EU-Austritt auch für europäische Unternehmen teuer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.10.2016

Der Bexit könnte  mehr europäischen Finanzdienstleistern Probleme bereiten als er der Branche im Vereinigten Königreich selbst schadet. Nach dem EU-Austritt wird Großbritannien voraussichtlich nicht mehr von den Vereinfachungen für den gemeinsamen Binnenmarkt profitieren. Die Konsequenzen könnten auch Anleger hierzulande zu spüren bekommen.

Der EU-Austritt Großbritanniens könnte nicht nur britischen Unternehmen teuer zu stehen kommen, sondern auch europäischen Finanzdienstleistern. Aktuelle Daten der britischen Finanzaufsichtsbehörde zeigen, dass mehr als 8.000 Finanzdienstleister mit Sitz im Europäischen Wirtschaftsraum nur aufgrund der noch bestehenden Binnenmarktregelungen, dem sogenannten „Passporting“, ihre Produkte und Leistungen in Großbritannien vertreiben können. Auf der anderen Seite stehen 5.500 britische Unternehmen, die von den EU-Binnenmarktregelungen profitieren. Dies berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) mit Bezug auf Informationen der „Financial Times“.

Finanzdienstleister fürchten stärkere Regulierungen

Die Passporting-Regelungen erlauben es Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltern und anderen Finanzdienstleistern mit Sitz in der Europäischen Union, in jedem Mitgliedsstaat ohne besondere Hürden Geschäfte zu machen. Aktuell würde sich unter den Finanzdienstleistern ausbreiten, dass Großbritannien mit dem EU-Austritt diese Rechte verlieren könnte, heißt es in dem Bericht. Aller Voraussicht nach dürfte Großbritannien nach dem Brexit nicht mehr Teil des gemeinsamen europäischen Binnenmarkts sein, sondern müsste als separater Markt mit eigenen Regelungen betrachtet werden. Bislang hat die EU keinerlei Absichten erkennen lassen, dass Passporting mit Großbritannien aufrechtzuerhalten.

Konsequenzen des EU-Austritts für Anleger

Was zunächst nach komplexer Wirtschaftspolitik klingt, könnte im Endeffekt auch unerfreuliche Konsequenzen für Anleger aus den EU-Ländern haben. Dem britischen Bankenverband BBA zufolge liegt der Anteil Großbritanniens am europäischen Fondsvolumen bei 40 Prozent. Zudem entfallen 60 Prozent der europäischen Kapitalmarktgeschäfte auf das Vereinigte Königreich. Sollten nach dem EU-Austritt verschärfte Regulierungen in Kraft treten, bedeutet dies sowohl für europäische als auch für britische Kunden möglichweise weniger Auswahl bei der Geldanlage. Gesonderte Regulierungen für Großbritannien werden „die Kosten und Eintrittsbarrieren erhöhen“, so der britische Bankenverband. „Es ist schwer vorstellbar, wie wir alle unsere europäischen Kunden und die europäische Wirtschaft insgesamt bedienen sollen, wenn wir keinen Zugang zum Binnenmarkt haben“, so die Einschätzung von Daniel Pinto, Investmentbanker bei JP Morgan.

Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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