Altersarmut: Möglicherweise jeder Zweite bedroht

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.04.2016

Im Jahr 2030 könnte nahezu jeder zweite der heute Erwerbstätigen von Altersarmut bedroht sein. Bereits jetzt rechnet die Bundesregierung bis 2020 mit Mehrkosten von 35 Prozent für die Grundsicherung im Alter. In der Bundesregierung werden die Rufe nach einer umfassenden Rentenreform lauter.

Altersarmut wird in Deutschland zunehmend zu einem Problem. Die Bundesregierung rechnet bis zum Jahr 2020 offenbar mit einem Anstieg der Ausgaben für die Grundsicherung im Alter auf 8,81 Milliarden Euro bis 2020, wie aus der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes hervorgeht. Aktuell liegen die jährlichen Ausgaben für Aufstockungen an Rentner mit Altersbezügen unterhalb des Existenzminimums bei 6,51 Milliarden Euro. Die wachsende Altersarmut wird in den kommenden vier Jahren also voraussichtlich für einen Ausgabenanstieg um 35 Prozent sorgen.

Langjährige Beschäftigung keine Garantie für Bezüge über der Grundsicherung im Alter

Ein ähnlich bedrohliches Bild zeichnet eine aktuelle Analyse des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Dieser zufolge könnten von den aktuell 53,7 Millionen Beschäftigen in Deutschland ab 2030 nur etwa 28,6 Millionen „vermutlich eine ausreichende Rente“ erwarten. 25,1 Millionen – und damit beinahe jedem Zweiten – droht hingegen Altersarmut und sie wären auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Hauptursache ist neben niedrigen Löhnen, beispielsweise im Einzelhandel oder Gastgewerbe, auch die große Zahl von Teilzeitbeschäftigten

Laut Berechnungen des WDR müsste ein Arbeitnehmer nach heutigem Stand über 40 Jahre hinweg ohne Unterbrechungen ein monatliches Bruttogehalt von mindestens 2.097 Euro verdienen, um im Jahr 2030 eine Rente oberhalb des Niveaus der Grundsicherung im Alter zu erhalten. Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung schützt also nicht zwingend vor Altersarmut. Die von der Bundesregierung vielbeschworene private Vorsorge wird in der WDR-Untersuchung kritisch betrachtet: Viele der von Altersarmut bedrohten Beschäftigten könnten es sich nicht leisten, während ihres Arbeitslebens Geld für das Alter zurückzulegen.

Massenhaft drohende Altersarmut sorgt für Rentendebatte

Unter den Regierungsparteien ist angesichts der düsteren Zukunftsaussichten eine Rentendebatte entbrannt. Bislang ist im Koalitionsvertrag zwischen Unionsparteien und SPD zur Bekämpfung der Altersarmut die sogenannte Lebensleistungsrente vorgesehen. Dabei sollen die Rentenbezüge von Arbeitnehmern, die mehr als 40 Jahre mit geringer Entlohnung sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden, über das Niveau der Grundsicherung im Alter angehoben werden. Inzwischen hat allerdings Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine umfassende Rentenreform angeregt, um die massenhaft drohende Altersarmut zu verhindern.

„Das Niveau der gesetzlichen Rente darf nicht weiter sinken, sondern muss auf dem jetzigen Niveau stabilisiert werden“ sagt er der Funke-Mediengruppe. Daher hält der SPD-Chef eine „gerechtere Anpassung“ der Rentenformel für erforderlich. Bereits in der Vorwoche hatte Horst Seehofer (CSU) einen ähnlichen Vorstoß angedeutet und ein Rentenkonzept seiner Partei im Sommer angekündigt. Damit stellen beide Politiker eine frühere Rentenreform der rot-grünen Bundesregierung infrage. In deren Folge könnte das gesetzliche Rentenniveau bis zum Jahr 2030 von aktuell knapp 48 Prozent des Durchschnittslohns auf 43 Prozent sinken. „Viel zu viele Menschen haben in den letzten 20 Jahren zu wenig verdient. Wenn das Rentenniveau weiter sinkt, droht ihnen Altersarmut“, warnte Gabriel.

Quellen: Westdeutscher Rundfunk, Rheinische Post (Bezug auf Funke-Mediengruppe)

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