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Vermögensverwaltung: Geld anlegen wie die Reichen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 24.08.2016

Vermögensverwaltung? Das klingt eher nach Millionär als nach Kleinanleger. Wer es sich leisten kann, vertraut sein Vermögen einem Verwalter an, der das Geld in seinem Sinne betreut – und dafür eine satte Gebühr kassiert. Leisten konnten sich die exklusive Betreuung lange Zeit nur Wohlhabende. Denn viele Banken oder spezialisierte Vermögensverwalter verlangen, dass der Kunde wenigstens eine halbe Million mitbringt – sonst lehnen sie ihn von vornherein ab.

Erst in den zurückliegenden Jahren ist die Vermögensverwaltung auch zu einem Thema für Gutverdiener und inzwischen sogar für Normalverdiener geworden. So gibt es mittlerweile Banken, die auch schon bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro professionelle Vermögensverwaltung anbieten. Zudem setzen immer mehr unabhängige Vermögensverwalter die Schwellen sogar niedriger.

So funktioniert Vermögensverwaltung

Bis vor einigen Jahren war es üblich, dass sich Sparer in Sachen Geldanlage von ihrer Hausbank beraten ließen. Spätestens seit der Finanzkrise ist dieses Konzept allerdings in die Kritik geraten. Denn: Häufig kommt es vor, dass sich die Bankberater bei ihren Empfehlungen nicht von den Wünschen des Kunden leiten lassen, sondern von der Frage, beim Verkauf welchen Produkts sie selbst die höchste Provision kassieren. Diese Provision zahlen indirekt Sie als Kunde. Hinzu kommen bei Fonds häufig noch sogenannte Ausgabeaufschläge (eine Art Verkaufsgebühr) und jährliche Managementkosten. All das schmälert die Rendite.

Seit einigen Jahren gibt es ein alternatives Konzept, nämlich die unabhängige Honorarberatung. Hier zahlen Sie – beispielsweise in Stundensätzen – direkt für die Expertise des Beraters. Im Gegenzug soll dieser Ihnen aber auch tatsächlich die besten und günstigsten Produkte empfehlen. Kassiert der Berater für die Vermittlung eines Fonds oder einer Lebensversicherung trotzdem eine Provision, muss er dieses Geld (auch „Kick-back“ oder Retrozession genannt) an Sie weiterreichen.

Die Vermögensverwaltung funktioniert nach einem ganz ähnlichen Prinzip – nur dass Sie hier noch einen Schritt weitergehen. Bei diesem Modell lassen Sie sich bei der Geldanlage nämlich nicht nur beraten, sondern übertragen die Betreuung Ihres Geldes direkt in die Hände eines Experten. Dieser übernimmt dann für Sie die Anlageentscheidungen.

Formen der Vermögensverwaltung

In der individuellen Vermögensverwaltung ist der Betreuer tatsächlich Ihr persönlicher Finanzplaner und Ansprechpartner. Er schneidert das Portfolio passgenau nach Ihren Bedürfnissen. Zum Geschäftsprinzip gehört, dass der Betreuer immer für die Nöte und Sorgen der Kunden da ist. Auch spätabends oder am Wochenende nimmt er das Telefon ab, wenn Sie anrufen.

Manchen Superreichen – das sind meist Menschen mit einem Vermögen in mindestens dreistelliger Millionenhöhe – genügt selbst dieser Service nicht. Sie gründen darum sogenannte „Family Offices“, deren Mitarbeiter sich dann persönlich und rund um die Uhr um ihr Vermögen kümmern sollen.

Das Gegenstück zur individuellen ist die standardisierte Vermögensverwaltung. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass professionelle Portfoliostrategen die Geldanlage nicht für Einzelpersonen managen – sondern für eine Gruppe von Kunden mit ähnlichen Investmentzielen. Auch hier wird die Anlagestrategie direkt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten, etwa was Ihre persönliche Risikobereitschaft betrifft.

