Bausparkassen müssen Notfallfonds plündern

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 21.08.2017

Während der Traum der eigenen vier Wände lebendiger ist als je zuvor, steckt ausgerechnet die Branche in der Krise, die ihn einst sichern sollte. Viele Bausparkassen ächzen unter der Last niedriger Zinsen und tiefroter Zahlen. Nun bedienen sie sich reichlich aus den milliardenschweren Notfonds, die sich in den letzten Jahren halbiert haben. Dabei sollten sie den Bausparern ursprünglich die Zuteilung ihrer Verträge garantieren.

Die Baubranche boomt und die Deutschen halten weiter an ihrem Traum der eigenen vier Wände fest. Bausparkassen profitieren allerdings wenig von dieser Entwicklung und müssen milliardenschwere Notfonds plündern, die sich in den letzten Jahren bereits halbierten. Dabei sind sie eigentlich dazu gedacht, den Bausparern die Zuteilung ihrer Verträge zu garantieren. Verantwortlich für die tiefroten Zahlen vieler Bausparkassen sind die anhaltend niedrigen Zinsen.

Verlierer des Baubooms

Die Deutschen finanzieren und bauen so viel wie seit der Wiedervereinigung nicht. Doch ausgerechnet die Bausparbranche hat wenig vom lebendigen Traum der eignen vier Wände. Die anhaltend niedrigen Zinsen bringen Bausparkassen ins Schwitzen und die operativen Zahlen vieler Anbieter sind tiefrot. Dazu zählen sowohl kleine Anbieter wie die Aachener Bausparkasse als auch Big Player wie die BHW. Jetzt werden die "Fonds zur bauspartechnischen Absicherung", kurz: FtbA, im großen Stil in Anspruch genommen. Laut eines Sprechers des Verbands der Privaten Bausparkassen würden die Mittel zur „Risikoabwehr“ eingesetzt.

Das Sicherheitspolster zeigt inzwischen erschreckende Zahlen. Wies der FtbA Ende 2014 noch 2,2 Milliarden Euro aus, sind es Ende 2016 nur noch 1,3 Milliarden. Im vergangenen Jahr hat allein Schwäbisch-Hall 350 Millionen Euro aus dem FtbA entnommen, Wüstenrot 82 Millionen und die BHW 68 Millionen Euro. Die Fonds stammen aus den frühen 90er Jahren und sollten vor der Tücke des klassischen Bausparvertrags schützen: Wenn die Gruppe der Sparer größer wird, die ihren Kredit abrufen, als die Gruppe der Bauherren in der Ansparphase, muss ein Puffer herhalten.

Zinsen als Problem

Viele Bausparer sparen fröhlich weiter, denn wer braucht in Zeiten von langfristigen Krediten zu zwei Prozent Zinsen noch die klassische Bausparkasse mit üppig verzinsten Altverträgen? Aus diesem Grund begannen Anbieter damit, entsprechende Verträge aufzukündigen. Der Bundesgerichtshof gab ihnen in der von Verbraucherschützern kritisierten Praxis recht und auch die Politik zog nach und änderte 2015 das Bausparkassengesetz. Jetzt dienen die Fonds zur bauspartechnischen Absicherung auch der „Sicherung kollektiv bedingter Erträge“. Grünen-Sprecher Gerhard Schick fasst das Problem zusammen: „Wenn man sieht, dass die Bausparkassen innerhalb eines Jahres bereits ein Drittel des Fonds aufgebraucht haben, werden wir wohl bald wieder vor denselben Problemen stehen. Nur dann ohne jegliche Puffer.“

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Südwest Presse

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