Gasversorger geben Niedrigpreise begrenzt weiter

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.01.2017

Schon seit Jahren befinden sich die Einkaufspreise, die die Gasversorger zahlen müssen, im Sinkflug. Für Verbraucher war davon in der Vergangenheit allerdings wenig zu spüren. 2016 haben die Gasversorger die gesunkenen Kosten nun zumindest teilweise an die privaten Haushalte weitergeben. Doch theoretisch könnte Gas für diese noch deutlich günstiger sein.

Um 94 Euro sind die Beschaffungskosten der Gasversorger für 20.000 Kilowattstunden Gas 2016 im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Das geht aus einer Untersuchung des Forschungsbüros EnergyComment im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Bei den privaten Haushalten sei allerdings nur eine Kostenersparnis von 70 Euro angekommen.

Gasversorger geben Kostenersparnis seit Jahren nicht vollumfänglich weiter

Die Verbraucher profitieren also nicht im vollen Umfang von den gesunkenen Preisen für Gas. Dennoch markiert die aktuelle Kostenersparnis für die privaten Haushalte eine positive Entwicklung. In den vergangenen Jahren gaben die Gasversorger ihre Einsparungen nämlich in deutlich geringerem Umfang an die Verbraucher weiter.

Der Studie zufolge waren die Beschaffungskosten für 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr 2014 sogar um satte 104 Euro gefallen. Verbraucher hätten allerdings nur 20 Euro weniger gezahlt. Im Jahr darauf fiel der Preisverfall beim Gas schwächer aus, doch auch 2015 seien die Beschaffungskosten im Großhandel um weitere 34 Euro gefallen, mit einer Ersparnis von immerhin 28 Euro für Endkunden fiel die Ausbeute für private Haushalte dieses Mal deutlich besser aus.

Viel Spielraum für weitere Preisnachlässe gegenüber Verbrauchern

Dennoch sehen die Studienautoren noch viel Luft für weitere Preisnachlässe gegenüber den Endverbrauchern: Die gut 19,3 Millionen Verbraucher hätten in den vergangenen drei Jahren insgesamt mehr als 1,4 Milliarden Euro zu viel für Gas gezahlt, heißt es in der Studie. Währenddessen hätten Gasversorger, -händler und -importeure ihre Margen deutlich ausgeweitet, so Studienautor Steffen Bukold. Welche dieser drei Gruppen am meisten Profit aus den gesunkenen Preisen geschlagen habe, könne jedoch nicht geklärt werden. „In einem gut funktionierenden Wettbewerb sollten sich die niedrigeren Einkaufskosten jedoch über kurz oder lang vollständig bei den Haushaltskunden bemerkbar machen“, kritisiert Bukold.

Grüne: Politik sollte private Haushalte stärken

Dieser Forderung schloss sich auch Grünen-Politikerin Bärbel Höhn an, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte. Im ARD Morgenmagazin betonte sie, dass es wichtig sei, den Wettbewerb am Gasmarkt zu fördern und die privaten Haushalte weiter zu stärken, damit die gesunkenen Kosten endlich vollständig beim Kunden ankämen. Sie riet Verbrauchern dazu, Sonderkonditionen von den Gasversorgern einzufordern, wie sie für gewerbliche Kunden seit langem üblich sind, und gegebenenfalls den Gasanbieter zu wechseln. Von sinkenden Endpreisen würden in Deutschland zahlreiche private Haushalte profitieren. Denn Erdgas ist hierzulande der bedeutendste Energieträger für Raumwärme: Rund die Hälfte aller Wohnungen in der Bundesrepublik werden mit Gas beheizt.

Grund für den massiven Verfall des Gaspreises sind in erster Linie technologische Entwicklungen. So ist die Förderung von Erdgas durch Horizontalbohrungen und das sogenannte Fracking auch unter schwierigen geologischen Voraussetzungen einfacher und günstiger geworden. Zudem kann Gas durch eine Verflüssigungstechnologie einfacher in großen Mengen transportiert werden.

Quellen: Energieverbraucher.de/EnergyComment, Tagesschau.de

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und Amazon-Gutschein gewinnen!