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Chancen und Risiken von Trading: Ein Einsteiger-Guide

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Kaufen, verkaufen und dabei Gewinne einstreichen – oder den Verlust verkraften: Trading bedeutet, die Schwankungen der Finanzmärkte (Volatilität) für die eigenen Zwecke zu nutzen. Im privaten Bereich hat diese kurzfristige Form der Anlage insbesondere seit dem Aufkommen des Online-Handels Einzug gehalten. Über benutzerfreundliche Online-Depots wird es auch für Hobby-Anleger möglich, Aktien und andere Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen.

Trading wird oft als vergleichsweise wenig Arbeit mit hohem Ertrag betrachtet – doch das Gegenteil ist der Fall. Hobby-Trader müssen daher einiges beachten, bevor sie in das Spiel mit den Märkten einsteigen können.

Trading, zu Deutsch: Handel, beschreibt den kurzfristigen Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten wie Wertpapieren, Währungen, Rohstoff-Zertifikaten oder den sogenannten Differenzkontrakten (Contract for difference, CFD). Trading ist damit praktisch das Gegenteil von langfristig geplanten Investitionen. Die Wunschvorstellung der meisten Trader dürfte es sein, mit wenig Aufwand innerhalb kurzer Zeit vergleichsweise viel Geld verdienen.

Sofern Sie auf Trading setzen wollen, sollten Sie sich jedoch stets bewusst sein, dass es sich hier grundsätzlich um Spekulation handelt. Trader versuchen, die Marktentwicklung vorherzusagen und dies zu ihrem Vorteil zu nutzen. Wo ein Trader sein Geld investiert, ist für ihn meist zweitrangig – es geht nicht darum, einen Anteil an einem Unternehmen zu kaufen und langfristig an dessen Entwicklung teilzuhaben. Ein Trader kauft beispielsweise eine Aktie, hofft auf einen Kursanstieg und verkauft sie umgehend wieder – oft innerhalb eines Tages (Intraday-Handel). Die Wertdifferenz abzüglich der Transaktionskosten, beispielsweise der Brokergebühr, ist der Gewinn des Traders.

Online-Trading: Handel in Echtzeit

Aktien kaufen und sie zwei Stunden, zwei Minuten, zwei Sekunden, gar zwei Millisekunden später zu einem besseren Kurs veräußern war in den 1990er Jahren für Privatanleger noch beinahe undenkbar. Zu lange dauerte es, über Telefon, Fax, den Postweg oder direkt in der Bankfiliale Aktien zu kaufen. Mit dem Internet und dem Online-Trading verfügt mittlerweile jedoch nahezu jeder über die Mittel der Profianleger von einst. Wenn Sie ins Trading einsteigen möchten, benötigen Sie theoretisch nur einen Rechner sowie eine stabile, schnelle Internetverbindung. Informationen können über das Netz schnell beschafft werden, Aktienkäufe per Mausklick getätigt werden.

Auch der Intraday-Handel hat durch den technischen Fortschritt einen Schub erhalten: „Daytrader“ öffnen und schließen innerhalb eines Tages Positionen. Das Zauberwort der Trader lautet hierbei Volatilität, die Schwankung eines Kurses. Je höher diese ist, desto größer ist sowohl die Gewinn- als die Verlustchance für Trader. Bei ausbleibender Volatilität haben Trader dagegen schlechte Aussichten auf große Gewinne.

Gut zu wissen:Online-Trading und was man dafür braucht

Grundsätzlich benötigen Sie keine besondere Software, wenn Sie im Internet Finanzprodukte kaufen und verkaufen möchten. Sie müssen sich nur bei einer Direktbank oder einem Online-Broker registrieren und ein Wertpapierdepot eröffnen. Es gibt zahlreiche Anbieter solcher Depots, alle bieten verschiedene Konditionen. Wichtige Kennzahlen für den Depot-Vergleich sind zum Beispiel die Grundgebühr für die Nutzung des Depots sowie die Kosten pro Order.

