Erste Bank verlangt in Deutschland vermögensunabhängige Strafzinsen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 05.03.2017

Der Fintech Broker Flatex führt zum 15. März für jeden seiner 180.000 Kunden einen Negativzins von 0,4 Prozent ein. Das gab jetzt der Vorstandschef der Fintech Group Frank Niehage bekannt. Hintergrund dieses Tabubruchs ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die seit gut zweieinhalb Jahren ihrerseits Banken mit Strafzinsen sanktioniert. Diese werden jetzt an den Kunden weitergegeben.

Das dürfte die 180.000 Kunden des Finanzdienstleisters Flatex gar nicht freuen: Als Reaktion auf die seit zweieinhalb Jahren andauernde Niedrigzinspolitik der EZB führt der Wertpapierhändler nun Negativzinsen ein – und zwar für sämtliche Kunden vermögensunabhängig ab dem ersten Euro. Diese neue Regelung, die ein etabliertes Tabu im deutschen Finanzwesen bricht, wird laut Vorstandschef Frank Niehage schon zum 15. März in Kraft treten.

Maßnahmen könnten Kunden vertreiben

Bislang hatten Banken in Deutschland nur bei überdurchschnittlich hohen Einlagen Strafzinsen verhängt. Als Erste hatte die Skatbank Thüringen 2014 Kunden ab einem Vermögenswert von 500.000 Euro mit Negativzinsen belastet. 2016 zog die Raiffeisenbank Gmund nach und senkte die Schwelle auf 100.000 Euro. Eine prinzipielle Strafzinsregelung, wie sie nun Flatex anstrebt, ist bisher allerdings einmalig.

Und das nicht ohne Grund: Es besteht das Risiko, dass gerade Kleinsparer ihr Geld vom Konto nehmen und es stattdessen zu Hause unterbringen. Schließlich dürfte es vielen Privatpersonen schwerfallen nachzuvollziehen, wieso sie nun für eine Einlage, die ihnen noch vor einigen Jahren sogar ein Zinsplus einbrachte, zahlen sollen. In diesem Fall würde die Bank natürlich Kunden und damit Kapital verlieren. Flatex bildet hier allerdings eine Ausnahme, da der Online-Broker noch nie Positiv-Zinsen gezahlt hat. Das hier eingezahlte Geld dient lediglich der Verrechnung von Aktiengeschäften. Dementsprechend werden die meisten Kunden die Regelung wohl hinnehmen, was eine Vorabumfrage bestätigte.

Höhere Kontoführungsgebühren statt Strafzinsen

Viele etablierte Finanzinstitute in Deutschland beeilten sich nun festzustellen, dass sie die Einführung von Negativzinsen nicht planen. Dazu gehören unter anderem die ING-Diba, Comdirect, die Deutsche Bank sowie die Commerzbank. Stattdessen werden diese langfristig vermutlich der Strategie verschiedener Sparkassen und Genossenschaftsbanken folgen. Statt Negativzinsen zu erheben, hoben diese in den letzten zwei Jahren die Kontoführungsgebühren für Girokonten an, um die Strafzinsen der EZB von inzwischen 0,4 Prozent auszugleichen.

Quellen: Welt, Handelsblatt, Finanzen.net

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