EZB plant offiziell Anleihekäufe gegen Kapitalschlüssel

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 20.02.2017

Die Europäische Zentralbank (EZB) konnte nach dem Jahr 2016 einen Jahresüberschuss von insgesamt 1,2 Milliarden Euro verbuchen – und damit 111 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Gewinnzuwachs hat verschiedene Gründe, unter anderem die Zinssteigerung in den USA und höhere Gebühren für die Bankenaufsicht. Gerade das Anleihekaufprogramm der EZB könnte angesichts des momentanen Anleihemarktes allerdings eine kritikwürdige Entwicklung nehmen.

Im letzten Jahr hat es die Europäische Zentralbank geschafft, ihren Gewinn um 111 Millionen Euro zu erhöhen. Damit erwirtschaftete sie einen Gesamtjahresüberschuss von 1,2 Milliarden Euro. Neben den höheren Zinsen in den USA und von der EZB selbst verteuerte Gebühren für ihre Funktion als Bankenaufsicht kommt diese Summe aber vor allem auch durch den Kauf von europäischen Staatsanleihen zustande. Genau der könnte zukünftig aber von seinen strikt festgelegten Vorgaben abweichen.

EZB will nun auch Staatsanleihen verschuldeter EU-Länder kaufen

Da die erwirtschafteten Überschüsse vollständig an die nationalen Zentralbanken aller 19 Eurozonen-Mitgliedsstaaten übergehen, sind die veröffentlichten Gewinne für diese natürlich ein Grund zur Freude. Besonders problematisch wirkt die aktive Anleihen-Praxis der Zentralbank dennoch unter dem Gesichtspunkt des jüngst veröffentlichen Protokolls des Januartreffens. Denn zukünftig will die EZB unter Führung von Mario Draghi auch verstärkt Anleihen von Ländern mit niedriger Bonität, wie zum Beispiel Italien und Spanien, kaufen. Die Zahl der gekauften Bundesanleihen soll dagegen reduziert werden. Damit weicht die EZB zum ersten Mal überhaupt offiziell innerhalb eines gewissen Ermessensspielraums von ihrem Kapitalschlüssel ab.

Finanziert die EZB so letztlich Schulden der kriselnden EU-Staaten?

Nach der aktuellen Regelung dürfen Anleihenkäufe nur im direkten Verhältnis zur wirtschaftlichen Stärke der jeweiligen Länder getätigt werden. Aus diesem Grund beziehen sich rund 25 Prozent der Käufe auf Bundesanleihen. Zusätzlich entspricht dieses Verhältnis ziemlich exakt dem Anteil, mit dem Deutschland an der Europäischen Zentralbank beteiligt ist, also dem Kapitalschlüssel. Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass die EZB durch Anleihegeschäfte letztlich verschuldete EU-Staaten finanziert, dürfen nach aktuellem Stand eigentlich nur bis zu 33 Prozent einer Anleihe erworben werden. Da aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht genug Bundesanleihen existieren, muss es in jedem Fall zu einer Änderung des Kaufverhaltens kommen. Die EZB könnte entweder den Kapitalschlüssel in seiner momentanen Form beibehalten, müsste dann aber immer geringere Zinsen in Kauf nehmen. Alles andere würde ein Abweichen vom Kapitalschlüssel und damit vermutlich ein deutlich verändertes Anleihekaufverhalten bedeuten. Für welchen Weg sich die EZB entscheiden wird, bleibt abzuwarten.

Quellen: Handelsblatt.de, Focus.de

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