Bundesbank fordert Anhebung der Regelaltersgrenze

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 19.08.2016

Arbeiten bis 69? Nach Ansicht der Bundesbank wäre eine Anhebung der Regelaltersgrenze eine überlegenswerte Option, um die gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. Eine deutliche Erhöhung des Rentenbeitrags sieht die Notenbank hingegen kritisch. Die Bundesregierung will allerdings nach wie vor nichts von der Rente mit 69 wissen.

Nach Politik und Gewerkschaften hat sich nun auch die Bundesbank in die aktuelle Rentendiskussion eingeschaltet. Sie fordert eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze für den Renteneintritt auf 69 Jahre bis zum Jahr 2060. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland mit gesunkenen Geburtenraten und steigender Lebenserwartung seien weitere Anpassungen des Rentensystems unvermeidlich, um es tragfähig zu halten, heißt es in aktuellen Monatsbericht der Bundesbank.

Bundesbank fordert Enttabuisierung einer höheren Regelaltersgrenze

„Eine längere Lebensarbeitszeit sollte nicht tabuisiert, sondern als wesentlicher Faktor mitberücksichtigt werden“, so die Bundesbanker. Die Erhöhung der Regelaltersgrenze sei in Hinblick auf die höhere Lebenserwartung und die damit einhergehende längere Rentenbezugsdauer sinnvoll, um ein Absinken des Versorgungsniveaus der gesetzlichen Rente zu vermeiden. Nach Berechnungen der Bundesbank könnte das Rentenniveau ansonsten bis 2060 auf 40,5 Prozent sinken. Festgeschrieben ist das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente nur bis 2030 – auf mindestens 43 Prozent. Sowohl Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als auch CSU-Chef Horst Seehofer wollen das Rentenniveau auch darüber hinaus stabil halten, um Altersarmut zu vermeiden. Denn ohne private Vorsorge droht bereits jetzt vielen Senioren beim Renteneintritt eine Versorgungslücke. Dies würde der Rentenkasse Berechnungen des Prognos-Instituts zufolge allerdings allein bis zum Jahr 2040 Mehrausgaben von 600 Milliarden Euro bescheren. Um dieses stabile Rentenniveau zu finanzieren, könnte der Rentenbeitrag auf mehr als 26 Prozent ansteigen.

Negative wirtschaftliche Auswirkungen bei höherem Rentenbeitrag

Ein höherer Rentenbeitrag könnte nach Einschätzung der Bundesbank-Ökonomen jedoch negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik haben. Hinzu kommt, dass Arbeitnehmer durch die immer älter werdende Gesellschaft auch noch an anderer Stelle mit höheren Abzügen belastet werden könnten, nämlich bei den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung. Von den drei wesentlichen Faktoren zur Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung – Beitragserhöhungen, höhere Regelaltersgrenze und Absenken des Sicherungsniveaus – scheint ein höherer Rentenbeitrag aus Sicht der Bundesbank die schlechteste Möglichkeit zu sein.

Bundesbank: Armutsbekämpfung nicht Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung

Die Notwendigkeit der von Seehofer und Gabriel geforderten Stabilisierung des Rentenniveaus zur Vermeidung von Altersarmut sieht die Bundesbank offenbar nicht. In ihrem Monatsbericht macht die Notenbank deutlich, dass sie die Bekämpfung von Armut nicht im Verantwortungsbereich der gesetzlichen Rentenversicherung sieht, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher sei es nicht legitim, Altersarmut durch höhere Rentenbeiträge zu bekämpfen. Die Notenbanker plädieren dafür, zielgerichtete Unterstützung für arme Senioren aus Steuergeldern zu finanzieren.

Die Bundesregierung lehnt eine Anhebung der Regelaltersgrenze auf 69 Jahre nach wie vor ab. Sie wies den Vorstoß der Bundesbank umgehend zurück „Die Bundesregierung steht zur Rente mit 67“ verkündete Regierungssprecher Steffen Seibert der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge.

Quellen: Bundesbank, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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