Girokonto Ratgeber

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 22.11.2016

Im Leben der meisten Menschen ist das Girokonto eine Selbstverständlichkeit. Während es sich ohne Aktiendepot, Festgeldkonto oder Debit Card im Zweifelsfall auskommen lässt, ist und bleibt es ein Muss. Alles was Sie darüber wissen sollten – von der Definition über Eröffnung, Startguthaben und Dispokredit bis hin zur Kündigung – erfahren Sie hier.

Ein Girokonto ist per Definition ein Kontokorrentkonto, das Bankkunden für die Abwicklung des alltäglichen Zahlungsverkehrs nutzen. Dazu gehören beispielsweise Ein- und Auszahlungen sowie Daueraufträge und Lastschriftverfahren. Weiterhin zeichnet es sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Bei manchen Anbietern und unter bestimmten Bedingungen ohne Gebühren.
  • Auf Wunsch zusätzlich oder ausschließlich über Onlinebanking nutzbar.
  • Oft verbunden mit Extras wie EC- und Kreditkarte.
  • Meist inklusive flexibel nutzbarem Kreditrahmen (Dispo).
  • Gelegentlich auf niedrigem Niveau verzinst.
  • Häufig als Gehaltskonto genutzt.

Zielgruppenspezifisch: Girokonto für Selbstständige, Studenten, Kinder & Co

Ganz einheitlich ist die Antwort auf die Frage „Was ist ein Girokonto?“ jedoch nicht: Neben dem klassischen Modell für Privatkunden gibt es auch Angebote für bestimmte Zielgruppen, etwa ein Geschäftsgirokonto, ein Prepaid-Girokonto oder ein Girokonto für Schüler. Ein Überblick über die Sonderformen:

Girokonto für Kinder Ein Girokonto für Kinder berücksichtigt die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit der jungen Kunden und ist daher ein reines Guthabenkonto. Die Verzinsung kann dabei überdurchschnittlich hoch sein, dann ist sie jedoch an eine Maximaleinlage gebunden, um Missbrauch zu verhindern. Schließlich wird zum Girokonto für Kinder gelegentlich eine Bankkarte ausgegeben. Welcher Betrag damit abgehoben werden kann, bestimmen in der Regel die Eltern, die überhaupt der Kontoeröffnung zustimmen müssen. In Anbetracht der Rahmenbedingungen handelt es sich fast immer um ein kostenloses Girokonto ohne Mindesteingang.
Girokonto für Jugendliche Auch das Girokonto für Jugendliche ist in der Regel ein kostenloses Girokonto ohne Mindesteingang. Weiterhin steht auch bei diesem Girokonto der Dispo nicht zur Verfügung. Sofern es sich von jenem für Kinder überhaupt unterscheidet, sind beim Girokonto für Jugendliche die Möglichkeiten des Onlinebankings und der EC-Karte erweitert.
Girokonto für Schüler Das Girokonto für Schüler ist weniger ein eigenes Produkt als ein anderer Vermarktungsansatz für das Girokonto für Kinder beziehungsweise das Girokonto für Jugendliche. Je nach Alter des jungen Kunden entspricht das Girokonto für Schüler dem einen oder dem anderen. Bei allen drei Varianten ist sorgfältiger Blick in die Geschäftsbedingungen nötig, um zu klären, bis zu welchem Alter die Konditionen gelten und welchen Bedingungen es anschließend unterliegt.
Girokonto für Studenten Eine beliebte Zielgruppe von Banken sind auch die Studenten. Girokonto und EC-Karte gehören für diese selbstverständlich zum Alltag, ein großer regelmäßiger Geldeingang jedoch meist noch nicht. Dennoch umwerben die Kreditinstitute sie häufig mit einem speziellen Girokonto für Studenten, um sie früh als Kunden zu binden. Dabei handelt sich oft um ein Girokonto ohne Gebühren, das häufig auch Auszubildende beantragen können. Wichtig ist es auch beim Girokonto für Studenten zu prüfen, bis zu welchem Alter es zu den Vorzugsbedingungen genutzt werden kann und zu welchen Konditionen die Fortführung danach möglich ist.
Geschäftsgirokonto Die Einrichtung eines Geschäftsgirokontos ist für Selbstständige zwar nicht verpflichtend, empfiehlt sich jedoch unbedingt. Zum einen ermöglicht dies eine saubere Trennung zum privaten Zahlungsverkehr, zum anderen akzeptieren die Banken die gewerbliche Nutzung des privaten Girokontos meist nicht. Ein Geschäftsgirokonto ist in der Regel kein Girokonto ohne Gebühren, bietet dafür aber mehr Funktionalitäten – etwa das Lastschriftverfahren. Für eine flexible Geldanlage bietet es sich an, das Geschäftsgirokonto in Kombination mit einem Tagesgeldkonto zu eröffnen.
Prepaid-Girokonto Das Guthaben- oder auch Prepaid-Girokonto ist eine Alternative für alle Bankkunden, die aufgrund negativer SCHUFA-Einträge kein reguläres Girokonto eröffnen können. Beim Prepaid-Girokonto kann nur mit dem als Plus verbuchten Geld gewirtschaftet werden. Das Überziehen ist nicht möglich, da kein Dispositionskredit eingerichtet worden ist. Häufig als „Girokonto ohne/trotz SCHUFA“ bezeichnet, verhindert ein Prepaid-Girokonto eine (weitere) Überschuldung.

