Erbe: Deutsche vermachen jährlich bis zu 400 Milliarden Euro

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 06.07.2017

Wie hoch die Summe ist, die hierzulande an Erben weitergegeben wird, konnte bislang nur geschätzt werden. Eine neue DIW-Studie bezieht nun auch Faktoren wie das regelmäßige Sparen ein und zeigt, dass bestehende Erhebungen das Volumen unterschätzt haben könnten. Die Summe, die vererbt oder verschenkt wird, wird auf bis zu 400 Milliarden Euro im Jahr beziffert.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) will zeigen, dass bisherige Erhebungen zum Erbvolumen zu niedrig angesetzt sind. In der Studie wurden auch Faktoren wie das regelmäßige Sparen einbezogen und die jährliche Summe, die vererbt oder verschenkt wird, läge bei bis zu 400 Milliarden Euro. Die bisherigen Schätzungen lagen hingegen weit darunter.

Ein Viertel mehr als geschätzt

Bislang könnten seriöse Schätzungen auf Basis zuverlässiger Erhebungen das Erbvolumen unterschätzt haben. Zu diesem Schluss kommen die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das Erbvolumen belaufe sich zwischen 2012 und 2027 auf ungefähr 400 Milliarden Euro jährlich und damit rund ein Viertel mehr, als noch in früheren Studien unterstellt. 

Eine von diesen wurde ebenfalls vom DIW durchgeführt und schätzte das Erbvolumen der aktuellen Dekade auf 200 bis 300 Milliarden Euro. Untersuchungen des Deutschen Instituts für die Altersvorsorge bezifferten die Summe auf durchschnittlich 310 Milliarden Euro im Jahr. In den Schätzungen ging laut aktueller DIW-Erhebung nur die Vermögenshöhe der Erblasser ein. Aspekte wie das fortgeführte regelmäßige Sparen sowie die Wertsteigerung des Vermögens wurden außer Acht gelassen. Unter Einbeziehung der Faktoren ergebe sich eine Steigerung von 28 Prozent – von der höchsten Schätzung auf 310 bis zur jetzigen mit 397 Milliarden Euro.

Reform der Erbschaftsteuer

Bei der Verteilung von Vermögen, und damit einem der wichtigsten Aspekte der Ungleichheit hierzulande, spielen Erbschaften und Schenkungen eine große Rolle. Schätzungen zufolge halten die oberen zehn Prozent zwei Drittel, die restlichen 90 Prozent nur ein Drittel des Nettovermögens. Erbschaften erhöhen dieses Ungleichgewicht weiter und der frühere Caritas-Generalsekretär Georg Cremer verweist beispielsweise auf den Zusammenhang, dass sich auch relative Gutverdiener in einigen Großstädten kaum noch auf dem Immobilienmarkt bewegen können. 

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, müssten Erbschaften und Schenkungen effektiver besteuert werden. Im Jahr 2015 bekam der deutsche Fiskus aus diesen Steuern nur etwa 5,5 Milliarden Euro. Die DIW-Forscher verweisen ebenfalls darauf, dass wegen der hohen Freibeträge viele Erbschaften steuerfrei stattfänden. Da auch sehr hohe Vermögen, die als Betriebsvermögen übergehen und somit steuerfrei sind, übertragen werden, raten die Autoren der Studie ebenfalls ausdrücklich zum Überdenken geltender Freibeträge und Steuerprivilegien.

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Quellen: Spiegel, Welt

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