen. Sie sind aber auch im Elektronikfachhandel erhältlich.

Stromfresser identifizieren

Bei der Suche nach Stromfressern stellt sich die Frage, welche Geräte besonders viel Strom verbrauchen. Manchmal liegt ein Mehrverbrauch aber gar nicht an den offensichtlichen Großverbrauchern unter den Elektrogeräten, sondern am schleichenden Verbrauch eigentlich abgeschalteter Geräte. Achten Sie auch auf Trafos und Netzteile, die ungenutzt in der Steckdose stecken, denn sie verbrauchen meistens einen Ruhestrom.

Typische Strom-Großverbraucher im Haushalt:

  • Wäschetrockner
  • Waschmaschine
  • Elektroherd
  • Klimaanlage
  • Durchlauferhitzer beziehungsweise Boiler
  • Kühl- und Gefriergeräte
  • Röhren- und Plasmafernseher
  • Glühlampen mit hoher Leistung
  • Leistungsstarke Desktop-PCs
  • Staubsauger

Geräte mit eher geringem Stromverbrauch:

  • LED-Fernseher
  • Moderne Kühlschränke
  • Beleuchtung mit Energiesparlampen, LEDs oder Halogenbirnen
  • Saugroboter

Die Energieeffizienz spielt bei Geräten natürlich eine erhebliche Rolle, denn ein alter Kühlschrank kann ein Vielfaches von dem verbrauchen, was ein neuer Kühlschrank an Strom benötigt. 

Auch Fernseher zählten früher zu den absoluten Stromfressern, verbrauchen heute dank moderner Technik aber trotz größerer Bildschirmdiagonale in der Regel deutlich weniger Energie. Ähnliches gilt für Waschmaschinen und Wäschetrockner, wobei Letztere noch immer zu den großen Verbrauchern gehören.

Sehr viel Strom verbrauchen Klimageräte oder komplette Klimaanlagen sowie Nachtspeicherheizungen. Sie können den Stromverbrauch im Haushalt erheblich nach oben treiben.

Obwohl die Nachtspeicherheizungen zwischenzeitlich eigentlich verboten werden sollten, weil sie als extreme Stromfresser gelten, sind sie mit der Energiewende als Zwischenspeicher für elektrischen Strom wieder interessant geworden. Ein geplantes Verbot bis 2020 wurde daher zunächst wieder verworfen.

Die Energieverbrauchskennzeichnung: Was steckt dahinter?

Einer EU-Richtlinie gemäß müssen alle Elektrogeräte heute mit Aufklebern versehen sein, anhand derer sich die Energieeffizienz ablesen lässt. Hierfür wurde ein grafisches System entwickelt, bei dem die jeweilige Energieeffizienzklasse mit einem Buchstaben und einem Pfeil dargestellt wird. Sie reichen vereinfacht von A (für niedrigen Energieverbrauch) bis D (hoher Energieverbrauch) mit einer entsprechenden Farbgebung von Grün nach Rot.

Da sich die Energieeffizienz vieler Geräte inzwischen extrem gesteigert hat und fast nur noch „A“ vergeben wurde, war die Aussagekraft der Aufkleber allerdings schon bald nach ihrer Einführung sehr begrenzt. Deswegen wurde die Verordnung 2011 überarbeitet. Jetzt stellt „A“ nur noch das gelbe Mittelfeld dar, während wirklich sparsame Geräte A+, A++ oder A+++ erreichen sollten.

Experten und Verbraucherverbände halten diese Einteilung aber für wenig sinnvoll, da durch die vielen „A“-Einteilungen der Eindruck entstehen kann, dass selbst wenig effiziente Geräte sparsam seien.

Dennoch dient der Aufkleber als Orientierungshilfe beim Kauf neuer Geräte, denn es muss auch ein jährlicher Durchschnittsverbrauch angegeben sein. Dies ist gerade bei Kühlschränken, Waschmaschinen und Fernsehern eine wichtige Information.

Achtung:Sparsame Betriebszustände oft Maßstab

Sie sollten beachten, dass sich die niedrigen Angaben des Durchschnittsverbrauchs meist auf die Nutzung bestimmter Betriebszustände beziehen, die besonders sparsam sind. Diese sind für die tägliche Nutzung in der Praxis aber nicht immer relevant.

Blaue Engel

Blauer Engel

Neben dem Effizienzlabel gibt es aber noch andere Möglichkeiten, energiesparende Produkte und Geräte zu finden. So ist der Blaue Engel seit vielen Jahren ein Symbol für besonders umweltschonende und energieeffiziente Produkte.

Über die Vergabe dieses Umweltzeichens wird von verschiedenen Institutionen gemeinsam entschieden, darunter das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und die Jury Umweltzeichen. 