Gerade Daytrader handeln aber nicht nur mit normalen Wertpapieren, sondern auch mit CFDs (Differenzkontrakte) oder mit Devisen (Forex Trading). Für diese spekulativen Anlageformen, an die sich Anfänger besser nicht wagen sollten, gibt es im Netz spezialisierte Broker. Der Großteil der Anbieter lockt mit einem kostenlosen Demokonto, in dem Kleinanleger mit virtuellem Geld in CFDs und Devisen investieren können.

Kurven, Charts & Börsennews: Arbeitsmittel eines Traders

Sie kennen das Bild vielleicht: Börsenhändler sitzen vor vielen Bildschirmen, die Kurven, Tabellen und Zahlen anzeigen. Auch ein professioneller Privat-Trader hat meist mehrere Bildschirme auf dem Schreibtisch stehen. Auf einem Screen ist die Handelsplattform zu sehen, bei der der Trader angemeldet ist. Hier verdient er sein Geld: Per Mausklick kauft und verkauft er Aktien, Devisen, Rohstoff-Zertifikate und andere Wertpapiere. Auf den anderen Bildschirmen beobachtet der Trader die Entwicklung der Märkte, beispielsweise den DAX an der Frankfurter Börse, den amerikanischen S&P-500-Aktienindex oder auch Warentermin-Börsen wie Euronext, an denen Rohstoffe gehandelt werden.

Die Kurse verändern sich dabei fast im Sekundentakt. Wenn es rot blinkt, bedeutet dies fallende Kurse, grün verheißt einen Kursanstieg. Ein Feed mit den aktuellen Wirtschafts- und Finanznachrichten deutet mögliche Veränderungen an. Profis vertrauen zudem auf Risikomanagement-Software und weitere Tools, die den Verlauf der Kurven vorhersehbar machen sollen.

Kurven zum Kursverlauf gibt es in zahlreichen Variationen. Gerade unter Daytradern erfreut sich vor allem der Kerzenchart (Candlestick-Chart) großer Beliebtheit. Auf einen Blick kann der Trader hier die Bewegung des Kurses ablesen, inklusive des Eröffnungs- und des Schlusskurses. Der obere „Docht“ bzw. die untere „Lunte“ geben den Abstand zum Hoch und Tief des jeweiligen Intervalls an.

Was Trader handeln

Was Trader handeln: Aktien, CFDs (Differenzkontrakte) und Devisen (Forex Trading)

Zu den klassischen Produkten, mit denen Trader handeln, gehören Aktien. Trader beobachten den Markt und versuchen dann, im genau richtigen Moment zu kaufen oder zu verkaufen. Natürlich kann niemand den Verlauf der Kurse voraussagen, erfahrene Trader entwickeln mit den Jahren aber ein Gespür für den Markt – sofern sie sich so lange halten können. Gerade am Anfang der Trader-Karriere muss auch das Glück mitspielen, wenn Trader auf einen bestimmten Aktienverlauf wetten.

Allein auf das Steigen und Fallen von Aktienkursen zu setzen, scheint vielen Tradern zu einseitig – und zu wenig lukrativ, gerade im Vergleich zu anderen Anlageprodukten. Bei CFDs etwa schließen die Trader Verträge mit einem Broker: Eine Partei sichert der anderen zu, die Differenz zwischen dem aktuellen Wert eines Kurses und einem zukünftigen Wert zu bezahlen. CFDs, auch als Differenzkontrakte bekannt, sind damit im Grunde Instrumente für Wetten auf Kursverläufe (bei Aktien) und Wertveränderungen (bei Rohstoffen, Währungen). Der Devisenhandel (Foreign Exchange Trading, kurz: Forex Trading) ist eine weitere lukrative Alternative zum normalen Aktienhandel. Hier geht es grundsätzlich darum, wie sich zwei Währungen zueinander verhalten.

