Deutsche Bahn wird zum Stromversorger

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 29.06.2017

Die Deutsche Bahn will in Zukunft nicht nur Transportmöglichkeiten, sondern auch Strom bereitstellen. Bis Jahresende peilt der Staatskonzern eine „fünfstellige Kundenzahl“ an. Mit der Bahn-Tochter DB Energie werden bereits jetzt Geschäftskunden beliefert. Seit Mittwoch besteht nun auch für Privatkunden die Möglichkeit zum Wechsel und die Bahn wirbt mit einfachen Tarifen, moderaten Preisen und 100 Prozent Ökostrom.

Seit Mitte der Woche können Privatkunden neben der nächsten Reise mit dem Bahnticket auch die Stromversorgung mit der Deutschen Bahn planen. Nachdem der Staatskonzern mit der Tochter DB Energie bereits Geschäftskunden beliefert, peilt die Bahn bis Jahresende eine „fünfstellige Kundenzahl“ mit Privatabnehmern an. Dabei wird bei einem Wechsel vor allem mit 100 Prozent Ökostrom, aber auch einfachen Tarifen und angemessenen Preisen gelockt.

Unschlagbare Ökobillanz

In Hinblick auf den Energieverbrauch und die ökologische Bilanz kann kein Ferntransportweg mit der Bahn mithalten. Dieser Trend soll sich jetzt auch für den Stromverbrauch in Privathaushalten fortsetzen. Wer mit Bahn- oder Zeitkarte auf dem Gleisnetz unterwegs ist, bestreitet die Fahrt bereits mit einhundert Prozent erneuerbaren Energien– nun soll das grüne Image den Konzern ins private Stromgeschäft führen. Seit Mittwoch können Kunden den Anbieter wechseln und laut Bahn von angemessenen Preise und einfachen Strukturen profitieren. „Wir werden keine Kampfpreise machen, wir kaufen uns keine Marktanteile. Aber unsere Produkte werden immer günstiger sein als der Standardtarif des Grundversorgers“, kündigte Hans-Jürgen Witschke, Chef der DB Energie, zur Preispolitik an.

Verbraucher wird Versorger

Da 90 Prozent der Personen- und 95 Prozent der Güterzüge elektrisch betrieben werden, zählt die Bahn in Europa zu den größten Verbrauchern von Strom, in Deutschland ist sie in dieser Disziplin sogar ungeschlagen. Nach den vier größten Energieanbietern ist der Staatskonzern jedoch auch der größte Stromproduzent des Landes. Mit einem Absatzvolumen von mehr als 20 Terrawattstunden im Jahr deckt die Bahn den Jahresbedarf Berlin gleich doppelt. Ein großer Teil der Energie geht jedoch an den Antrieb der Züge und die DB müsste zukaufen. Dennoch sieht Witschke ein lohnendes Geschäftsmodell: „Wir beherrschen die Strombeschaffung und die Prozesse dahinter, große Mengen Energie an die richtige Stelle zu bringen. Wer Bahn kann, kann auch Strom.“

Dieser stammt für Privatkunden ausschließlich aus Wind-, Wasser- und Solarkraftwerken. Mit ihren zwei Onlinetarifen über eine Laufzeit von ein bis zwei Jahren kann die Deutsche Bahn Standardtarife der Grundversorger unterbieten. Beim Anbieterwechsel winken BahnCard, Bargeld oder Reisegutscheine. Im direkten Vergleich bieten andere Versorger ihren Neukunden jedoch teils höhere Boni. 

Weitere Meldungen im Überblick

  • Google muss zahlen: Die EU-Kommission hat eine Rekordstrafe gegen den Internet-Riesen Google verhängt. 2,42 Milliarden Euro müssen wegen angeblichem Missbrauch der Marktmacht durch bessere Platzierung eigener Anzeigen gezahlt werden.
  • DAX im Minus: Der starke Euro und der jüngste Kursrutsch an der Wall Street haben am Mittwoch den deutschen Leitindex belastet. Zum Handelsauftakt wurden die Vortagsverluste ausgeweitet. Der DAX fiel um 0,86 Prozent auf 12.561 Punkte.
  • Dombret in Sorge: Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hält die Immobilienampel weiter für gelb. Der Immobilienmarkt drohe zu überhitzen und Kredite könnten sowohl für Banken als auch Kunden gefährlich werden.

Quellen: Welt, Handelsblatt

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