Wer profitiert wirklich vom neuen Baukindergeld?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.02.2018

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, ein Baukindergeld einzuführen. Wer ein Haus oder eine Wohnung baut oder kauft, der bekommt demnach zehn Jahre lang pro Kind und Jahr einen Zuschuss von 1.200 Euro. Das gilt für Haushalte, deren zu versteuerndes Einkommen bei weniger als 70.000 Euro liegt. Eigentlich ein begrüßenswertes Vorhaben, das jetzt aber ausgerechnet von Mieterbund und Eigentümerverband kritisiert wird.

Nach Ansicht der Experten profitieren vor allem Bau-Unternehmen vom Baukindergeld. So sei es wahrscheinlich, dass die Bauunternehmen die staatlichen Zuschüsse durch Preiserhöhungen einfach abschöpfen. So werde das Baukindergeld gegen den Wohnungsmangel nicht helfen können. „Das wird eins zu eins auf diese Kosten aufgeschlagen“, sagte Mieterbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz der Deutschen Presse-Agentur.

Steuersenkungen als wirkungsvolle Alternative

Die Verbände Haus und Grund und der Deutsche Mieterbund sind sich einig: Die GroKo-Pläne für das Baukindergeld werden Familien kaum etwas bringen. „Die ganz ähnlich konstruierte Eigenheimzulage, die von 1995 bis Ende 2005 gezahlt wurde, sollte ein mahnendes Beispiel sein,“ kommentierte Haus-und Grund-Präsident Kai Warnecke den Vorschlag. Wer ohnehin bauen wolle, der könne durch das Baukindergeld zwar ein nettes, aber kein notwendiges Plus erhalten. Bei allen anderen würden die Preiserhöhungen der Bau-Unternehmen den positiven Effekt des Baukindergelds wieder eliminieren.

Laut Haus und Grund gebe es deutlich effizientere Mittel, um Bauvorhaben zu fördern. Eine geringere Grunderwerbsteuer sei eine solche Maßnahme. Zudem solle der Staat Grundstücke nicht mehr an private Investoren verkaufen, sondern die per Erbpacht vergeben: „Wir brauchen keine Subventionierung, damit irgendjemand Eigentumswohnungen kauft“, so Ropertz weiter. „Wir haben ein quantitatives Problem: Uns fehlen Wohnungen, insbesondere preiswerte.“

Auch Volkswirte kritisieren das Baukindergeld

Die Koalition aus SPD und Union geht davon aus, dass die staatliche Förderung rund 480 Millionen Euro pro Jahr kosten wird. Volkswirte vom IW Köln kalkulieren hingegen, dass die Kosten binnen zehn Jahren auf mehr als 3,5 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen würden. Der Sachverständigenrat für Wirtschaft befürchtet zudem einen weiteren Anstieg der ohnehin hohen Immobilienpreise. So warnt Prof. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrats, vor „erheblichen Mitnahme-Effekten und Steigerungen der Immobilienpreise“. Seiner Meinung nach gäbe es daher „kein überzeugendes Argument“ für das Baukindergeld.

Quelle: Bild.de

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