Deutliche Mieterhöhungen trotz Mietpreisbremse

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.04.2016

Die Wirkung der Mietpreisbremse scheint vielerorts zu verpuffen. Insbesondere in Großstädten konnten in der zweiten Jahreshälfte deutliche Mieterhöhungen bei der Wiedervermietung von Wohnraum festgestellt werden. Grund sind zum einen Lücken im System, aber auch findige Maßnahmen von Vermietern.

Obwohl die Mietpreisbremse mittlerweile in fast 300 Kreisen und Gemeinden gilt, kennen die Mieten vor allem in deutschen Großstädten weiterhin nur eine Richtung – nämlich aufwärts. Kräftige Mieterhöhungen bei Wiedervermietung stehen nach wie vor auf der Tagesordnung. Ein tatsächlicher Bremseffekt sei nicht messbar, berichtet die „Welt“ mit Bezug auf eine Auswertung des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL).

Noch immer Mietererhöhungen von mehr als fünf Prozent in Großstädten

Die von JLL ausgewerteten Daten zeigen, dass die Angebotsmieten in der zweiten Jahreshälfte 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Stuttgart um sieben Prozent gestiegen sind. In Düsseldorf, Frankfurt und Köln verzeichnete der Immobiliendienstleister für diesen Zeitraum Mieterhöhungen von vier bis fünf Prozent, in Berlin und München lagen die Steigerungen zwischen einem und zwei Prozent. „Nach ersten Beobachtungen sind keine deutlichen Auswirkungen der Mietpreisbremse erkennbar. Wichtiger für die allgemeine Mietpreisentwicklung scheint die nachfragebedingte Verlagerung der Mietpreisanstiege in bislang preisgünstigere Lagen und Städte zu sein“, kommentiert Roman Heidrich, JLL-Experte für die Bewertung von Wohnungen, die Untersuchungsergebnisse.

Unklare Vergleichsmieten hebeln Mietpreisbremse vielerorts aus

Möglich sind die teilweise deutlichen Mieterhöhungen trotz Mietpreisbremse zum einen durch Unklarheiten bezüglich der ortsüblichen Vergleichsmiete. Gemäß Mietpreisbremse dürfen Vermieter bei der Wiedervermietung von Wohnungen nur noch Preise aufrufen, die nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Doch in zahlreichen deutschen Landkreisen und Gemeinden existiert kein Mietspiegel, sodass die ortsübliche Vergleichsmiete für Wohnungssuchende schwierig zu ermitteln ist. Zudem ist der Umfang einer Mieterhöhung für einen Neumieter häufig nicht nachvollziehbar, da Vermieter nicht verpflichtet sind, den vom Vormieter geforderten Betrag offenzulegen. Dies ermöglicht es Immobilienbesitzern, sich auf den Bestandsschutz zur berufen, der für Mieten gilt, die bereits vor der Einführung der Mietpreisbremse über der Preisgrenze lagen. „Der Mieter müsste über ein öffentliches Register sehen können, wie hoch die Miete vor Einzug war“, so ein Lösungsvorschlag von Hans-Jochem Witzke vom Mieterverein Düsseldorf.

Vermieter nutzen Ausnahmeregelungen zu ihren Gunsten

Zudem nutzten Vermieter laut „Welt“ Ausnahmen von der Mietpreisbremse, um Mieterhöhungen auch oberhalb der preislichen Begrenzung durchsetzen zu können. Sie würden die Bestimmungen beispielsweise durch Modernisierungen umgehen. Denn die erste Vermietung nach umfassenden Modernisierungsmaßnahmen unterliegt nicht der Mietpreisbremse. Auch vorangegangene Modernisierungsmaßnahmen, die sich nicht oder nur zum Teil auf die Miete des Vormieters niedergeschlagen haben, fallen unter diese Regelung. Ein weiterer Trick, Mieterhöhungen über die Grenzen der Mietpreisbremse hinaus durchzusetzen, sei die möblierte Vermietung, für die dann ein zusätzlicher Aufschlag verlangt wird.

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