Dieselgate: ADAC plädiert für 5.000 Euro Entschädigung an betroffene VW-Kunden

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.09.2017

Traditionell gilt der ADAC als Interessenvertreter der Automobilbranche. Jetzt hat der Auto-Club allerdings die Seiten gewechselt. Im Rahmen der Internationalen Automobilausstellung (IAA) fordert Vizepräsident Ulrich Klaus Becker Volkswagen auf, auch europäischen Kunden Entschädigungen auszuzahlen. Diese sollen sich in der Höhe an den 5.000 Dollar Ausgleichszahlungen in den USA orientieren.

Überraschende Aussage mit einem noch überraschenderen Timing: Ausgerechnet zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) setzt sich ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker für Entschädigungszahlungen seitens VW für die vom Abgasskandal betroffenen Kunden ein. Dabei soll die in den USA ausgezahlte Entschädigung in Höhe von 5.000 Dollar zur Orientierung dienen. Die Aussage kommt unerwartet, da der ADAC als größter Automobilclub Deutschlands eigentlich zu den Lobbygruppen der Autoindustrie zählt.

Nachrüstung könnte langfristige Schäden bedeuten

„Es ist aus Sicht des ADAC höchste Zeit, eine vergleichbare, verbraucherfreundliche Wiedergutmachung auch für deutsche Kunden anzubieten“, lautet Beckers Standpunkt zu der umstrittenen Dieselaffäre um manipulierte Schadstoffklassen. Damit bezieht er Position für die vielen VW-Besitzer, die bei der ADAC Rechtsberatung seit Monaten um Hilfe bitten.

Becker sieht das Software-Update, zu dem das Kraftfahrbundesamt betroffene Dieselbesitzer verpflichtet, kritisch. Es sei noch völlig unklar, ob das Update beispielsweise den vorzeitigen Verschleiß von Teilen des Motors begünstigen könnte. Da das eine zusätzliche langfristige finanzielle Belastung für die geschädigten Kunden bedeuten würde, hält Becker eine Entschädigungssumme von 5.000 Euro für jeden Betroffenen für angemessen.

Tatsächliche Auszahlung ist sehr unwahrscheinlich

Volkswagen sieht das anders und beruft sich zu dem Thema stets auf die unterschiedlichen Rechtslagen in den USA und Europa. Demnach sehe das europäische Recht keine grundsätzlichen Entschädigungszahlungen vor. Zusätzlich fehlt in Deutschland bislang eine höchstrichterliche Entscheidung zu der Streitfrage, während in hunderten Einzelklagen immer wieder unterschiedlich entschieden wird.

Die vom ADAC und zahllosen Verbrauchern geforderten Entschädigungen würden für den VW-Konzern eine immense finanzielle Belastung bedeuten. Da in den USA nur circa eine halbe Million Autobesitzer Ansprüche gelten machen konnten, belief sich die Gesamtentschädigungssumme bislang auf 22 Milliarden Euro. In Europa kämen acht Millionen weitere Betroffene hinzu, was den von VW zu zahlenden Betrag um rund 40 Milliarden Euro – also um rund 180 Prozent – erhöhen würde.

Quellen: Welt.de, n-tv, Focus Online

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