Anlegerschutz: Bafin will Finanzprodukt verbieten

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 05.08.2016

Der Schutz privater Anleger ist eine der zentralen Aufgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, besser bekannt als Bafin. Die Befugnisse der Behörde reichen soweit, dass sie Finanzprodukte sogar verbieten kann. Dies könnte nun den Verkauf von Bonitätsanleihen an private Anleger unterbinden.

Bislang hat die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin noch nie von ihrem Recht Gebrauch gemacht, ein Finanzprodukt komplett zu verbieten. Dies könnte sich nun ändern, denn die Behörde sieht bei sogenannten Bonitätsanleihen ein erhebliches Risiko für private Anleger. Die Bafin plant, Vermarktung, Vertrieb und Verkauf dieses Finanzprodukts an Privatkunden zu untersagen.

Niedrigzinsen machen Bonitätsanleihen zur Anlagealternative für Privatkunden

„Strukturierte Produkte, die sich auf Kreditrisiken beziehen, können für institutionelle Investoren eine sinnvolle Anlagealternative sein. In die Hände von Privatkunden gehören sie aus unserer Sicht aber nicht“, erklärte Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele. Aktuell enthalten die Depots privater Anleger der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Bonitätsanleihen für rund sechs Milliarden Euro.

Bei dem umstrittenen Finanzprodukt handelt es sich nicht um Anleihen im klassischen Sinn, sondern um ein Zertifikat. Mit Bonitätsanleihen wetten Anleger quasi auf die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen. So hat beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kürzlich ein solches Zertifikat für VW aufgelegt. Diese VW-Bonitätsanleihe hat eine Laufzeit bis 2020. Sollte der Autobauer – und auch die herausgebende Bank – bis dahin zahlungsfähig bleiben, erhalten Anleger regelmäßige Zinsausschüttungen. Diese fallen im Normalfall höher aus als die für herkömmliche Anleihen des Unternehmens, was in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen auch Privatkunden anlockt.

Private Anleger können das komplexe Finanzprodukt kaum durchschauen

Nach Einschätzung der Bafin könnten Privatkunden im Normalfall allerdings kaum bewerten, wie es um die Zahlungsfähigkeit des betreffenden Unternehmens, in der Finanzwelt Referenzunternehmen genannt, bestellt ist. Und auch, ob das Kreditrisiko, das der Anleger durch den Kauf des Zertifikats übernimmt, in angemessener Höhe vergütet wird, können Privatkunden kaum bewerten.

Laut Untersuchungen der Bafin wurden in jüngster Vergangenheit dennoch Bonitätsanleihen gezielt für den Vertrieb an Privatkunden aufgelegt. Ausreichend aufgeklärt über die Funktionsweise und die Risiken dieses komplexen Finanzprodukts wurden Kunden jedoch vielfach nicht, wie die Finanzbehörde nach der Auswertung der Beratungsprotokolle feststellte. Aufgrund der irreführenden Bezeichnung „Anleihe“ würden zudem viele Anleger davon ausgehen, dass es sich bei den Zertifikaten um Zinspapiere handelt. Da eine Bank, die eine Bonitätsanleihe auflegt, gleichzeitig auch Geschäftsbeziehungen zum Referenzunternehmen unterhält, sieht die Bafin beim Vertrieb an Privatkunden außerdem die Gefahr eines Interessenskonflikts.

Quellen: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

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