Die standardisierte Vermögensverwaltung ermöglicht auch Kunden, die lediglich über kleinere Beträge verfügen, eine professionelle Verwaltung ihrer Geldanlagen. Durch die geringeren Kosten im Vergleich zum individuellen Service erhöht sich die Nettorendite.

Eine spezielle Form der standardisierten Vermögensverwaltung ist die regelbasierte Vermögensverwaltung. Sie eignet sich vor allem für Anleger, die einerseits nicht daran glauben, durch regelmäßig An- und Verkäufe „den Markt schlagen“ zu können – die andererseits aber schlechtere Börsenphasen auch nicht einfach nur aussitzen wollen. Was genau hat es mit dieser Strategie auf sich?   

Regelbasierte Vermögensverwaltung

Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen – auch und erst recht nicht an der Börse. Trotzdem glauben viele Anleger, sie könnten besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Die Folge: Sie setzen beispielsweise auf wenige vermeintlich lukrative Aktien, anstatt ihr Geld zu diversifizieren.

Oder: In der Hoffnung, auch kleinste Auf- und Abwärtstrends richtig antizipieren können, steigen sie wie wild ein und aus. Dabei zeigen Untersuchungen, dass die meisten Privatanleger besser fahren, wenn sie ein breit gestreutes Depot einfach über möglichst lange Zeiträume halten.  

Die regelbasierte Vermögensverwaltung ist gewissermaßen der Versuch, einen „dritten Weg“ zu wählen. Ziel ist es, Verluste in Krisenzeiten zu begrenzen, anstatt sie einfach nur auszusitzen – allerdings ohne sich dabei von seinen Emotionen leiten zu lassen.

Stattdessen sollen Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Basis klarer, im Vorfeld festgelegter Regeln getroffen werden. Die Umsetzung dieser Strategien erfolgt hauptsächlich mithilfe preisgünstiger Indexfonds (ETFs), die verschiedene Märkte und Anlageklassen abdecken – zum Beispiel neben Aktien auch Anleihen und Rohstoffe. 

So funktioniert Rebalancing

Beim sogenannten Rebalancing handelt es sich um eine besondere Form der regelbasierten Kapitalanlage. Um zu verhindern, dass ein Portfolio im Laufe der Zeit aus dem Gleichgewicht gerät, wird es durch Umschichtungen immer wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgebracht.

Ein Beispiel: Eine Reihe von Aktien laufen so gut, dass sie innerhalb des Depots ein immer größeres Gewicht einnehmen – während zum Beispiel die Performance einiger Staatsanleihen hinterherhinkt, ihr Gewicht also sinkt. Rebalancing bedeutet, dass nun einige der Aktien abgestoßen und mit dem Erlös neue Staatsanleihen gekauft werden. So wird die ursprüngliche Verteilung zwischen den unterschiedlichen Wertpapieren und Assetklassen wiederhergestellt.

Jüngere Untersuchungen – zum Beispiel durch die dänische Fondsgesellschaft Sparinvest – legen nahe, dass sich durch das Rebalancing tatsächlich langfristig etwas höhere Erträge erzielen lassen als durch das unflexible Festhalten am Ursprungsportfolio. Wichtig allerdings ist, dass das Rebalancing nicht exzessiv betrieben wird. Ansonsten fressen die Handelsgebühren mögliche Kursgewinne leicht wieder auf. 

Verluste bei der Vermögensverwaltung

Ja - um Risiken zu verringern, sollen Vermögensverwalter das Geld ihrer Kunden zwar streuen – zum Beispiel in Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Bei starken Marktschwankungen sind Verluste in der Regel auch mit ausgefeilten Anlagestrategien nicht gänzlich zu vermeiden.

Sein Geld von einem Profi betreuen zu lassen, heißt also nicht, dass das Portfolio nicht zumindest vorübergehend auch mal ins Minus rutschen kann. Kardinalfehler, wie sie manche Kleinanleger begehen (zum Beispiel das gesamte Geld in einige wenige Aktien zu stecken), sollten einem Profiverwalter allerdings nicht unterlaufen.

