Bundesbank-Chef nimmt deutsche Sparer in Schutz

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 17.05.2016

Die deutschen Sparer sind selbst schuld, dass ihre Ersparnisse keine Renditen abwerfen – so die stark vereinfachte Aussage von EZB-Chef Mario Draghi. Nun hält Bundesbank-Präsident Weidmann dagegen: Den Sparern kann man seiner Ansicht nach keinen Vorwurf machen. Sie seien nicht verantwortlich für den Leistungsbilanzüberschuss und das niedrige Zinsniveau.

Die Deutschen gelten als Volk der Sparer. Die vermeintlich deutsche Tugend hat den Bundesbürgern in Zeiten des historisch niedrigen Zinsniveaus einiges an Spott eingebracht. Trotz Renditen, die von der Inflation aufgehoben werden, halten viele Deutsche an klassischen Anlagenformen wie Sparbriefen, Festgeld und Tagesgeld fest, statt ihr Sparverhalten den veränderten Gegebenheiten anzupassen. Renditestärkere Geldanlagen in Form von Aktien, Fonds oder Wertpapieren stehen viele deutsche Anleger trotz des niedrigen Zinsniveaus skeptisch gegenüber. Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, nimmt die deutschen Sparer nun in Schutz und weist die Kritik an ihrem Anlageverhalten zurück.

Draghi: Anstieg des Zinsniveaus erst bei ausgeglichener Leistungsbilanz

In der vergangenen Woche war es Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), der den Deutschen vorwarf, zu viel zu sparen und zu wenig zu investieren – und dadurch selbst für das Anhalten des niedrigen Zinsniveaus zu sorgen. Steigende Realzinsen werden Draghi zufolge erst wieder möglich, wenn das Verhältnis von Ersparnissen und Investitionen ausgeglichen ist. Deutschland hatte über ein ganzes Jahr allerdings einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Aktuell liegt der Überschuss, der die Differenz zwischen Sparvolumen und Investitionen einer Volkswirtschaft darstellt, sogar bei acht Prozent.

„In einer Welt, wo die realen Renditen überall sehr niedrig sind, gibt es schlichtweg nicht genug Nachfrage nach Kapital, um den riesigen Überhang an Ersparnissen aufzufangen“, sagte der EZB-Präsident in der vergangenen Woche. Er riet den deutschen Sparern zu mehr Risiko bei der Geldanlage: „Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“

Weidmann: Sparer nicht hauptverantwortlich für Leistungsbilanzüberschuss

Diese Kritik hat Bundesbank-Präsident Weidmann nun in einer Rede zurückgewiesen: „Die Sparer dafür zu tadeln, dass sie sparen, ist genauso falsch wie den Investoren vorzuwerfen, dass sie zu wenig investieren“, zitiert das „Handelsblatt“ Weidmann. Angesichts der alternden Gesellschaft hätte Deutschland gute Gründe, vorsorglich zu sparen. Der Volkswirt räumte zwar ein, dass der hohe Leistungsbilanzüberschuss nicht nachhaltig sei. Er sei jedoch nicht in erster Linie auf das Sparverhalten der Deutschen zurückzuführen. Verantwortlich für den aktuellen Anstieg sind nach Weidmanns Einschätzung vor allem der Verfall des Ölpreises und die Abwertung des Euros.

Quelle: Handelsblatt

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