Digitale Anlageberatung: Robo-Advisor im Kommen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 08.04.2016

Robo-Advisor statt Gespräch mit dem Anlageberater der Bank – so sieht nach Einschätzung von Experten die Zukunft der Vermögensberatung aus. Neben jungen Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologie, kurz Fintechs, setzen auch alteingesessene Bankhäuser auf die automatisierte Anlageberatung. Bei den digitalen Beratungsangeboten von Banken und Fintechs gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied.

Die Deutsche Bank setzt seit Ende vergangenen Jahres auf die automatisierte Vermögensberatung. Auch Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, betreibt mit ihrem Robo-Advisor Visualvest bereits digitale Anlageberatung und weitere Banken experimentieren nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ mit automatisierten Beratungsangeboten.

Banken reagieren auf digitale Anlageberatung durch Fintechs

Die etablierten Geldhäuser reagieren damit auf die Angebote zahlreicher Fintechs, die den Banken in Sachen Anlageberatung Konkurrenz machen. Der Strategieberatung Oliver Wyman zufolge gibt es in Deutschland bereits bis zu 40 Start-ups im Bereich der Robo-Advisor, die insgesamt etwa 100 Millionen Euro verwalten. Die Beratungsgesellschaft schätzt, dass das von Fintechs verwaltete Vermögen in der Bundesrepublik in den kommenden vier Jahren auf 30 Milliarden Euro anwachsen könnte. Weltweit seien bis 2020 sogar gut 440 Milliarden in den Händen von Robo-Verwaltern möglich.

Robo-Advisor ist nicht gleich Robo-Advisor

Die Robo-Advisor der meisten Fintechs unterscheiden sich in einem entscheidenden Merkmal von den automatisierten Anlageberatungsangeboten etablierter Banken: sie sind nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) lizenziert. Dies bedeutet, sie dürfen Kundengelder nicht direkt entgegennehmen und anlegen, sondern nur beraten. Sie stellen also letztendlich nur Algorithmen bereit, die Anlagevorschläge berechnen, geben die Führung des Depots aber an Partnerbanken ab. Die rund 600 lizenzierten Vermögensverwalter in Deutschland sowie die Banken mit voller Lizenz hingegen dürfen Kundegelder anlegen, ohne vor jedem Investment das Einverständnis des Kunden einzuholen.

Die Fintechs selbst sehen dies offenbar nicht zwingend als Nachteil, viele verzichten bewusst auf eine eigene Lizenz der BaFin. „Wir ersetzen für Kunden den Beratungsaufwand bei der Geldanlage, ohne ihm die Kontrolle über sein Geld zu nehmen“, so der Gründer des Fintechs Ginmon gegenüber der „WirtschaftsWoche“.

Experten skeptisch gegenüber automatisierter Anlageberatung

Dass erfahrene Anlageexperten den Trend zur automatisierten Anlageberatung kritisch sehen, ist wenig überraschend. Sowohl die beratenden als auch die vermögensverwaltenden Robo-Advisor-Angebote „bergen die Gefahr, Zusammenhänge zu sehen, wo keine sind“, meint beispielsweise Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager beim Münchner Vermögensverwalter Phaidros Funds. Auch sein Berufskollege Billy Burrows von der britischen Pensionsberatung William Burrows Annuities erklärte, dass er nach über 20 Jahren Suche keinen Algorithmus gefunden hätte, der menschliche Intervention überflüssig machen würde.

Allerdings werden wohl künftig viele Anleger kaum Alternativen zur automatisierten Anlageberatung finden, sollten Sie nicht bereit sein, für die Dienste eines Honorarberaters zu zahlen. Aufgrund der verschärften Auflagen bei der Anlageberatung durch die Finanzaufsicht BaFin haben sich viele Hausbanken aus diesem Geschäftsbereich zurückgezogen. In Großbritannien verweigern Banken der „WirtschaftsWoche“ zufolge die persönliche Anlageberatung sogar, wenn das anzulegende Vermögen zu gering ist.

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