Dabei brauchen Sie allerdings keine Angst zu haben, dass das Geld weg ist, wenn der Vermögensverwalter pleitegeht. Denn Sie übertragen ihm zwar die Betreuung Ihres Vermögens – nicht aber das Vermögen als solches. Ihr Geld liegt auf Konten und in Depots, die auf Ihren Namen geführt werden. Dafür gibt es eine sogenannte Depotbank.

Gut zu wissen:Insolvenz des Vermögensverwalters

Ihr Geld liegt auf Konten und Depots, die auf Ihren Namen laufen. Selbst wenn der Vermögensverwalter pleitegehen sollte, gehört es weiterhin Ihnen.

Wie finde ich eine gute Vermögensverwaltung?

Wer als Vermögensverwalter arbeitet, braucht eine Zulassung durch die Finanzaufsicht BaFin. Doch Vorsicht: Obwohl der Berufsstand streng reguliert wird, genießt der Begriff „Vermögensverwalter“ keinen rechtlichen Schutz. Darum kommt es vor, dass sich auch nicht-regulierte Finanzdienstleister mit dieser Bezeichnung schmücken.

Wenn Sie einen richtigen Vermögensverwalter suchen, dann achten Sie darauf, ob er die Genehmigung zur „Finanzportfolioverwaltung“ besitzt. Das ist der aufsichtsrechtlich korrekte Begriff.    

Gleichwohl ist ein richtiger Vermögensverwalter noch nicht automatisch ein guter. Einen solchen zu finden ist schwierig. Eine Mitgliedschaft im Berufsverband VuV („Verband der unabhängigen Vermögensverwaltung“) ist zwar ein gutes Zeichen – reicht allerdings als Kriterium nicht aus.

In jedem Fall sollten Sie auf die beruflichen Qualifikationen achten: Wo und in welcher Position hat er vorher gearbeitet? Oder: Handelt es sich um einen ausgebildeten Finanzanalysten? Das erkennt man daran, dass er die Titel CFA (Chartered Financial Analyst) oder CIIA (Certified International Investment Analyst)tragen darf. Ganz wichtig ist letzten Endes natürlich auch der persönliche Eindruck.

In der standardisierten Vermögensverwaltung gibt es nicht den „einen Ansprechpartner“. Hier müssen Sie noch stärker nach objektiven Kriterien auswählen. Bei einem guten Anbieter finden Sie verschiedene Anlagestrategien, so dass Sie gemäß Ihrer persönlichen Risikoneigung die für Sie passende Strategie auswählen können. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Kosten. Gemessen an der Anlagesumme sollten die Gebühren 1,5 Prozent insgesamt nicht überschreiten. 

Gut zu wissen:Preiswerte Vermögensverwaltung

Eine preiswerte standardisierte Vermögensverwaltung erkennen Sie häufig daran, dass sie ihre Anlagestrategien mittels günstiger ETFs umsetzt.   

Für wen lohnt sich eine Vermögensverwaltung?

Während die individuelle Vermögensverwaltung nur für reiche Kunden infrage kommt, eignet sich die standardisierte Vermögensverwaltung auch für Normalverdiener. Manche Banken bieten ihren Kunden inzwischen schon ab 50.000 Euro einen entsprechenden Service. Bei den ersten Online-Vermögensverwaltern, die nun gegründet werden, liegt die Schwelle sogar noch einmal deutlich niedriger.

Lohnend ist die standardisierte Vermögensverwaltung vor allem, wenn Sie einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen. Denn auf lange Sicht können sie auch riskantere und damit renditeträchtigere Anlagestrategien fahren – schließlich macht zum Beispiel der Aktienmarkt zwischenzeitliche Verluste im Laufe der Jahre normalerweise mehr als wett.

Für langfristig orientierte Anleger macht es daher Sinn, die Erstanlage zum Beispiel über einen monatlichen Sparplan sukzessive aufzustocken. Zumal die Gebühren mit steigender Anlagesumme prozentual sinken, was die Renditechancen erhöht.   

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