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Zerobonds: Anlage mit Nullkuponanleihen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 13.07.2016

Bei Zerobonds handelt es sich um Anleihen mit langer Laufzeit, bei denen keine jährliche Auszahlung von Zinsen erfolgt, sondern der Anleger eine einmalige vollständige Auszahlung zum Ende der Laufzeit erhält. Meist wird zu diesem Zeitpunkt der Nennwert der Anleihe ausbezahlt, denn sie wird üblicherweise deutlich unter diesem Wert ausgegeben. Die Rendite ergibt sich durch die Differenz zwischen Nennwert und Kaufpreis. Diese Besonderheiten bringen einige Vorteile mit sich, Zerobonds sind allerdings nicht für jeden Anleger geeignet.

Ein Zerobond ist eine Anleihe, die nicht laufend verzinst wird. Er ist deshalb auch unter dem deutschen Begriff Nullkuponanleihe (auch in der Schreibweise „Null-Kupon-Anleihe“) bekannt, weil die Anleger hier keinen jährlichen Zinskupon erhalten. Der Inhaber des Wertpapiers erhält stattdessen eine Einmalzahlung zum Ende der Laufzeit. Der Zerobond wird in der Regel deutlich unter dem Nennwert erworben und der Anleger erhält zum Laufzeitende die Höhe des Nennwerts ausbezahlt.

Die Rendite ergibt sich also aus der Differenz zwischen dem Emissionskurs und dem Rückzahlungskurs, wobei letzterer höher ist. Die Zinsen liegen in dem Differenzbetrag, man kann also sagen, dass bei Zerobonds versteckte Zinsen enthalten sind – im Gegensatz zur jährlichen Auszahlung der Zinsen bei anderen Anleihen.

Diese spezielle Anleihenform zeichnet sich durch eine besonders lange Laufzeit aus, sie kann bis zu 30 Jahre betragen und liegt bei mindestens zehn Jahren. Häufig werden Zerobonds von Banken ausgegeben.

Für wen eignen sich Zerobonds?

Eine solche Null-Kupon-Anleihe ist für Anleger geeignet, die längere Zeit auf den Anlagebetrag verzichten können und die auch nicht auf die jährliche Auszahlung von Zinsen angewiesen sind beziehungsweise damit planen wollen. Bei dieser Art der Anleihe ist für den Inhaber somit aber auch eine Arbeitserleichterung gegeben, weil er sich nicht jedes Jahr bei Zinsauszahlung darum kümmern muss, wie er diese weiter anlegen möchte.

Ein weiterer großer Vorteil des Zerobonds ist die Planbarkeit: Bereits beim Kauf kann die Rendite ermittelt werden. Dadurch eignen sich diese Anleihen besonders für Anleger, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft über eine bestimmte Summe Geld verfügen möchten. Das kann zum Beispiel der Eintritt in den Ruhestand oder die Volljährigkeit beziehungsweise der Studienbeginn des eigenen Kindes sein.

Nicht geeignet ist ein Zerobond dagegen für Anleger, die sich eine gewisse Flexibilität bewahren wollen. Denn ein Verkauf von Zerobonds ist zwar grundsätzlich möglich, geht aber häufig mit Verlusten einher.

Anleger, die gerne spekulieren und mit ihrem Anlageverhalten auf aktuelle Entwicklungen reagieren, um so die maximale Rendite herauszuholen, sind mit einem Zerobond ebenfalls nicht gut beraten.

Arten von Zerobonds

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Zerobonds unterscheiden. Gemeinsam ist beiden, dass keine Auszahlung von Zinsen während der Laufzeit erfolgt. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied bei der Form der Ausgabe.

Ausgabe zum Barwert

Die Ausgabe zum Barwert kommt bei Zerobonds deutlich häufiger vor, dabei handelt es sich also um eine Nullkuponanleihe im klassischen Sinn. Der Nominalwert (oder Nennwert) ist bei der Ausgabe bereits bekannt. Der Barwert und damit der Ausgabepreis wird dabei durch Abzinsung berechnet, also indem von dem Nennwert aus über die Laufzeit hinweg sozusagen rückwärts gerechnet wird.

Zum Beispiel kann also ein Zerobond mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren zu einem Barwert von 821,93 Euro herausgegeben werden. Die Verzinsung liegt dann bei vier Prozent.

Ausgabe zum Nominalwert

Es gibt aber auch Zerobonds, die zum Nominalwert ausgegeben werden und die dadurch Ähnlichkeiten mit anderen Wertpapieren aufweisen. Dabei werden die Zinsen dennoch nicht jährlich ausbezahlt, sondern angesammelt und erst zum Ende der Laufzeit ausgeschüttet. Daher wird diese Variante der Zerobonds auch als Zinssammler bezeichnet wird.