Standby-Betrieb: Vermeidbarer Stromverbrauch

Viele Geräte haben einen Standby-Modus, der das schnelle Wiedereinschalten ohne lange Wartezeit ermöglicht. Obwohl es bequem ist, verbraucht ein Gerät im Standby häufig immer noch eine erstaunlich hohe Menge an Strom. Auch wenn einige Watt pro Stunde zunächst nicht nach viel klingen mögen, können über das Jahr gesehen schnell Beträge von 20 bis 50 Euro zusammenkommen. Vor allem Fernseher, Spielkonsolen und Stereoanlagen sind hier die „Übeltäter“. Experten empfehlen daher, den Standby-Betrieb nach Möglichkeit zu reduzieren. 

Gut zu wissen: Standby-Betrieb kann auch sinnvoll sein

Standby-Betrieb ist nicht bei allen Geräten überflüssig. Muss beispielsweise ein TV-Gerät nach längerer Netztrennung neu programmiert werden oder reinigt ein Drucker sich automatisch nach jedem Einschalten, weil er die Reinigungsintervalle „vergessen“ hat, ist der Aufwand größer als der Nutzen. Moderne Fernseher verbrauchen zudem im Standby-Modus inzwischen meist nur noch 1 oder 2 Watt. 

Tipps zum Stromsparen

Natürlich ist das vollständige Abschalten von Geräten nicht die einzige Möglichkeit, Strom zu sparen. Hier einige Tipps, die bereits viel bewirken können.

Alte Elektrogeräte durch effizientere ersetzen

Besonders wirksam ist diese Maßnahme bei Kühl- und Gefrierschränken, die bereits älter als zehn Jahre sind. Auch wenn diese Geräte theoretisch noch sehr lange laufen könnten, lohnt es sich fast immer, sie gegen ein neues Modell auszutauschen.

Da die Verbrauchswerte inzwischen erheblich gesunken sind, macht sich eine solche Anschaffung durch die Einsparung beim Strom relativ schnell bezahlt. Auch alte Waschmaschinen sind häufig ineffizient und verbrauchen viel Energie (und Wasser). Ähnliches gilt für alte TV-Geräte mit Röhrenbildschirm.

Waschmaschine und Trockner richtig nutzen

Am besten ist es, gar keinen Wäschetrockner zu verwenden, denn selbst moderne Modelle verbrauchen sehr viel Strom. Haben Sie keine andere Wahl, weil Sie die Wäsche anders nicht trocknen können, sollten Sie das möglichst effizient tun.

Nutzen Sie an der Waschmaschine ruhig die höchste Schleuderzahl – hier zu sparen wäre falsch. Obwohl der höhere Schleudergang natürlich etwas mehr Strom verbraucht, wird sehr viel mehr Wasser aus der Wäsche geschleudert als bei niedrigeren Stufen. Und je trockener die Wäsche in den Trockner kommt, desto kürzer muss dieser laufen.

Beleuchtung mit Sinn und Verstand

Energiesparlampen sind nicht jedermanns Sache. Auch die Umweltverträglichkeit der Quecksilberlampen ist umstritten. Wer die Lichtfarbe oder die Eigenschaften der Lampen nicht mag, hat jedoch Alternativen.

LED-Lampen werden immer erschwinglicher und bieten einen konkurrenzlos niedrigen Stromverbrauch. Im Vergleich zu einer 60-Watt-Glühbirne verbraucht eine herkömmliche Energiesparlampe bei ähnlicher Helligkeit nur etwa 14 Watt, LED-Lampen hingegen sogar unter 5 Watt.

Hinzu kommt, dass die LED-Technik sehr langlebig und schaltfest ist und (im Gegensatz zur Energiesparlampe) auch sofort ihre volle Helligkeit erreicht. Der höhere Anschaffungspreis amortisiert sich über die lange Laufzeit und den niedrigen Verbrauch.

Weitere Stromspartipps finden Sie in unserem Artikel Strom sparen im Haushalt.

Wissenswertes zum Stromverbrauch in Deutschland

Der Energieverbrauch der privaten Haushalte in Deutschland lag nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2011 bei rund 609 Terawattstunden (TWh), was 609 Milliarden kWh entspricht. Damit sind Privathaushalte für etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs verantwortlich. Industrie und Verkehr liegen beide bei jeweils rund 30 Prozent, der Rest entfällt auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.

Der Stromverbrauch in Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern allerdings recht niedrig. Nicht umsonst gilt Deutschland als Vorreiter beim Energiesparen. Mit 3.550 Kilowattstunden im Jahr liegen die Deutschen deutlich unter dem Europa-Durchschnitt von 4.040 kWh. In anderen Ländern ist der Verbrauch teilweise erheblich höher, was aber auch an den geographischen Gegebenheiten liegt. So hat Schweden mit 9.240 kWh den weitaus höchsten Verbrauch, was insbesondere an den langen und kalten Wintern liegt. Wenig Strom wird hingegen in Polen und Litauen verbraucht, hier bleibt man deutlich unter der 2.000-kWh-Grenze.

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