Armutsrisiko: Auch die Kaufkraft entscheidet

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 08.12.2016

Einer aktuellen Studie zufolge ist das Armutsrisiko in vielen westdeutschen Städten höher als in Ostdeutschland – das gilt zumindest dann, wenn man neben dem Einkommen auch die Kaufkraft berücksichtigt. Verschiedene Faktoren sorgen dafür, dass Stadtbewohner finanziell oft schlechter dastehen als Verbraucher in ländlichen Regionen.

Das Armutsrisiko der Bundesbürger hängt nicht nur von ihrem Einkommen ab. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie ermittelt hat, ist dabei auch die Kaufkraft am jeweiligen Wohnort entscheidend. Durch die regionalen Preisunterschiede entsteht dabei ein überraschendes Bild: Der traditionell als arm geltende Osten Deutschlands weist teilweise ein geringeres Armutsrisiko auf als viele westdeutsche Städte.

Kaufkraft relativiert Armutsquoten in Ostdeutschland

Generell gelten Menschen als einkommensarm, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens als Gehaltseingang auf ihrem Girokonto verzeichnen können. Nach der Auffassung des IW ist diese Definition jedoch nicht ausreichend, da die Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Städten und Regionen unterschiedlich hoch sind. Anhand des jeweiligen regionalen Preisniveaus haben die Forscher deshalb einen Index für die Kaufkraftarmut erstellt, der von dem Einkommensarmutsindex teilweise recht deutlich abweicht.

Besonders deutlich wird das im Osten Deutschlands: Während im Jahr 2014 zum Beispiel im Landkreis Leipzig 19,6 Prozent der Einwohner als einkommensarm eingestuft wurden, liegt der Anteil mit Blick auf die Kaufkraftarmut nur noch bei 15,6 Prozent. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich dagegen beispielsweise in Hamburg: Der Anteil der Einkommensarmen lag hier nur bei 15,6 Prozent, betrachtete man die Kaufkraft, waren dagegen 20,2 Prozent arm.

Armutsrisiko vor allem in westdeutschen Städten hoch

Mit Blick auf die Kaufkraftarmut ist die Lage besonders in einigen westdeutschen Städten schlecht: In Bremerhaven waren 28,5 Prozent der Einwohner kaufkraftarm, in Gelsenkirchen 28,4 Prozent und in Köln 26,2 Prozent. Vor allem in Nordrhein-Westfalen sind zahlreiche Städte betroffen. Mit einem Anteil von 8,6 Prozent ist der Wert in den Landkreisen Bodensee, Ravensburg und Sigmaringen am niedrigsten.

Das IW erklärt dieses Stadt-Land-Gefälle beim Armutsrisiko unter anderem mit der höheren Arbeitslosenquote und dem höheren Preisniveau in Städten. Die Politik müsse deshalb gezielt Städte stärker unterstützen, zum Beispiel durch günstigere Bedingungen für Unternehmensgründungen und Investitionen sowie durch Sprachkurse für Migranten und eine bessere Betreuung für die Kinder von Alleinerziehenden. IW-Forscher Christoph Schröder betont: „Benachteiligte in Bildung, Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren, ist die beste Anti-Armuts-Politik.“

Quelle: IW Köln

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