40 Prozent der Deutschen fürchten Strafzinsen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 24.10.2016

Strafzinsen auf die eigenen Ersparnisse sind für viele Bundesbürger offenbar zu einer realen Bedrohung geworden. Konsequenzen daraus ziehen allerdings bislang nur wenige. Aufgrund des geringen Vertrauens in die Sicherheit der Finanzmärkte stecken viele Verbraucher ihr Geld dennoch bevorzugt in klassische Sparanlagen.

Auch wenn der Großteil der Banken und Sparkassen sich nach wie vor von Strafzinsen für Privatkunden distanziert, sind die deutschen Verbraucher skeptisch. 40 Prozent fürchten, dass sie in Zukunft Strafzinsen auf Ersparnisse zahlen müssen, wie eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Deutschen Börse zeigt.

Geringes Vertrauen in Finanzmärkte lässt Ersparnisse sichere Anlagen fließen

Grundsätzlich scheint das Vertrauen der deutschen Verbraucher in die Finanzmärkte nicht sonderlich groß zu sein: Nur noch knapp ein Viertel der Befragten hält die Lage an den Finanzmärkten für stabil. Die anhaltend niedrigen Zinsen und schwankenden Märkte haben offenbar Spuren bei den Verbrauchern hinterlassen. Der Anteil derjenigen, die die Situation an den Finanzmärkten als unsicher einschätzt, ist seit Februar um fast zehn Prozentpunkte auf 76 Prozent angestiegen. Daher überrascht es kaum, dass die Bundesbürger ihre Ersparnisse aktuell bevorzugt in als besonders sicher geltende Anlageformen stecken. Der Untersuchung zufolge legen sie ihr Geld derzeit vor allem in Immobilien, auf Tagesgeld- und Festgeldkonten, auf Sparbüchern und in Gold an. „In den Augen der deutschen Bevölkerung hat sich die Lage an den Finanzmärkten seit Beginn des Jahres weiter verschärft. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf der Absicherung des eigenen Vermögens“, kommentiert Michael König, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities, die Ergebnisse der Untersuchung.

Strafzinsen auf Ersparnisse von Privatkunden kein Tabu mehr

Konsequenzen ziehen die Verbraucher aus der verbreiteten Angst vor Strafzinsen also nicht unbedingt. Noch immer würden 37 Prozent der Bundesbürger frei verfügbares Kapital in Sparanlagen stecken. Allerdings ist ihr Anteil damit seit Februar um neun Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil derjenigen, die ihre Ersparnisse in Gold investieren wollen, um drei Prozentpunkte. Ganz unbegründet ist die Angst der Verbraucher, in Zukunft Strafzinsen auf ihre Ersparnisse zahlen zu müssen, nicht. Zwar erklärte der Bankenverband im April noch, dass Strafzinsen für Privatkunden unwahrscheinlich seien. Zuvor hatte bereits die thüringische Skatbank als erstes deutsches Institut Strafzinsen auf Tagesgeldguthaben über 500.000 Euro eingeführt. Und seit der Einschätzung des Bankenverbands haben sich jüngst mit der Volksbank Stendal und zuvor der Raffeisenbank Gmund am Tegernsee zwei weitere Institute dazu entschlossen, die Negativzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weiterzureichen. Bei beiden werden bereits auf Sparguthaben ab 100.000 Euro Strafzinsen fällig. Und der Raiffeisenbank Gmund zufolge sollen bereits einige andere Geldhäuser dort nach der technischen Umsetzung der Strafzinsen-Einführung und der Kommunikation gegenüber den Kunden erkundigt haben.

Quelle: Deutsche Börse

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