Befristete Jobs erschweren Familiengründung

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 10.12.2016

Laut einer Studie sind vor allem junge Arbeitnehmer häufig in befristeten Jobs beschäftigt. In Verbindung mit einem oft niedrigen Gehalt sorgt die mangelnde Planungssicherheit anscheinend bei einigen Betroffenen dafür, dass sie die Familiengründung nach hinten verschieben.

Befristete Jobs sind für fast jeden zehnten Arbeitnehmer in Deutschland die Regel. Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass es bei Betroffenen deutlich seltener zu einer Familiengründung kommt als bei Angestellten in unbefristeten Arbeitsverhältnissen. Die Wissenschaftler haben dafür Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet.

Befristete Jobs: Vor allem junge Arbeitnehmer sind betroffen

Insgesamt sind 9,3 Prozent der angestellten Bundesbürger in befristeten Jobs tätig. Besonders hoch ist der Anteil mit 27,4 Prozent in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen. Doch auch bei den 25- bis 29-Jährigen ist ein Fünftel nur auf begrenzte Zeit vom aktuellen Arbeitgeber angestellt. Mit zunehmendem Alter der Arbeitnehmer wird der Anteil der befristet Beschäftigten kontinuierlich geringer und erreicht mit 3,5 Prozent den Tiefstwert bei den 55- bis 59-Jährigen. Die über 65-Jährigen arbeiten allerdings wieder zu 7,3 Prozent in befristeten Jobs.

Laut „Spiegel Online“ fordern die Gewerkschaften angesichts dieser Zahlen ein Verbot von Kettenbefristungen an Universitäten. Außerdem sprechen sie sich dafür aus, Befristungen zu verbieten, denen kein sachlicher Grund wie zum Beispiel eine Elternzeitvertretung zugrunde liegt. Die Studie zeigt außerdem, dass Ausländer mit einem Anteil von 15,8 Prozent gegenüber 8,6 Prozent deutlich häufiger befristet beschäftigt sind als Deutsche.

Geringer Verdienst und Unsicherheit als Hindernisse bei Familiengründung

In befristeten Arbeitsverhältnissen ist häufig auch das Einkommen auffällig niedrig: 22,8 Prozent der Arbeitnehmer mit befristeten Jobs erhalten monatlich weniger als 1.100 Euro Nettogehalt auf ihr Girokonto überwiesen – das entspricht bei einer Vollzeitbeschäftigung etwa dem Mindestlohn.

Das niedrige Einkommen und die geringe Planungssicherheit sind möglicherweise wichtige Faktoren, wenn es um eine Familiengründung geht: Tatsächlich hat die WSI-Studie gezeigt, dass 27,7 Prozent der unbefristet Beschäftigten verheiratet sind, aber nur 17,4 Prozent der Arbeitnehmer mit befristeten Jobs.

Auch die Zahl der Kinder ist bei unbefristet angestellten Arbeitnehmern deutlich höher: In 100 Haushalten leben in dieser Gruppe 42 Kinder, bei befristet Beschäftigten dagegen nur 29. WSI-Sozialexperte Dr. Eric Seils erklärt, warum die Familiengründung hier oft schwer ist: „Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Und Kinder kosten Geld, daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben.“

Quelle: Spiegel Online, WSI

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und Amazon-Gutschein gewinnen!