Experten hinterfragen Carsharing-Boom

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.02.2017

Mittlerweile können in fast 600 Städten Autos gemeinsam genutzt werden. Besonders Free-Floating-Modelle, bei denen die Abholung stationsunabhängig und jederzeit möglich ist, lassen ihre Rolle als Nischenprodukt hinter sich. Der Bundesverband CarSharing verzeichnet über 1,7 Millionen registrierte Nutzer und liegt damit 36 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Teilzeit-Autos sollen Umwelt und Verkehr entlasten, doch warnen Experten vor einem gegenteiligen Effekt.

Carsharing-Dienste erleben einen wahren Boom. Mit über 1,7 Millionen registrierten Nutzern kann der Bundesverband CarSharing eine Steigerung von 36 Prozent verzeichnen. Die Dienste sind mittlerweile in fast 600 Städten verfügbar und insbesondere Free-Floating-Modelle begeistern. Sie sind fast jederzeit und überall verfügbar, werden damit aber auch zum Ärgernis vieler Experten. Diese sehen in ihnen mehr Probleme als Nutzen für Verkehr und Umwelt.

Nischenprodukt auf der Überholspur

Der Trend des Carsharings ist weiter ungebrochen. Die Kundenzahl nahm um 36 Prozent zu und auch die beteiligten Gemeinden und Städte stiegen von 60 auf 597.

Den größten Boom erleben Free-Floating-Modelle, die bisher in sieben deutschen Großstädten die Möglichkeit zur Abholung unabhängig von Ort und Zeit bieten. Gegenüber dem Vorjahreswert konnten die Nutzer hier verdoppelt werden. Insgesamt kann auf 17.200 Fahrzeuge zurückgegriffen werden: 7.800 Free-Floaters und 9.400 stationsgebundene Wagen.

Fluch oder Segen für Umwelt und Verkehr?

Nicht mehr auf den Bus warten müssen und dabei etwas für die Umwelt sowie gegen das Verkehrschaos tun: Der Traum der Sharing-Community scheint in Erfüllung zu gehen. Jedes zehnte Auto der Carsharing-Dienste ist ein Elektrowagen, während der Anteil dieser Modelle am deutschen Gesamtbestand etwa 0,16 Prozent beträgt.

Auch die Regierung zeigt sich involviert und im Frühjahr soll ein Gesetz den Carsharing-Diensten weitere Sondernutzungen zugestehen. Kunden hingegen sind jederzeit sowie unkompliziert mobil und das mit dem grünen Gewissen, mit einem Wagen mehrere Privatautos zu ersetzen.

Viele Branchenkenner sehen in der „Bequemlichkeitsmobilität“ jedoch Probleme. Statt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, greifen die Share-Kunden zum verfügbaren Auto. Dies würde Umwelt und Verkehr mit mehr Schadstoffen, Parkschwierigkeiten und Stau belasten. Neue Datensätze zeigen, dass viele Fahrten nur wenige Kilometer lang sind - trotz Monatskarte und Ziel in Laufweite. Im Durchschnitt führen die Wagen nur eine Stunde am Tag und sind damit so ineffizient wie Privatautos.

Umweltexperten weisen zudem darauf hin, dass die Autos nicht gemeinsam, sondern von Einzelpersonen genutzt werden. Die Dienste seien wie eine „Einstiegsdroge“ zum ersten eigenen Auto und die Gesetzentwürfe für das Frühjahr würden die Kannibalisierung von öffentlichen Verkehrsmitteln fördern. Welches Lager im Streit ums Sharing Recht hat, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

Quellen: Welt, Stern

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