Die Berechnung der Rückzahlung erfolgt dabei durch Aufzinsung. Zum Beispiel kann ein Zerobond mit einem Nominalwert von 1.000 Euro herausgegeben werden, das mit einem Zinssatz von vier Prozent zehn Jahre lang läuft. Der Rückzahlungsbetrag liegt dann bei 1.480,24 Euro und erfolgt in voller Höhe zum Laufzeitende.

Vorteile für Anleger

  • Geringer Verwaltungsaufwand
    Im Vergleich zu jährlich verzinsten Wertpapieren müssen Sie sich als Anleger nur wenig um Zerobonds kümmern. Da die Auszahlung erst in einer Gesamtsumme zum Ende der Laufzeit erfolgt und vorher keine Zinsen gezahlt werden, müssen Sie auch nicht jedes Jahr eine Wiederanlage planen und sich dafür über die aktuellen Konditionen informieren.
  • Kein Wiederanlagerisiko
    Eng damit verbunden ist das nicht vorhandene Wiederanlagerisiko bei Zerobonds. Bei anderen Wertpapieren ist es gegeben, da das allgemeine Zinsniveau fallen kann und dadurch das Risiko besteht, die Zinserträge zu schlechteren Konditionen anlegen zu müssen. Bei einem Zerobond tritt dagegen der Zinseszinseffekt ein, weil der Zinssatz konstant bleibt und auch die Zinsen immer wieder zu diesem Satz angelegt werden. So sind Zerobonds gerade dann eine lohnenswerte Anlageform, wenn das allgemeine Zinsniveau während des Anlagezeitraums fällt.
  • Hohe Planungssicherheit
    Da die Rendite bereits beim Kauf bekannt ist, haben Anleger eine hohe Planungssicherheit und können die Anlagesumme inklusive Zinsertrag für einen bestimmten Zeitpunkt fest einplanen. Zum Beispiel kann sie zur Tilgung eines Darlehens verwendet werden oder als Geschenk für ein Kind dienen, das die Summe bei Volljährigkeit erhält. Außerdem ist auch eine Altersvorsorge mit Zerobonds möglich: Durch den Kauf mehrerer Anleihen, die zum Beispiel immer im Abstand von einem Jahr fällig werden, erhalten Anleger im Ruhestand in jährlich eine feste und vorab bekannte Summe.
  • Verkauf jederzeit möglich
    Grundsätzlich können Sie sich als Anleger jederzeit entscheiden, einen Zerobond wieder zu verkaufen, wenn Sie über den Betrag verfügen möchten, weil zum Beispiel eine wichtige Anschaffung erforderlich wird. So ist eine gewisse Flexibilität gewährleistet, die aber mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Einbußen bei der Rendite zu bezahlen ist. Denn der Verkauf erfolgt dann zu den Bedingungen, die aktuell gelten. Somit ist die erwartete Rendite nur dann gesichert, wenn Sie nicht vor Laufzeitende verkaufen.
  • Steuerstundungseffekt
    Durch die einmalige Auszahlung zum Laufzeitende müssen die Zinserträge auch erst zu diesem Zeitpunkt versteuert werden. Das vergrößert den Zinseszinseffekt, weil die Zinsen ohne Abzug von Steuern weiter verzinst werden.

Gut zu wissen:Steuerstundungseffekt und Abgeltungssteuer

Bis zur Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 brachte dieser Steuerstundungseffekt oft noch deutlich größere Vorteile mit sich. Da auf Kapitalerträge der individuelle Steuersatz angewendet wurde, konnten Anleger mit Zerobonds die Versteuerung auf einen Zeitpunkt verschieben, zu dem aufgrund eines geringeren Einkommens ein niedrigerer Steuersatz zu erwarten war, also klassischerweise auf den Ruhestand.

Die Abgeltungsteuer gilt allerdings für alle Kapitalerträge oberhalb des Freibetrags von 801 Euro mit einem pauschalen Satz von 25 Prozent, sodass dieser Vorteil nicht mehr genutzt werden kann. Die Abgeltungsteuer gilt auch für Zerobonds, die vor 2009 abgeschlossen wurden. Entscheidend ist das Laufzeitende oder der Verkauf und damit der Zeitpunkt, zu dem Sie den Ertrag erhalten.