CFDs und das Forex Trading versprechen hohe Gewinne – und Verluste – bei relativ niedrigem Einsatz. Ermöglicht wird dies durch den sogenannten Hebel: Der Trader investiert nur eine geringe Summe seines eigenen Kapitals, den Rest leiht ihm der Broker. Dennoch profitiert der Trader komplett von den Kursschwankungen – beziehungsweise haftet für sie: Denn mit gehebelten Finanzprodukten kann er viel gewinnen, aber auch genauso viel verlieren.

Achtung:Nicht verspekulieren

CFDs und Forex Trading sind hochspekulativ und damit insbesondere für Trading-Anfänger sehr gefährlich. In den USA ist der Handel mit den aus England stammenden CFDs sogar verboten. Daher wird hier nicht weiter auf die Feinheiten dieser Finanzinstrumente eingegangen.

Traden lernen: Wie geht das?

Eine einheitlich geregelte Ausbildung zum Trader gibt es nicht. Zahlreiche – teilweise auch selbsternannte – Trading-Profis bieten Kurzzeit-Seminare an, meist online und oft, so scheint es, mit versteckten Kosten. Wenn Sie Trading ausprobieren möchten, kann ein kostenloses Demokonto ein Weg sein. Achten Sie dabei auf Kostenfallen und gehen Sie nicht zu schnell zum Handel mit echtem Geld über, wenn die Probe-Trades unverhofft gut laufen.

Unter Profis gibt es verschiedene Verhaltensregeln, die allzu große Verluste verhindern sollen. Sie können unter dem Überbegriff „Selbstdisziplin“ zusammengefasst werden. In einem Interview mit dem Deutschen Anlegerfernsehen sagte der bekannte deutsche Daytrader Birger Schäfermeier zum Beispiel, dass Trader unbedingt eigene Regeln brauchen und sich strikt an diese halten sollten. Ausnahmen könnten oft fatale Folgen haben. Weiterhin merkte Schäfermeier an, dass Daytrading für nachdenkliche, gewissenhafte Menschen eher nicht infrage komme.

Profi-Trader verfolgen meist ein individuelles System, das sie sich häufig über Jahre angeeignet haben. Kein erfolgreicher Trader kauft auf gut Glück wahllos eine Aktie und hofft, dass sie sich entsprechend seiner Vorstellungen verhält. Profis planen ganz genau, was sie kaufen, wann sie kaufen und wann sie wieder verkaufen. Die Trader sichern sich gegen Verluste mit einer sogenannten Stop-Loss-Order ab, das heißt, sie steigen automatisch aus, wenn der Kurs eine bestimmte Grenze unterschreitet. Weiterhin gehört es beispielsweise zum Money-Management , so bezeichnen Trader ihre Wertsicherungsstrategie, den Einsatz pro Trade sowie den Handelseinsatz in der Summe zu begrenzen. Der Einsatz pro Trade sollte nicht höher sein als ein bis zwei Prozent des Depotwert, der gesamte Handelseinsatz sollte 10 Prozent nicht überschreiten.

Trading-Strategien: Chartanalyse und Co.

Mit dem Geschäft haben sich auch einige Trading-Strategien herausgebildet, ein zuverlässiger Erfolg solcher Strategien kann aufgrund der Unberechenbarkeit des Marktes jedoch nicht garantiert werden. Renommierte Wirtschaftswissenschaftler wie der Amerikaner Eugene Fama sind der Meinung, dass kein Teilnehmer eines Finanzmarktes durch Analysen oder andere Methoden langfristig erfolgreich sein kann.

Zahlreiche Trading-Strategien lassen sich unter dem Überbegriff der Chartanalyse zusammenfassen, sie ist auch als technische Analyse bekannt. Chartanalysten versuchen, mithilfe historischer Daten den bestmöglichen Kauf- und Verkaufszeitpunkt, beispielsweise einer Aktie, vorherzusagen.

