Billionen US-Dollar im Ausland: Wie US-Konzerne Steueroasen nutzen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.11.2017

Dass große US-Konzerne wie Apple, Netflix oder Facebook nicht nur für innovative Technologien stehen, sondern auch mit viel Geschick Steuergesetze umgehen, dürfte landläufig bekannt sein. Eine neue Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam schockiert dann aber doch: Jährlich verschieben allein die größten 50 US-Unternehmen 1,5 Billionen US-Dollar in Steueroasen. Und das sogar ganz legal.

Mehr als 2,5 Billionen Dollar verwalten die US-Konzerne in Offshore-Gesellschaften, um damit der amerikanischen Steuergesetzgebung zu entgehen. Hauptanlaufpunkte für die Unternehmen sind dabei die Caymans, die Bermudas oder auch einige niederländische Exklaven. Pro Jahr verschieben die Big Player dabei ein Vermögen, das so hoch ist wie die jährliche Wirtschaftsleistung von Kanada.

Legale Steuertricks

Für eine neue Studie hat Oxfam gemeinsam mit dem Institute on Taxation and Economic Policy (ITEP) öffentliche Finanzberichte der größten 50 US-Firmen ausgewertet. Schon zuvor waren in einer noch größeren Studie die Bilanzen der umsatzstärksten 500 US-Unternehmen analysiert worden.

Das Ergebnis: Beträgt die Gewinnsteuer für Unternehmen, die ihren Sitz in den USA haben, normalerweise 35 Prozent, mussten die betrachteten Konzerne nur etwa 21 Prozent an Steuern abführen.

Oder anders ausgedrückt: Von 3,8 Billionen US-Dollar Gewinn, die zwischen 2008 und 2015 entstanden sind, hätten die Unternehmen 1,3 Billionen Dollar an die Behörden abführen müssen. Effektiv flossen aber nur rund 780 Milliarden Dollar an den Fiskus.

Das Problem: Diese Steuertricks sind vollkommen legal, keines der Unternehmen kann strafrechtlich verfolgt werden. Denn die Konzerne rechnen sich – zumindest in den USA – arm. Gewinne aus Hochsteuerländern wie eben den Vereinigten Staaten werden über Holdings und Tochtergesellschaften beispielsweise zu den Cayman Islands verschoben.

Zudem werden viele der Top-Manager der Firmen mit Optionen überschüttet. Dadurch können die Vorstände Aktien der Firma zum Vorzugspreis erwerben, was beiden Seiten hilft: Denn die Konzerne selbst können die Abschläge, also die Differenz aus aktuellem Kurs und Vorzugspreis, wiederum von der Steuer absetzen. Allein Facebook hat so in acht Jahren etwa 5,8 Milliarden Euro gespart.

Auch die EU ist betroffen

Weil die US-Konzerne längst weltweit agieren, ist auch die EU von diesen Steuerschlupflöchern massiv betroffen. Zum Ärgernis vieler Bürger und Politiker: Während steuerpflichtige Arbeitnehmer hierzulande schon bei kleineren Schlupflöchern etwa bei der Einkommensteuer im Nachhinein konsequent zur Kasse gebeten werden, gibt es gegen die großen Konzerne praktisch keine Handhabe.

Doch zumindest reagiert die EU-Kommission jetzt verstärkt auf die nicht zufriedenstellende Gesetzeslage und möchte die Gesetzeslücken für große Unternehmen deutlich verkleinern. So wurde Irland aufgrund der bewusst laschen Steuer-Gesetzgebung kürzlich vor dem EuGH verklagt.

Quellen: Welt.de, N-TV.de

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!