Vorteile für Emittenten

Auch für das ausgebende Unternehmen bieten Zerobonds Vorteile. So lassen sich damit längere Laufzeiten durchsetzen, in denen mit dem Geld geplant werden kann, ohne dass in dieser Zeit Zinsverpflichtungen bestehen.

Der Verwaltungsaufwand für die Zinszahlungen entfällt ebenfalls. Allerdings besteht für den Herausgeber eines Zerobonds auch eine hohe einmalige Belastung durch die komplette Rückzahlung inklusive Verzinsung zum Ende der Laufzeit.

Nachteile für Anleger

  • Fehlende Liquidität durch Zinsauszahlungen
    Sie sollten bedenken, dass bei einem Zerobond keine Zinsen ausbezahlt werden, Sie also in keiner Weise während der Laufzeit davon profitieren, wie es bei anderen Wertpapieren der Fall ist. Gerade in finanziell schwer einzuschätzenden Phasen, wie zum Beispiel während eines Hausbaus, kann eine jährliche Auszahlung vorteilhafter sein. Denn dabei stehen auch zwischendurch Erträge zur Verfügung, die unter Umständen benötigt werden.
  • Geringe Flexibilität
    Die fehlende Flexibilität könnte für einige Anleger ein Problem sein und bildet die Kehrseite des fehlenden Wiederanlagerisikos. So wie die gesammelte Zinsauszahlung zum Laufzeitende einen Vorteil darstellt, wenn das Zinsniveau in der Zwischenzeit sinkt, wird sie zum Nachteil, falls die Zinsen steigen sollten. In diesem Fall ist die Anlagesumme für einen langen Zeitraum gebunden und auch die Zinsen können nicht zum aktuellen günstigeren Zinssatz angelegt werden. Der Verkauf zum Zweck einer anderen Anlage wird sich wegen der Verluste bei der Rendite in den meisten Fällen nicht lohnen.
  • Hohe Volatilität
    Zerobonds weisen eine hohe Volatilität auf, das heißt sie sind besonders anfällig für Kursschwankungen. Das ist mit der fehlenden Auszahlung von Zinserträgen zu begründen: Fällt der Marktzinnsatz, steigt der Kurs der Zerobonds an, kommt es dagegen zu einer Anhebung des Marktzinssatzes, geht der Kurs der Zerobonds zurück.
  • Bonität des Emittenten ist zentral
    Außerdem ist die Bonität des ausgebenden Unternehmens von großer Bedeutung für den Anleger. Generell besteht bei Anleihen ein Ausfallrisiko, wenn es zu einer Insolvenz des Emittenten kommt. Bei einem Zerobond ist dieses Risiko aber durch die besonders lange Laufzeit und den Verzicht auf sämtliche Zinsauszahlungen während der Laufzeit besonders hoch.

Steuerliche Behandlung von Zerobonds

Für die Auszahlung der Erträge aus einem Zerobond gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Die Zahlung zum Laufzeitende und den vorzeitigen Verkauf. Entsprechend ist auch bei der Besteuerung zwischen diesen beiden Varianten zu unterscheiden. Seit Einführung der Abgeltungsteuer ist der Unterschied mittlerweile aber nicht mehr groß.

Besteuerung bei Laufzeitende

Wenn die Auszahlung der Erträge bei Laufzeitende erfolgt, wird die Abgeltungsteuer angewendet. Sie beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer und muss zum Zeitpunkt der Auszahlung abgeführt werden. Grundlage für ihre Berechnung ist die Differenz zwischen Ausgabe- und Rückzahlungsbetrag, die auch als Marktrendite bezeichnet wird. Dabei werden keine Währungsgewinne oder -verluste berücksichtigt, sondern die reinen gezahlten beziehungsweise erhaltenen Beträge als Grundlage verwendet.

Der Steuerabzug wird direkt von dem Kreditinstitut vorgenommen. Seit Einführung der Abgeltungsteuer hat es keine Auswirkungen mehr, welcher individuelle Steuersatz für den Anleger bei der Einkommensteuer zum Auszahlungszeitpunkt gilt.

Besteuerung bei vorzeitigem Verkauf

Wenn Sie sich als Anleger entscheiden, einen Zerobond zu verkaufen, wird bei der Besteuerung des Ertrags ebenfalls die Marktrendite, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, zugrunde gelegt. Das ist seit der Einführung der Abgeltungsteuer der Fall.

Davor hatten Anleger die Möglichkeit, entweder die Marktrendite oder die Emissionsrendite als Grundlage zu wählen. Letztere bezieht sich auf die bei der Ausgabe der Anleihe versprochene Rendite.

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