Bei der Chartanalyse prüfen die Trader Auffälligkeiten und Muster des Kursverlaufs. Hat eine Aktie zum Beispiel bereits mehrfach einen ähnlichen Höchst- oder Tiefstand erreicht, sprechen Analysten von einem Widerstand oder einer Unterstützung. Verläuft der Kurs längere Zeit in eine ähnliche Richtung, nach oben oder nach unten, bezeichnen Trader dies als Trend. Aus dem Zusammenspiel all dieser Kennzahlen schließlich versuchen die Trader bei der Chartanalyse, die Wahrscheinlichkeit des weiteren Kurvenverlaufs vorherzusagen.

Mit bestimmten Strategien versuchen Trader, bestimmte Eigenschaften von Kursen in Zahlenwerte umzuformulieren. Zu den bekanntesten Trading-Strategien zählen die Trendfolge- und die Momentum-Strategie.

Trendfolgestrategie

Diese Strategie, die auch für Anfänger geeignet ist, basiert auf dem bekannten Satz „The trend is your friend“. Der Trader geht einfach gesagt davon aus, dass sich Trends fortsetzen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein fallender Kurs weiter fällt oder ein steigender Kurs weiter steigt. Analyse-Programme für Trader können den Trend einer Aktie auch in Zahlen wiedergeben.

Momentum-Strategie

Mit dieser Strategie versuchen Trader, zu bestimmen, wann sich der Kurs einer Aktie beschleunigt. Der Theorie liegt die Annahme zugrunde, dass sich Kurse oft längere Zeit seitwärts bewegen und dann plötzlich in die Höhe schnellen beziehungsweise stark fallen. Diese unmittelbare Veränderung des Momentums soll abgepasst werden, um rechtzeitig zu kaufen oder zu verkaufen. Um das Momentum zu ermitteln, dividieren Trader aktuelle durch vergangene Kurse. Daraus ergibt sich ein Graph, der auch als Momentumkurve bezeichnet wird.

Trading: Ein Job mit hohem Risiko

Erfolgreiche Trader mit einem guten Händchen können von ihrem Geschäft leben, ihr Einkommen ist rein theoretisch unbegrenzt. Die Realität vieler Trader sieht jedoch vielfach anders aus: Studien zum Thema, unter anderem von der University of California, zeigen, dass die wenigsten Daytrader tatsächlich etwas verdienen. Ständige Gewinner sind nur die Broker, die für jeden ausgeführten Trade Gebühren kassieren und auch vom spekulativen Handel profitieren.

Trading hat also wenig zu tun mit der Vorstellung vieler Menschen: Statt bequem von zu Hause aus mit ein paar Mausklicks einen bombensicheren Trade zu bestätigen und so sein Tagessoll erarbeitet zu haben, analysieren Profis stundenlang Kursverläufe und denken sehr genau darüber nach, wie und wo sie investieren. Professionelles Trading ist damit nicht weniger arbeitsintensiv als ein normaler Job und liefert zudem keine Einkommenssicherheit.

Der Einstieg ins Trading sollte gut überlegt sein. Grundsätzlich gilt, dass Trading kaum nennenswerte Gewinne abwirft, wenn das eingesetzte Kapital nicht mindestens im unteren vierstelligen Bereich liegt. Starten Sie mit einem Demokonto und informieren Sie sich ausführlich, beispielsweise auf seriösen Trading-Plattformen und durch Fachliteratur.

Achtung:Nur Geld einsetzen, das Sie entbehren können

Investieren Sie niemals Geld, auf das sie nicht verzichten können. Gerade mit dem Handel von spekulativen Finanzinstrumenten wie CFDs können Kleinanleger schnell große Verluste machen. Und auch wenn Sie das eingesetzte Kapital nicht zwingend benötigen, sollten Sie sich Grenzen setzen.

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