Finanzierungslücken bei Start-Ups: Crowdinvesting als Chance?

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2017

Der Traum vom großen Geschäft scheitert für deutsche Start-Ups häufig an der Finanzierung. Einer Bitcom-Erhebung zufolge hat bislang nur jedes dritte Start-Up diese für die kommenden zwei Jahre gesichert. Insgesamt benötigen die anderen 70 Prozent der Neugründungen im Schnitt 2,2 Millionen Euro, um durch die nächsten 24 Monate zu kommen. Dennoch zeigt sich die Mehrheit der Gründer optimistisch, das notwendige Kapital zusammenzubekommen.

Einer Bitcom-Studie zufolge haben sieben von zehn deutschen Start-Ups ihr Kapital für die nächsten 24 Monate noch nicht gesichert. Trotz der mangelnden Finanzierung, an der die meisten Neugründungen scheitern, zeigt sich die Mehrheit der Befragten optimistisch, das fehlende Geld zusammenzubekommen. Insgesamt benötigen die 70 Prozent der auf zwei Jahre ungenügend finanzierten Start-Ups durchschnittlich 2,2 Millionen Euro.

Finanzierung in Frage

Bei einer aktuellen Erhebung befragte der Digitalverband Bitcom 252 Gründer aus IT- und Web-Start-Ups. Hier gaben 70 Prozent der Befragten an, im Schnitt 2,2 Millionen Euro zu benötigen, um die nächsten zwei Jahre zu bestreiten. Dieser Durchschnittwert liegt zwar unter den im letzten Jahr ermittelten 2,4 Millionen Euro, doch spielte die Thematik des Kapitalbedarfs der Selbstständigen weiterhin die wohl wichtigste Rolle. 

Der Bedarf der Start-Ups hängt vor allem von der Größe, aber auch dem Standort des Unternehmens ab. Mit bis zu drei Mitarbeitern fehlen durchschnittlich circa 700.000 Euro, bei mehr als 20 Angestellten sind es bereits 6,4 Millionen Euro. Während Berliner Gründer mit 3,2 Millionen Euro am meisten Kapital brauchen, sind es in München noch etwa 2,5 Millionen und in Hamburg noch 1,9 Millionen Euro.

Crowdinvesting: Seedmatch & Co.

Die Befragung zeigte unter den Start-Ups jedoch auch viel Optimismus im Hinblick auf die Finanzierung der nächsten zwei Jahre. Immerhin 85 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich, eine angemessene Finanzierung gewährleisten zu können. Während sich zwölf Prozent skeptisch zeigen, gab nur ein Prozent der Befragten an, ein Füllen der Finanzierungslücke für unwahrscheinlich zu halten. 

Eine beliebte Option der Start-Up-Finanzierung ist vor allem Crowdinvesting. So gelang es beispielsweise der ersten deutschen Crowdinvesting-Plattform Seedmatch, mit dem investierten Kapital für das Start-Up Controme, die 30-Millionen-Rekordmarke zu erreichen. 

Das Crowdinvesting wird für Investoren vor allem durch die möglichen hohen Renditen interessant. Bei geeigneter Kapitalstreuung könne so auch die Ausfallquote überkompensiert werden, so Seedmatch. Die auf dieser Plattform gelisteten Start-Ups lägen bei einer Ausfallquote von 27,5 Prozent in Bezug auf die gesamte Fundingsumme.

Anspruchsvolle Investorensuche?

Die Beliebtheit der Schwarmfinanzierung könnte daran liegen, dass auf anderen Kanälen Investoren nur schwer zu finden wären. Bitcom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp weist darauf hin, dass es „gerade bei Finanzierungsrunden im ein- bis zweistelligen Millionenbereich“ und innerhalb der Wachstumsphase „hierzulande nach wie vor sehr schwierig [sei], Investoren etwa für eine internationale Expansion zu finden”. 

Die Regierung plant Milliarden-Spritzen für deutsche Neugründungen. Auch Veltkamp diagnostiziert der Finanzierungssituation der deutschen Start-Ups über die letzten Jahre eine deutliche Verbesserung.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Erhöhte Konjunkturprognose: Das Ifo-Institut hat seine Prognosen für das laufende und kommende Jahr deutlich erhöht. Während die Beschäftigung ein neues Rekordhoch erreichen soll, sorgen vor allem Bau und Privatkonsum für Aufschwung.
  • Neuer DAX-Rekord: Neben der Wallstreet und dem Nikkei hat auch der DAX am Dienstag ein Allzeithoch erreicht. Mit dem Erreichen von 12.939 Punkten scheint die 13.000-Marke in greifbare Nähe gerückt.
  • Wohnatlas 2017: Vor dem Hintergrund drastisch steigender Immobilienpreise hat das HWWI für den Postbank Wohnatlas Standorte mit günstigen Bedingungen ermittelt. Dabei liegen vor allem Orte außerhalb, doch noch im Umkreis von Metropolen vorne.

Quellen: Gründerszene, Wirtschaftswoche Gründer

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