Betriebsrenten: Arbeitnehmer zahlen drauf

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.04.2018

Eigentlich soll das Betriebsrentenstärkungsgesetz die private Altersvorsorge stärken. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass es der gesetzlichen Rente damit schon heute viel Geld entzieht. Insofern finanzieren aktuell überwiegend die Arbeitnehmer die Betriebsrente und nicht mehr allein die Arbeitgeber. Und das Risiko trägt allein der Arbeitnehmer – auch für schwankende Aktienkurse.

Die deutsche Versicherungswirtschaft freut sich hingegen über das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). Schon allein das sollte Arbeitnehmer stutzig machen, so Gerd Bosbach, Professor für Statistik sowie Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, im Focus. Zumal auch praktische Berechnungen zeigen würden, dass die Betriebsrente immer stärker vom Arbeitnehmer finanziert wird.

Arbeitgeber spart mehr, als er abgeben muss

Ursprünglich war die Betriebsrente etwas, für das der Arbeitgeber bezahlen sollte. Inzwischen hat sich das allerdings geändert: So finanzieren Arbeitnehmer den Großteil der Sparraten aus ihrem Einkommen, vom Arbeitgeber gibt es höchstens einen Zuschuss. Dieser Zustand soll mit dem neuen BRSG zementiert werden. Gleichzeitig soll es Arbeitnehmer motivieren, in den Vertrag einzuzahlen und so privat für das Alter vorzusorgen. Dies geschehe laut Bosbach allerdings zu Lasten der gesetzlichen Rente. Ob sich dadurch Vor- oder Nachteile für Arbeitnehmer ergeben, könne heute niemand mit Sicherheit sagen.

Fakt ist aber, dass Arbeitgeber ab 2019 einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent zu neuen Betriebsrentenverträgen leisten müssen. Laut Angaben der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags erzielen Arbeitgeber aber gleichzeitig eine Ersparnis von 20 Prozent, weil sie auf die Abgabe keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen.

Milliarden-Loch in der gesetzlichen Rentenkasse?

Die Einzahlungen in eine Betriebsrente sind grundsätzlich frei von Steuern und Abgaben. Erst wenn das Geld später ausbezahlt wird, muss beides abgeführt werden. Das heißt aber, dass jede abgeschlossene Betriebsrente heute weniger Geld in die Renten- und Staatskassen spült. Sofern dies in dem Umfang geschehe, in dem es die Bundesregierung plane, dann seien Löcher von vielen Milliarden Euro bei der gesetzlichen Rente zu befürchten, resümiert Bosbach.

Quelle: Focus

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