Energiekonzerne und Politik verteuern Strom

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 12.08.2016

In der Bundesrepublik wird immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien auf den Markt geworfen. Das Überangebot sorgt für einen Preisverfall an den Strombörsen. Bei den privaten Haushalten kommt davon allerdings wenig an. Verantwortlich dafür sind nach Meinung des Bundesverbands Erneuerbare Energie sowohl die Energiekonzerne als auch die Politik.

Verbraucher zahlen zu viel für ihren Strom, weil die Energiekonzerne die deutlich gesunkenen Einkaufspreise zum Teil gar nicht oder nur teilweise und verspätet an Kunden weitergeben. So sieht es neben vielen anderen auch der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Hermann Falk. In einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme zur Strompreisentwicklung übt er nicht nur Kritik an den Energiekonzernen, sondern auch an der Politik.

Energiekonzerne haben Spielraum bei der Preisgestaltung

Die Großhandelspreise für Strom sind seit 2009 – auch dank der zunehmenden Menge an produziertem Ökostrom – um vier Cent pro Kilowattstunde gesunken, die Energiekonzerne hätten laut Falk also durchaus Spielraum bei ihrer Preisgestaltung für Privatkunden. Er rät Verbrauchern daher zu einem Stromvergleich, um einen Anbieter zu finden, bei dem auch Kunden von den gesunkenen Preisen profitieren.

Neben Energiekonzernen auch die Politik in der Kritik

Doch auch die Politik ist laut Falk mitverantwortlich, dass Verbraucher bei den Energiekosten über Gebühr belastet werden. Sie hätte bei der Konzeption der EEG-Umlage grundlegende Fehler gemacht, die ausgebessert werden sollten. Zum einen kritisiert er die Industrierabatte, die energieintensiven Unternehmen eingeräumt werden und die EEG-Umlage übermäßig aufblähen. Während Privathaushalte, Kleingewerbe und Mittelstand inklusive EEG-Umlage 2015 um die 29 Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen mussten, erhielten umlagebefreite Unternehmen Strom für 4 bis 4,5 Cent. Nach Einschätzung Falks würden derart niedrige Preise die Industrie kaum dazu bewegen, ihre Energieeffizienz zu verbessern.

EEG-Umlage verzerrt tatsächliche Kosten der Energiewende

Scharfe Kritik übte der Verbandsvorsitzende auch an dem Mechanismus, dass die EEG-Umlage steigt, sobald die Preise an den Strombörsen sinken. Die Preissenkungen lassen sich vor allem darauf zurückführen, dass große Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung stehen. Und für eben dessen Einspeisung fallen Gelder aus der EEG-Umlage an. Die niedrigen Preise schmälern die Einnahmen der Energiekonzerne und anderer Produzenten von Ökostrom, die durch die Umlage wieder ausgeglichen werden. Daher würde die EEG-Umlage die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien verfälschen.

 

Erst kürzlich hatte die Klimaschutzorganisation Agora Energiewende berechnet, dass die EEG-Umlage 2017 aufgrund des Überangebots an Ökostrom auf einen neuen Höchststand von mehr als sieben Cent je Kilowattstunde steigen könnte. Ob Stromkunden die höhere Umlage bei der monatlichen Abschlagszahlung auf ihrem Girokonto spüren, liegt in der Hand der Energiekonzerne. Geben diese ihre gesunkenen Einkaufspreise an die Verbraucher weiter, könnte der Strompreis konstant bleiben.

Quelle: Bundesverband Erneuerbare Energie

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