Deutschland spart 240 Milliarden Euro durch Niedrigzinsen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.07.2017

Während Europas Sparer sich ärgern, ist Mario Draghis Geldpolitik ein Segen für die Euro-Länder. Die anhaltend niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank entlasten diese nach neusten Berechnungen der Deutschen Bundesbank um fast eine Billion Euro. Allein in Deutschland würden sich die Einsparungen auf 240 Milliarden Euro beziffern. Mit den Zahlen geht jedoch auch eine Warnung der Bundesbank einher.

Für die Euro-Staaten bringt die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Entlastungen in Milliardenhöhe. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Bundesbank in neusten Berechnungen und beziffert den eingesparten Betrag im gesamten Raum auf eine knappe Billion Euro. Während Sparer sich über Mario Draghis Niedrigzinsen ärgern, beläuft sich die Entlastung allein in Deutschland auf 240 Milliarden Euro. Dennoch warnt die Bundesbank derweil die Euro-Länder.

Niedrigzinsen bringen Milliardensummen

In ihren Berechnungen hat die Deutsche Bundesbank den durchschnittlichen Zins vor Ausbruch der Finanzkrise vor rund zehn Jahren mit den anschließenden Niedrigzinsen der EZB verglichen. Diese haben den Mitgliedstaaten der Euro-Währungsunion demzufolge fast eine Billion Euro gespart. Die Entlastungen für Deutschland beziffert die Notenbank auf insgesamt 240 Milliarden Euro und somit auf etwa 7,5 Prozent des BIP. Besonders stark profitierte vom Niedrigzinsklima derweil Italien. Hier ermittelte die Bundesbank zwischen 2008 und 2016 Einsparungen von etwa 10,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Auch in den Niederlanden, Österreich, Frankreich und Belgien fielen die Entlastungen ähnlich aus. 

Sparer und Kreditinstitute leiden währenddessen unter der Flaute des Zinsniveaus. Der Leitzins im Euroraum hält sich bereits seit einiger Zeit auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent und Banken müssen der EZB 0,4 Prozent Strafzins zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Hier beginnt die Kehrseite der ultralockeren Geldpolitik, denn viele Banken geben den Strafzins an ihre Unternehmenskunden weiter – in Einzelfällen inzwischen auch an Privatkunden.

Nicht nur ein Grund zum Jubeln

Zu den Zahlen servierte die Bundesbank eine Mahnung für die Euro-Länder. Obwohl die derzeit günstigen Konditionen die Staatskassen zunächst weiter entlasten dürften, sollten sich die Länder nicht auf dauerhaft günstige Zinsen verlassen. „Ungeachtet dessen ist der Finanzpolitik anzuraten, Vorsorge für wieder steigende Zinsen zu treffen", rieten die Experten. Dass sich die Euro-Haushalte um Konsolidierung bemühten, sei weitestgehend zum Erliegen gekommen. 

Dabei warnt die Notenbank: „Mit hohen Schuldenquoten bleiben die öffentlichen Finanzen aber anfällig". Diese weisen den Angaben zufolge Werte weit über den festgelegten Marken auf. Hier steht Italien mit 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes an der Spitze vor Portugal (130 Prozent), Belgien (106 Prozent) und Spanien sowie Frankreich mit knapp unter 100 Prozent. Auch Deutschland überschritt mit mehr als 68 Prozent die Marke des Maastrichter Vertrages von 60 Prozent.

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Quellen: Handelsblatt, Spiegel

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