Bürger mit höheren Goldreserven als die Bundesbank

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 15.11.2016

Die Deutschen sind offenbar im Goldrausch. Bereits jetzt besitzen private Haushalte hierzulande mehr als doppelt so große Goldreserven wie die Bundesbank. Und obwohl der Preis für das Edelmetall in der jüngeren Vergangenheit stark schwankte, wollen viele Bundesbürger noch mehr Geld in Gold anlegen.

Deutschland gilt seit jeher als Goldnation. Die Bundesbank besitzt mit rund 3.400 Tonnen die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Das einzige Land, das mit gut 8.130 Tonnen mehr Gold besitzt, sind die USA. Noch größer sind allerdings die Goldreserven, die private Haushalte in der Bundesrepublik angesammelt haben: Insgesamt 8.700 Tonnen Gold schlummern in Form von Barren, Münzen und Schmuck in Bankschließfächern, Tresoren und Schmuckschatullen.

Private Haushalte besitzen 333 Milliarden Euro in Gold

Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der Reisebank hervor. Um 500 Tonnen sind die Goldreserven der privaten Haushalte in Deutschland seit 2014 gestiegen. Damit beläuft sich der Goldschatz der deutschen Verbraucher auf einen Wert von etwa 333 Milliarden Euro. Berücksichtigt man nicht nur hartes Edelmetall, sondern auch goldbezogene Wertpapiere wie ETCs, die Anleger in ihren Depots haben, besitzen die Bundesbürger sogar 376 Milliarden Euro in Gold. Exchange Traded Commodities, kurz ETCs genannt, bilden die Preisentwicklung eines bestimmten Rohstoffs nach, in diesem Fall Gold. Zum Vergleich: Noch vor drei Jahren lag der Wert der privaten deutschen Goldreserven nur bei 250 Milliarden Euro (288 Milliarden Euro inklusive Wertpapiere).

Höhe der privaten Goldreserven variiert regional stark

Die Goldbesitzer hierzulande haben nicht nur ihre Reserven aufgestockt. Insgesamt ist auch der Anteil derjenigen, die in Gold investiert haben, deutlich gestiegen. Inzwischen besitzen drei Viertel der erwachsenen Bundesbürger Gold, 2014 waren es nur 67 Prozent. Durchschnittlich 69 Gramm Gold besitzt damit jeder Volljährige hierzulande – beim aktuellen Goldpreis ein Gegenwert von rund 2.500 Euro. 

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede bei der Verteilung. Am meisten Gold besitzen private Haushalte in Süddeutschland, 88 Gramm sind es hier pro Kopf. Im Osten ist es mit 45 Gramm pro Person nur gut die Hälfte. Mehr als zehn Gramm weniger als im Süden sind es bereits im Westen der Republik (75 Gramm) und die Norddeutschen besitzen pro Kopf nur 66 Gramm des Edelmetalls. Und wer Gold besitzt, will offenbar meist noch mehr davon: Knapp 78 Prozent der Goldanleger gaben an, mehr Gold kaufen zu wollen.

Goldkauf vor allem aus Sicherheitsgründen

Angesichts des anhaltenden Zinstiefs und ersten Strafzinsen nun auch schon für Kleinanleger überrascht es nicht, dass Gold von immer mehr privaten Haushalten als sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Geldanlagen gesehen wird. Allerdings ist es nicht das Zinstief, das die meisten Anleger zur Bildung von Goldreserven motiviert hat, sondern der „sichere Werterhalt“. Mehr als ein Drittel der Befragten nannten dies als Motivation für ihr Investment in Gold. Die niedrigen Zinsen waren nur für gut vier Prozent ein Grund. 

Doch auch der Ruf als Krisenwährung eilt dem Edelmetall nach wie vor voraus. Mehr als 12 Prozent der Befragten haben ihre Goldreserven als „Absicherung vor Krisen und Inflation“ gebildet. Zudem sorgt das funkelnde Edelmetall dafür, dass die sonst beim Spekulieren als eher zurückhaltend geltenden Deutschen plötzlich von Kursgewinnen träumen: Zumindest 11 Prozent haben Gold gekauft, weil sie auf eine Wertsteigerung hoffen. 

Quellen: Reisebank, Spiegel Online

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