Gehalt hängt nicht nur von der Qualifikation ab

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.08.2016

Je höher die Qualifikation, desto höher auch das Gehalt – diese weit verbreitete Annahme gilt offenbar nicht in jedem Fall. Entscheidend für die Höhe des Einkommens ist nämlich auch die Branche, in der ein Arbeitnehmer tätig ist. In manchen Branchen müssen sich Akademiker damit abfinden, dass Fachkräfte, die nicht studiert haben, mehr verdienen als sie selbst, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Grundsätzlich gilt zwar nach wie vor, dass sich berufliche Qualifikation bezahlt macht. So eine zentrale Erkenntnis einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Allerdings bedeutet ein Hochschulabschluss nicht automatisch, dass der monatliche Gehaltseingang auf dem Girokonto höher ausfällt als der einer ausgebildeten Fachkraft.

Vergleichsweise hohe Gehälter für Fachkräfte in bestimmten Branchen

Grund dafür ist, dass es teilweise große Unterschiede zwischen Gehaltsniveaus verschiedener Branchen gibt, wie die Verfasser der Studie feststellten. So würden beispielsweise in der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche vergleichsweise niedrige Gehälter gezahlt, während das Gehaltsniveau bei Berufen im Bereich der Maschinen- und Fahrzeugtechnik deutlich höher ist.

Insgesamt verdienen Akademiker mit Beschäftigung im Hotel- und Tourismusgewerbe im Laufe eines Berufslebens im Schnitt weniger als 1,5 Millionen Euro brutto. In der gut zahlenden Maschinen- und Fahrzeugtechnikbranche können hingegen selbst ungelernte Hilfskräfte ein ähnliches Gehalt erhalten. Ihr durchschnittliches Brutto-Lebensentgelt liegt bei knapp 1,4 Millionen Euro, Akademiker in dieser Branche verdienen im Laufe ihres Berufslebens 2,6 Millionen Euro. Bei Maschinen- und  Fahrzeugtechnik-Fachkräften fällt das Lebensbrutto mit durchschnittlich 1,6 Millionen Euro bereits höher aus als das für Akademiker in der Tourismusbranche.

Deutliche Branchenunterschiede bei Gehältern für Akademiker

Spitzeneinkommen können Akademiker, allen voran Ingenieure, in technischen Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen erwarten – hier liegt das durchschnittliche Lebensentgelt bei 2,71 Millionen Euro. In der bereits erwähnen Maschinen und Fahrzeugtechnikindustrie werden im Laufe eines Berufslebens rund 2,53 Millionen an Angestellte mit Experten-Qualifikation gezahlt. Gute Verdienstchancen haben Akademiker auch im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (2,55 Millionen Euro) sowie in Energie- und Elektroberufen (2,42 Millionen).

Vergleichsweise wenig verdienen Akademiker nicht nur im Hotel- und Tourismusgewerbe, sondern auch in der Lebensmittelindustrie (1,48 Millionen Euro) sowie erzieherischen, sozialen und hauswirtschaftlichen Berufen mit 1,59 Millionen Lebensbrutto. In diesem sozialen Bereich scheint der Sozialgedanke allerdings auch für die Gehaltsstrukturen zu gelten: Die Abstufungen zwischen den Einkommen für Fachkräfte (1,46 Millionen Euro), Spezialisten mit weiterführender Qualifikation, beispielsweise Meister (1,56 Millionen Euro) und Akademikern sind relativ gering.

Grundsätzlich steigt Gehalt mit beruflicher Qualifikation

In anderen Branchen fallen die Gehaltsunterschiede nach Qualifikation in der Regel deutlicher aus. Grundsätzlich gilt jedoch für alle Branchen, dass das Gehalt mit der beruflichen Qualifikation steigt. Im Schnitt erhalten Akademiker ein Brutto-Lebensgehalt von 2,37 Millionen Euro. Beschäftigte ohne Berufsausbildung verdienen der IAB-Studie zufolge im Laufe ihres Arbeitslebens 1,29 Millionen Euro brutto, Fachkräfte mit Berufsausbildung 1,51 Millionen Euro. Kommt noch ein Fortbildungsabschluss wie ein Meister oder Fachwirt hinzu, steigt das durchschnittliche Lebensbrutto auf 1,94 Millionen Euro. Wie Studienautor Heiko Stüber hervorhebt, lohne sich beruflich Qualifikation zudem, weil sie das Risiko von Arbeitslosigkeit deutlich senke.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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