Bundesfinanzministerium sieht Probleme bei 34 Lebensversicherern

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 12.07.2018

Die anhaltende Niedrigzinsphase ist für Lebensversicherer eine echte Bedrohung. Das hat mittlerweile auch das Bundesfinanzministerium erkannt und beobachtet 34 Anbieter besonders stark. Verbraucherschützer sind ebenfalls alarmiert und befürchten finanzielle Einbußen für Sparer.

Nach einem aktuellen Bericht des Bundesfinanzministeriums an den Finanzausschuss des Bundestags drohen 34 von 84 Lebensversicherern „mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten“. Aus diesem Grund stehen die Unternehmen auch unter „intensivierter Aufsicht“ der Finanzaufsicht Bafin. Halbjährlich müssen die Versicherer Bericht erstatten, inwiefern ihre Maßnahmen zur Finanzierung der zugesagten Auszahlungen greifen.

Abwicklung der Verträge möglich

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat mit Sorge auf den Bericht reagiert. „Es könnte passieren, dass Versicherer unter die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalquote fallen. Wenn dann nicht innerhalb weniger Monate für ausreichend Kapital gesorgt wird, droht die Abwicklung“, so der Versicherungsexperte des VZBV, Lars Gatschke, gegenüber dem Handelsblatt. In ein solches Abwicklungsszenario können Versicherungen hineinlaufen, wenn eine wirtschaftliche Schieflage eintritt. Kunden müssen dann mit einer Kürzung der Leistungen rechnen.

Das wäre laut Gatschke wiederum ein fatales Signal für den Markt: „Die Versicherten könnten dann in Panik verfallen und sämtliche ihrer Verträge kündigen.“ Gleichzeitig gibt der Experte zu Bedenken, dass der Handlungsspielraum der Politik aktuell sehr gering sei. Denn die Solvency-II-Richtlinien der EU würden bereits eindeutige Vorgaben machen. „Möglich wäre, dass im Krisenfall die Sicherungseinrichtung Protektor, eine Art Auffanggesellschaft der Versicherungsbranche, betroffene Verträge weiterführt“, erläuterte der VZBV-Experte.

Was das für Verbraucher heißt

Sparer sollten nicht in Panik verfallen. Denn bisher sind „nur“ 34 von 84 Versicherern unter verschärfter Beobachtung, ein tatsächlicher Abwicklungsfall ist noch nicht eingetroffen. Dennoch reduzieren die Versicherungen bereits die Leistungen, beispielsweise bei der Überschussbeteiligung. Die Versicherungen jetzt vorzeitig zu kündigen, bedeutet in jedem Fall einen Verlust – denn die Policen zahlen sich aufgrund hoher Abschlussgebühren in der Regel erst nach Jahrzehnten aus. Es gilt aber, den Markt genau zu beobachten. Wer über den Abschluss einer neuen Police nachdenkt, sollte derzeit eher auf die Risikolebensversicherung und nicht die kapitalbildende Variante setzen.

Quelle: Handelsblatt

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