Antrag auf Berufsunfähigkeit kommt häufig durch

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.03.2016

Wer einen Antrag auf Berufsunfähigkeit (BU) stellt, kann in immerhin drei von vier Fällen mit einem positiven Bescheid rechnen. Zu diesem Urteil kommt eine aktuelle Studie und widerlegt so das Bild von der taktierenden BU-Versicherung, die ihren Kunden den vereinbarten Schutz versagt. Allerdings dauert es oft sehr lange, bis dieser gewährt wird.

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind teuer und wird tatsächlich ein Antrag auf Berufsunfähigkeit gestellt, werden die Assekuranzen erfinderisch, um nicht zahlen zu müssen. Diese Bild ist weitverbreitet. Wie die Regulierungspraxis der Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland tatsächlich aussieht, hat Ratingagentur Franke & Bornberg untersucht. Und das zentrale Ergebnis dieser Studie ist geeignet, ein Vorurteil ins Wanken zu bringen. Nämlich das von der Assekuranz, die ihren Kunden berechtigte Ansprüche systematisch verweigert. Stattdessen wird ein Antrag auf Berufsunfähigkeit in drei von vier Fällen akzeptiert. Damit, so die Verfasser der Erhebung, ist die Leistungsquote hier klar höher als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese erkennt lediglich die Hälfte der Anträge auf Erwerbsminderungsrente an.

Viele ziehen Antrag auf Berufsunfähigkeit zurück

75 Prozent der Versicherten, die eine Berufsunfähigkeit geltend machen erhalten also einen positiven Bescheid und die damit verbundene finanzielle Unterstützung. Das klappt natürlich nur, wenn der Antrag vom Kunden bei der BU-Versicherung nicht zurückgezogen oder nicht weiter verfolgt wird. Was relativ häufig vorkommt, denn viele Versicherte scheuen offenbar den nächsten Schritt und schicken die notwendigen Fragebögen nicht zurück. Warum das so ist, erklären die Verfasser Studie nicht.

Wohl aber die Ablehnungsgründe seitens der Assekuranzen. Die erkennen fast zur Hälfte den vereinbarten BU-Grad – in der Regel 50 Prozent – nicht an. Ein Viertel der Widersprüche basiert auf Anfechtungen und Rücktritten. Das liegt zum einen an einer schlechten Beratung und Bearbeitung seitens der Vermittler, wie es in der Studie heißt. Zum anderen verspielen demnach aber auch die Kunden selbst mit falschen Angaben im Antrag auf Berufsunfähigkeit ihre Chancen.

Bescheid braucht fast 170 Tage

Wenn hingegen alles mit rechten Dingen zuging, dann lag der Bescheid der BU-Versicherung 2014 im Durchschnitt nach 168 Tagen im Briefkasten. Das sind drei Tage weniger als im Vorjahr. „Pauschal kann man sagen: Ablehnungen dauern länger“, sagt Michael Franke von Franke & Bornberg. Der Geschäftsführer der Ratingagentur betrachtet dies als ein Zeichen für die Gewissenhaftigkeit der Versicherer: „Sie machen sich ihre Entscheidung also keineswegs einfach.“ Und seien zudem an den Verzögerungen nicht immer selbst schuld. Bremsklötze seien beispielsweise langwierige Entbindungen von der Schweigepflicht der Ärzte seitens der Versicherten oder externe Gutachten.

Letztere sind offenbar ein besonders heikles Kapitel zu sein. Expertisen von Spezialisten sind nämlich oft Mangelware, weil die Kapazität der Fachleute begrenzt ist. Deshalb greifen mache BU-Versicherung auf interne Gutachter zurück, um die Zeit bis zum Bescheid zu verkürzen. „Ob dies der geforderten Neutralität zuträglich ist, bleibt offen“, heißt es dazu in der Studie.

Für die Erhebung wurden sieben BU-Versicherer mit mehr als 4,7 Millionen Kunden befragt.

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