Brexit: Endgültige Verabschiedung stellt Banken vor Herausforderung

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.03.2017

In Großbritannien wird es jetzt wirklich Ernst: Alle Zeichen stehen auf Brexit, nachdem am Montagabend beide Kammern des Parlaments für das entsprechende Gesetz gestimmt haben. Damit fehlt jetzt nur noch die Unterschrift der Queen, die als Formsache gilt, bis es kein Zurück mehr gibt. Noch im März will Premierministerin Theresa May den Austritt vor der EU erklären. Die Folgen dessen machen sich allerdings schon jetzt nicht nur in den aktuellen Beschäftigungszahlen bemerkbar, sondern betreffen auch die europäischen Banken.

Schon die Bekanntgabe des Referendum-Ergebnisses zum Brexit hat Wirkung gezeigt: Die Zahl der in Großbritannien beschäftigten, nicht britischen EU-Bürger stieg Ende 2016 nur noch um 30.000. Das bedeutet eine Halbierung der Zuwachsraten. Die noch zu erwartenden Folgen, nachdem der EU-Austritt nun auch vom Parlament abgesegnet wurde, dürften drastischer ausfallen. Der Brexit könnte nicht nur die Immobilienpreise in die Höhe treiben. Neben dem Immobilienmarkt sehen sich gerade die europäischen Finanzinstitute mit Sitz in Großbritannien einigen Problemen gegenüber.

Fachkräftemangel und fehlende Investitionen befürchtet

Der geringe Anstieg ausländischer Beschäftigter lässt dauerhaft einen Mangel qualifizierter Mitarbeiter in Branchen wie der Gastronomie und Hotellerie sowie dem Groß- und Einzelhandel befürchten. Außerdem schrauben Unternehmen aus dem EU-Ausland Neuinvestitionen in Großbritannien aufgrund der unsicheren wirtschaftspolitischen Situation zurück.

Vor der vermutlich größten Zwickmühle stehen allerdings die europäischen Finanzinstitute. Diese können ihre Einlagen- und Kreditgeschäfte nicht von London aus betreiben, sobald Großbritannien nicht mehr zu den EU-Mitgliedstaaten zählt. Anleger wollen selbstverständlich die möglichst rasche Gewissheit, dass ihre Bankgeschäfte trotz Brexit auch in Zukunft reibungsfrei weitergehen werden. Dennoch tun sich die Banken schwer, zu schnell einen anderen Standort anzukündigen. Da die Geschäfte mit Asien, Lateinamerika und den USA weiterhin über London laufen werden, will niemand die britischen Behörden vor den Kopf stoßen.

Spezielles Brexit-Team sucht Lösungen

Dabei drängt die Zeit: Die Frist bis zum endgültigen Austritt Großbritanniens, die nun vermutlich noch diesen Monat zu laufen beginnen wird, beträgt zwei Jahre. Amsterdam, Paris, Dublin, Frankfurt? Die Finanzinstitute beklagen, dass die Zeit zur Wahl eines neuen Standorts und die Verlagerung dorthin schlicht nicht ausreiche, und fordern Übergangsfristen.

Die Finanzaufsicht Bafin in Bonn hat nun ein spezielles Brexit-Team zur effektiven Lösungsfindung gegründet, das die einzelnen Institute in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen soll.

Quellen: WELT, FOCUS Online

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