Einkommen: Ausstieg aus der Armut wird schwerer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 13.10.2016

Wer in Armut lebt, hat immer weniger Chancen, sozial aufzusteigen. Die Ungleichheit bei der Verteilung der Einkommen in Deutschland ist so dramatisch nie zuvor. Dies ist eine zentrale Erkenntnis einer jüngst veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zur Einkommensverteilung in der Bundesrepublik.

Der Weg aus der Armut war noch nie sonderlich einfach – doch für Menschen mit geringerem Einkommen ist er noch steiniger geworden. „Arm bleibt arm und reich bleibt reich – das gilt aktuell noch deutlich stärker als vor 20 Jahren“, fasst Anke Hassel, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, die Kernaussage der Studie zusammen. Die Hälfte der armen Bundesbürger schaffte es in der jüngsten Vergangenheit nicht, innerhalb von fünf Jahren aus der Armut aufzusteigen. Zwischen 1991 und 1995 gelang noch rund 58 Prozent der von Armut Betroffenen der Aufstieg in eine höhere Einkommensklasse. Im letzten Untersuchungszeitraum zwischen 2009 und 2013 waren es nur 50 Prozent. Deutlich einfacher geworden ist der Studie zufolge allerdings der umgekehrte Weg aus der unteren Mittelschicht in die Armut hinein. Gleichzeitig sind die Chancen der unteren Mittelschicht auf ein höheres Einkommen und den damit verbundenen Aufstieg gesunken.

Hohes Einkommen ermöglicht oft weiteren Aufstieg

Wer hingegen über ein relativ hohes Einkommen verfügt, hat deutlich bessere Aufstiegschancen als ärmere Mitbürger. Die Gefahr des Abrutschens in eine niedrigere Einkommensgruppe hat sich hingegen verringert. Zwischen 1991 und 1995 schaffte es die Hälfte derjenigen mit sehr hohem Einkommen, sich in dieser Klasse zu halten. Zwischen 2009 und 2013 blieben beinahe 60 Prozent in der obersten Einkommensklasse. Wer in Deutschland reich ist, bleibt also oft häufiger reich.

Ungleichheit der Einkommensverteilung auf neuem Höchststand

Gleichzeitig ist die Ungleichheit bei der Verteilung der Einkommen in der Bundesrepublik auf ein neues Höchstmaß gestiegen. Insgesamt legte der Wert für die Einkommensungleichheit seit Anfang der 1990er Jahre gut 15 Prozent zu. Seinen bisher dramatischsten Wert aus dem Jahr 2005 übertraf der sogenannte Gini-Koeffizient, die statistische Messgröße für die Einkommensungleichheit, Ende 2013 deutlich. Daran dürfte sich auch nach Ende des Untersuchungszeitraums im Jahr 2013 wenig geändert haben. Erst kürzlich zeigte eine aktuelle Datenaufwertung des Statistischen Bundesamts, dass die Armutsgefährdungsquote den höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht hat.

Sozialer Aufstieg in Deutschland besonders schwierig

Besonders stark von Armut bedroht waren den Daten des Statistischen Bundesamt zufolge Erwerbslose, deren Einkommen sich ohne monatlichen Gehaltseingang auf dem Girokonto oft im unteren Bereich bewegt. Hier setzen auch die Verfasser der WSI-Studie an. Sie fordern die Politik auf, für mehr Chancengleichheit zu sorgen und wirksamer gegen Arbeitslosigkeit vorzugehen, um die Schere zwischen Arm und Reich zu verringern. Zudem seien Reformen im Bildungssystem erforderlich, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien bessere Aufstiegschancen zu bieten. Im internationalen Vergleich ist Bildung in Deutschland besonders stark vom sozialen Hintergrund abhängig. Dementsprechend häufig landen die Kinder armer Eltern als Erwachsene oft selbst in der Armut. Daher kommen soziale Aufstiege in der Bundesrepublik – insbesondere zwischen Kinder- und Elterngeneration –deutlich seltener vor als in den meisten anderen Ländern. 

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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