Eingeschränkte Kreditvergabe für ältere Menschen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.07.2016

Ältere Menschen haben in Deutschland immer öfter das Problem, dass sie bei der Kreditvergabe benachteiligt werden – viele Senioren fühlen sich deshalb von den Banken diskriminiert. Obwohl es meist um Wohnimmobilien zur Altersvorsorge oder um altersgerechte Hausumbauten geht, müssen die Kreditinstitute viele Anfragen aufgrund einer EU-Richtlinie ablehnen.

Deutsche Verbraucher, die über 50 Jahre sind und bei ihrer Bank einen Immobilienkredit beantragen wollen, stoßen seit einigen Monaten verstärkt auf Ablehnung. Senioren und ältere Arbeitnehmer fühlen sich durch diese Vorgehensweise zunehmend diskriminiert. Denn selbst wenn die geplanten Darlehen letztlich der Vorsorge für das Alter dienen sollen – neben dem Kauf eines Eigenheims auch dem altersgerechten Umbau von vorhandenem Wohneigentum – beißen viele ältere Menschen bei den Banken oft auf Granit. Dem Genossenschaftsverband Bayern zufolge, gebe es Volksbanken und Raiffeisenbanken, die jeden vierten Kreditantrag dieser Kategorie aufgrund gesetzlicher Vorgaben ablehnen müssten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ).

Probleme bei der Kreditvergabe beschäftigen gleich zwei Bundesministerien

Der „SZ“ zufolge ist das-Problem der bei der Kreditvergabe inzwischen bis in die Bundesministerien für Finanzen und Verbraucherschutz vorgedrungen und beschäftigt mittlerweile nicht nur die Kreditinstitute, sondern auch zahlreiche Abgeordnete des Bundestags. Denn was die Thematik so brisant macht, ist der Umstand, dass von den Kreditverweigerungen selbst zahlungskräftige Arbeitnehmer mit sicheren Jobs sowie Senioren mit Wohneigentum betroffen sind. Die einen möchten für das Alter vorsorgen, indem sie sich eine Immobilie anschaffen, die anderen wollen diese für ihr fortschreitendes Alter bedarfsgerecht umbauen – und viele Banken dürfen aufgrund der gesetzlichen Lage kein grünes Licht dafür geben. Dabei sind solche privaten Vorsorgemaßnahmen grundsätzlich im Interesse des Staates.

EU-Richtlinie verantwortlich für erschwerte Kreditvergabe

Die Hauptursache für diese wenig zufriedenstellende Entwicklung für Verbraucher und Banken liegt in einer EU-Richtlinie über die Vergabe von Wohnimmobilienkreditverträgen. Diese wurde im März in deutsches Recht umgesetzt. Hintergrund dieser Wohnimmobilienkreditrichtlinie sind die für einige Kreditnehmer verheerenden Folgen der Finanzkrise des letzten Jahrzehnts. Das neue Gesetz soll verhindern, dass deutschen Senioren nicht das passiert, was während dieser Krise in großem Maßstab in Spanien passiert ist: Es wurden dort Kredite aufgenommen, die schon bald nicht mehr bedient werden konnten. Deshalb sind die Banken heute aufgefordert, Kunden stärker auf ausreichende laufende Einkünfte zu prüfen. Zudem dürfen die Institute gemäß der Richtlinie Kredite nur noch gewähren, wenn diese „innerhalb der statistischen Lebenserwartung des Kreditnehmers vollständig zurückgeführt werden“ können – was bei Senioren häufig zum Problem wird. Der Wert der Immobilie, der zum Ende der Laufzeit oft höher ist als der Darlehensbetrag, reicht ihnen oftmals als Sicherheit nicht mehr aus.

Kreditvergabe für Senioren schon bald einfacher?

Das Bundesverbraucherschutzministerium hat bisher noch nicht reagiert, ein Sprecher erklärte jedoch, dass das Problem beobachtet werden würde. SPD-Finanzexperte Lothar Binding sagte der „SZ“ hingegen, er würde sich für eine Anpassung der Regeln noch in diesem Jahr einsetzen, sollten die Einschränkungen bei der Kreditvergabe jedoch derart strikt bleiben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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