EZB-Entscheidung: Warum Sparer noch lange auf höhere Zinsen warten müssen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.06.2018

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angekündigt, aus ihrer expansiven Geldpolitik auszusteigen – ab Januar 2019. Die derzeit noch laufenden Käufe von Staatsanleihen sollen dann eingestellt werden. Am ebenfalls wichtigen Leitzins möchten die Währungshüter allerdings (noch) nicht rütteln. Bis mindestens Sommer 2019 soll der Zinssatz weiterhin auf seinem Rekordtief von 0,0 Prozent verweilen.

Für alle Sparer heißt das erstmal: Die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Co. werden auch in den nächsten Monaten nicht spürbar anziehen. Mittelfristig ergibt sich jedoch wieder Potenzial: In den kommenden ein bis drei Jahren sind Zinssteigerungen durchaus denkbar. Schließlich ist die aktuelle EZB-Entscheidung zumindest der erste Schritt raus aus der ultralockeren Geldpolitik.

Anleihekäufe werden eingestellt

Seit Anfang 2015 kauft die EZB massiv Anleihen, vor allem Staatspapiere der Euroländer. Indirekt sollen so die Wirtschaft und auch die Inflation angekurbelt werden – gepaart mit dem niedrigen Leitzinssatz.

Für Verbraucher bedeutete das in den vergangenen Monaten, dass zwar Kreditkosten für Baufinanzierungen und Ratenkredite auf einem Tiefststand waren, dafür aber auch festverzinsliche Wertpapiere kaum Zinsen abwarfen. Wer sein Geld in Tagesgeld oder Festgeld investiert, erhält derzeit nur in Ausnahmefällen mehr als einen Prozent Rendite.

Das klare Ende der Anleihekäufe ist der erste Schritt der EZB raus aus dieser ultralockeren Geldpolitik. Allerdings läuft das Anleiheprogramm erst im Dezember 2018 aus und auch der Leitzins befindet sich weiter auf einem Niveau von 0,0 Prozent. Insofern ist zumindest kurzfristig nicht mit wirklichen Zinsanstiegen zu rechnen.

Frühestens im kommenden Sommer möchte die EZB über eine Erhöhung des Referenzzinssatzes nachdenken. Bis sich dessen Erhöhung dann auf die Zinsen für Tagesgelder, Festgelder und Kredite auswirkt, dürften aber wiederum nochmal einige Monate vergehen.

Beispiel USA zeigt, wann mit einem Zinsanstieg zu rechnen ist

Die US-Notenbank Fed hatte ihre Anleihekäufe schon im Oktober 2014 beendet. Erst ein Jahr später erhöhten die US-Währungshüter die Leitzinsen. Bis das Umschwenken in der Geldpolitik wirklich auf dem Kredit und Kapitalmarkt ankam, verging ein weiteres Jahr. Für Europa ist dabei mit ähnlichen Verzögerungen zu rechnen, der Zinsanstieg kommt demzufolge für Verbraucher frühestens Ende des kommenden Jahres.

Quelle: Spiegel

Einmal monatlich Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!