Banken-Stresstest: Mini-Zinsen machen Banken weiter zu schaffen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.09.2017

Der Stresstest der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und der Bundesbank verdeutlicht die Auswirkungen des Mühlsteins Mini-Zins für deutsche Kreditinstitute. Die Erfassung zeigte, dass mit einer abrupten Erhöhung der Zinsen 68 Banken schwerwiegenden Problemen gegenüberständen. Doch eine plötzliche Kehrtwende in der ultra-lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist zunächst nicht zu erwarten. Bleiben die Zinsen jedoch auch weiterhin niedrig, wirkt sich dies schwer auf die Erträge aus.

Der aktuelle Banken-Stresstest von Bundesbank und Finanzaufsichtsbehörde Bafin macht die zwei problematischen Seiten des derzeitigen Mini-Zinses deutlich. Sollten sich die Zinsen plötzlich erhöhen, stünden 68 Kreditinstitute vor existenziellen Problemen. Bleiben die Zinsen hingegen weiter so niedrig, wirkt sich dies negativ auf die Erträge aus. Eine abrupte Abwendung der Europäischen Zentralbank von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik wird jedoch vorerst nicht erwartet.

Zinsanstieg als „Exitus“

Insgesamt 1.555 kleine und mittelgroße Banken sowie Sparkassen wurden von Bundesbank und Bafin einem Stresstest unterzogen. Dieser wog ab, wie die Geldhäuser mit einem raschen Zinsanstieg von zwei Prozent zurechtkämen und kam zu dem Schluss, dass 68 deutsche Geldhäuser durch eine plötzliche Erhöhung vor massiven Problemen stünden. Raimund Röseler zufolge, dem Exekutivdirektor für die Bankenaufsicht bei der Bafin, sähe eine Minderheit der Kreditinstitute sogar „vor dem Exitus“. Was diese Institute dann noch retten könnte, wären allenfalls Zusammenschlüsse oder Kapitalerhöhungen.

Eine abrupte und weitreichende Zinserhöhung seitens der EZB ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Zunächst steht wohl eine Reduktion der Anleihekäufe an, durch die jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Märkte fließen. Für den Leitzins erwarten Experten erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres eine Erhöhung in kleinen Schritten. Anhaltende Mini-Zinsen spielten also auch in der Untersuchung die größte Rolle. Nach dem Durchspielen verschiedener Szenarien bleibt die Erkenntnis: Die Rentabilität bleibt auf der Strecke.

Risiken der Immobilienkredite

Zur Erschließung neuer Ertragsquellen setzen viele Institute auf höhere Gebühren. Dem Vorstandmitglied der Deutschen Bundesbank Andreas Dombret zufolge reiche das jedoch nicht: „Für die Kehrtwende sind weitere, größere Anstrengungen erforderlich“. Die Aufseher beobachten bei der Vergabe von Immobilienkrediten steigende Risikobereitschaft: „Im Niedrigzinsumfeld nehmen die Immobilienkredite in den Bankbilanzen zu - sowohl das Gesamtvolumen als auch die durchschnittliche Kreditgröße sind merklich gestiegen“, hieß es weiter von Dombret. „Außerdem scheinen die Institute bereit zu sein, Kredite gegen geringere Sicherheiten zu vergeben.“ In Zeiten von Null- bis Niedrigzinsen ist Betongold gefragt und so mahnt der Vorstand zur Vorsicht. Dennoch gäbe es Entwarnung vor gefährlichen Übertreibungen an Markt: „Wir sehen aktuell keine Immobilienpreisblase, die uns Sorgen bereiten müsste.“

Quellen: FAZ, Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche Zeitung

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