Girokonto: Test hilft bei der Auswahl

Die meisten Kunden haben eine gewisse Vorstellung, was sie erwarten, sei es ein Girokonto ohne Gebühren, ein Girokonto für Studenten oder ein kostenloses Girokonto ohne Mindesteingang. Trotzdem will die Entscheidung für einen Anbieter gut überlegt sein. Einen ersten Anhaltspunkt kann Ihnen hier ein Girokonto-Test bieten. Diesen führen unterschiedliche Verbraucherorganisationen und Medien gelegentlich durch.

Besonders umfangreich ist dabei der Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation hat sich allerdings ausschließlich auf kostenlose Angebote konzentriert. Zwar ist ein Girokonto ohne Gebühren der Wunsch der meisten Bankkunden, doch fallen auf diese Weise beim Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest Angebote heraus, die andere attraktive Konditionen zu bieten haben, obwohl sie nicht kostenfrei sind. Das könnte beispielsweise eine Girokonto-Prämie sein oder niedrige Dispozinsen.

Aber auch jeder andere Girokonto-Test kann nur allgemeine Aussagen zu den Angeboten treffen, sodass weder er noch der Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest einen individuellen Vergleich ersetzen kann.

Checkliste für den Vergleich

Die Kreditinstitute versprechen insbesondere Neukunden gerne verlockende Konditionen. Vom Girokonto ohne Gebühren bis zum Girokonto mit Startguthaben machen es diverse Angebote auf dem Markt leicht, den Überblick zu verlieren. Hier hilft ein Online-Vergleich Ihnen, schnell und unkompliziert, einen umfassenden Eindruck zu bekommen.

Bevor Sie ein Girokonto eröffnen, sollten Sie mit seiner Hilfe folgende Fragen klären:

  • Handelt es sich bedingungslos um ein Girokonto ohne Gebühren oder ist die Kostenfreiheit an bestimmte Kriterien geknüpft?
  • Wie teuer ist es, das Girokonto zu überziehen?
  • Gibt es eine Guthabenverzinsung?
  • Wie groß ist das Automatennetz?
  • Wie groß ist das Filialnetz?
  • Welche Gebühren fallen für nicht alltägliche Transaktionen wie die Nutzung fremder Automaten an?
  • Gibt es kostenlose Extras, etwa eine Kreditkarte?
  • Handelt es sich um ein Girokonto mit Startguthaben oder gibt es eine andere Prämie?

Wie Sie die einzelnen Punkte gewichten, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, etwa ob die Guthaben- oder die Dispo-Zinsen für Sie mehr Relevanz haben. Bedenken sollten Sie zum einen, dass ein Girokonto mit Startguthaben keinen allzu langfristigen Vorteil bietet. Zum anderen ist eine Guthabenverzinsung zwar ein lohnenswertes Extra, ersetzt aber keineswegs eine echte Geldanlage, wie Ihnen beispielsweise ein Blick auf einen Festgeld-Vergleich bestätigen wird. Haben Sie per Vergleich das passende Angebot gefunden, können Sie bei vielen Anbietern das Girokonto online eröffnen beziehungsweise den entsprechenden Antrag stellen.

