Baukindergeld: Anträge laufen, Nutzen umstritten

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 29.04.2019

Seit September 2018 kann das so genannte Baukindergeld beantragt werden. Dieses soll Familien beim Erwerb oder Bau von Immobilien unterstützen. Zahlreiche Anträge gingen bereits ein und sorgten für den staatlichen Zuschuss. Doch ist der Nutzen umstritten.

So merken Kritiker an, dass das Baukindergeld nur in dörflichen Gegenden wirklich aushelfe. In Ballungsgebieten und Großstädten seien die Immobilienkosten zu hoch, als dass der Zuschuss bei dessen Erwerb helfen könnte. Auch wird dadurch kein neuer, bezahlbarer Wohnraum geschaffen.

Über 83.000 Anträge für Baukindergeld

Seit dem Startschuss für Baukindergeld, der bereits am 18. September 2018 fiel, sind über 83.000 Anträge für den Immobilienzuschuss eingegangen. Spitzenreiter sind dabei Familien aus Nordrhein-Westfalen mit über 18.200 Anträgen und Baden-Württemberg mit rund 11.000 Anträgen. Aus Bayern und Niedersachsen stammen immerhin noch über 10.000 Anträge. Aufgrund dieser Zahlen bezeichnet Bauminister Horst Seehofer (CSU) das Baukindergeld als Erfolg.

Von der Hausfinanzierung mit Hilfe von Baukindergeld profitieren Familien mit einem maximalen Haushaltseinkommen von 75.000 Euro jährlich. Hinzu kommt eine Freigrenze von 15.000 Euro pro Kind, die auf das zu versteuernde Einkommen gerechnet wird. Familien mit einem Kind erhalten also Baukindergeld, wenn das gesamte Haushaltseinkommen 90.000 Euro im Jahr nicht überschreitet. Der Zuschuss beträgt 1.200 Euro pro Kind pro Jahr und läuft zehn Jahre lang. Nachgewiesen werden muss lediglich, dass das Kind im Haushalt lebt und unter 18 Jahre alt ist. Außerdem muss eine Baugenehmigung zwischen Januar 2018 und Ende 2020 eingeholt worden oder ein Kaufvertrag für eine Immobilie unterschrieben worden sein.

Baukindergeld schafft keinen städtischen Wohnraum

Momentan werden noch – seit April – rückwirkend die Zuschüsse für 2018 ausgezahlt. Der Grund: Ein technisches Antrags-Portal musste für das Baukindergeld angefertigt werden. Anträge für 2019 folgen später. Zugesagt sind bereits über zwei Milliarden Euro. Die Kosten trägt unter anderem auch der Steuerzahler. Nicht nur das stößt in puncto Baukindergeld auf Kritik; auch sein Nutzen ist umstritten.

So unterstrich beispielsweise der baupolitische Grünen-Sprecher Chris Kühn, dass das Baukindergeld ebenso hohe Kosten verursache wie der seit 2007 vorgenommene soziale Wohnungsbau: Zehn Milliarden Euro an der Zahl. Neubauten in dörflichen Gebieten können sicherlich durch Baukindergeld gefördert werden, Familien in teuren Großstädten blicken aber trotz Zuschuss in die Röhre. Neuer Wohnraum in Städten wird nicht geschaffen und wird doch so dringend benötigt. Ein sinnvolleres Vorhaben wäre es, die hohen Kaufnebenkosten in Ballungsgebieten zu senken.

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