Bundesrat will Dispozinsen gesetzlich begrenzen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 03.10.2015

Die Dispozinsen, die Banken beim Überziehen des Girokontos verlangen, sind oft verhältnismäßig hoch. Der Bundesrat möchte nun mit einem Gesetz für eine Deckelung sorgen und so Bürger vor Überschuldung schützen. Für Dispokredite sollen nur noch Zinsen von maximal acht Prozent über dem Basiszinssatz erlaubt sein, so die Empfehlung.

Wer sein Girokonto überzieht, zahlt derzeit Dispozinsen von im Schnitt 8,91 Prozent. Wie die „Welt“ berichtet, wollen im Bundesrat nun vor allem die SPD-regierten Länder den Dispokredit gesetzlich deckeln: Die Zinsen sollen höchstens um acht Prozent über dem Basiszinssatz liegen dürfen. Dieser wird halbjährlich von der Bundesbank veröffentlicht und liegt aktuell bei minus 0,83 Prozent. Mit der geplanten Regelung dürften Banken aktuell also Dispozinsen in Höhe von 7,17 Prozent verlangen. Mit dem Gesetz möchte der Bundesrat der Überschuldung von Bürgern entgegenwirken.

Entlastung der Verbraucher um 690 Millionen Euro

Mit dem geplanten Gesetz würden Verbraucher im Vergleich zum aktuellen Durchschnitt der Dispozinsen um fast zwei Prozentpunkte entlastet. Da die Deutschen zurzeit 35 Milliarden Euro über Dispokredite in Anspruch nehmen, würde das für die Geldinstitute einen Verlust von 690 Millionen Euro bedeuten. Für von Überschuldung bedrohte Bankkunden gäbe es dafür eine deutliche Entlastung. Dispokredite sind das margenstärkste Zinsprodukt bei Geldinstituten, die Gewinnmarge entspricht hier tatsächlich den erhobenen Zinsen von beispielsweise neun Prozent. Bei der Baufinanzierung machen die Anbieter dagegen zum Beispiel nur ein Prozent Gewinn.

Mehr Transparenz bei Dispozinsen

Die schwarz-rote Koalition ist allerdings nicht für ein solches Gesetz und spricht sich stattdessen für mehr Transparenz aus: Die Geldinstitute sollen verpflichtet werden, gut sichtbar über ihre Dispozinsen zu informieren, was oft nicht der Fall ist. Außerdem sollen Geldinstitute die Pflicht haben, ihren Kunden eine Beratung anzubieten, wenn der Disporahmen regelmäßig in einem bestimmten Maß ausgeschöpft wird. Damit sollen sie rechtzeitig gewarnt werden, wenn ihnen die Überschuldung droht. Die hohen Gewinne aus den Dispozinsen werden von den Geldinstituten unter anderem dafür genutzt, ihr oft unrentables Filialnetz zu finanzieren. Deswegen vermuten Beobachter, dass eine Deckelung der Zinsen für einen Rückgang der Filialzahlen sorgen könnte.

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