Dispo richtig nutzen

Die meisten Bankkunden kommen früher oder später einmal in die Situation, dass sie ihr Girokonto überziehen. Damit dafür nicht eigens ein Kreditantrag gestellt werden muss, gibt es den flexiblen Dispositionskredit. Er wird von der Bank freiwillig – und meist automatisch – vergeben und entspricht maximal etwa dem Dreifachen des Nettoeinkommens. Wünschen Sie sich ein Girokonto ohne Dispo, können Sie ihr das jedoch mitteilen. Andersherum verweigert die Bank gelegentlich einen Dispo, wenn die Bonität der betroffenen Kunden nicht durch die SCHUFA bestätigt werden kann. Diese können dann auf ein Prepaid-Girokonto ausweichen.

Da es mit hohen Zinsen von rund fünf bis über 15 Prozent verbunden ist, wenn Sie Ihr Girokonto überziehen, sollten Sie von dieser Möglichkeit nur sehr selten Gebrauch machen. Stellen Sie fest, dass Sie den Dispo häufiger in Anspruch nehmen, sollten Sie darüber nachdenken, stattdessen einen – ebenfalls flexiblen, aber günstigeren – Rahmen- beziehungsweise Abrufkredit zu nutzen. Schöpfen Sie den Dispokredit dauerhaft aus, empfiehlt sich die Umschuldung in einen Ratenkredit.

Kündigung: Girokonto wechseln

Bei einem Girokonto-Vergleich dürften Sie wie die meisten Bankkunden feststellen, dass es zu Ihrem aktuellen Modell attraktivere Alternativen gibt. Wenn Sie daraufhin Ihr bisheriges Girokonto kündigen und wechseln möchten, gestaltet sich dieser Schritt sehr unproblematisch. Die Kündigung des Girokontos ist sehr kurzfristig umsetzbar, da es in der Regel keine Kündigungsfrist gibt. Ist diese dennoch vereinbart, darf sie einen Monat nicht überschreiten.

Zum einen können Sie in der Filiale vor Ort das Girokonto kündigen. Alternativ lässt sich die Kündigung des Girokontos auch postalisch oder per Fax durchführen. Letzterer Weg hat zwei Vorteile: Nicht nur müssen Sie das Haus nicht verlassen, Sie laufen auch nicht Gefahr, sich nicht von einem wortgewandten Bankangestellten von Ihrem profitablen Vorhaben abbringen zu lassen, wenn Sie die Kündigung des Girokontos per Vorlage vornehmen.

In jedem Fall sind folgende Angaben gefragt, wenn Sie Ihr Girokonto kündigen:

  • Ihr Name, Ihre Anschrift und Ihre Unterschrift
  • Ggf. Name, Anschrift und Unterschrift eines zweiten Kontoinhabers
  • Kontonummer
  • Ein Referenzkonto für etwaiges Guthaben

Bevor Sie Ihr Girokonto wechseln, sollten Sie eine Liste erstellen, wo Sie die Veränderung angeben müssen. Darunter fallen:

  1. Personen und Unternehmen, die eine Einzugsermächtigung haben (etwa der Vermieter oder das Fitnessstudio)
  2. Personen und Unternehmen, die Ihnen gelegentlich oder regelmäßig Geld überweisen (etwa der Arbeitgeber oder die Familienkasse)
  3. Rechnungs- und Briefpapiervordrucke

Um niemanden zu vergessen, können Sie die Kontoauszüge des vergangenen Jahres auf regelmäßigen Zahlungsverkehr durchsehen. Wenn Sie das Girokonto wechseln, ist es zudem ratsam, auch Ihr altes Konto noch etwa zwei bis drei Monate fortzuführen, da manche Firmen Zeit für die Umstellung benötigen. Dies mag nach einem gewissen Aufwand klingen, doch ist dieser allemal lohnenswert, wenn Sie nach der Kündigung dauerhaft Geld sparen und vielleicht sogar beim Girokonto mit Startguthaben noch eine Prämie geschenkt bekommen.

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