Gesetzlicher Mindestlohn steigt 2017 auf 8,84 Euro

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 29.06.2016

Zwei Jahre nach seiner Einführung steht im Januar 2107 die erste Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns an. Nun hat sich die Mindestlohnkommission auf eine neue Lohnuntergrenze geeinigt: 34 Cent mehr pro Stunde soll es im kommenden Jahr geben. Während Gewerkschaften und Arbeitgeber zufrieden sind, geht dem Sozialverband VdK die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns nicht weit genug.

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland wird ab 2017 aller Voraussicht nach auf 8,84 Euro pro Stunde steigen. Auf diese Erhöhung um 34 Cent hat sich die Mindestlohnkommission von Arbeitnehmern und Arbeitgebern am Dienstag in Berlin geeinigt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet.

Deutlichere Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns als vielfach erwartet

Bei der Festlegung der neuen Lohnuntergrenze orientierte sich die Kommission weitgehend am Tarifindex, der die Entwicklung der tariflichen Stundenlöhne abbildet, nutzte aber den ihr zur Verfügung stehenden Entscheidungsspielraum. Bislang wurde eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,77 Euro für wahrscheinlich gehalten. Dieser Wert hätte exakt dem Zuwachs der tariflichen Stundenverdienste um 3,2 Prozent seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 entsprochen.

Gewerkschaftsvertreter hatten allerdings gefordert, die bereits ausgehandelten, aber noch nicht wirksamen Tarifabschlüsse der Metall- und Elektroindustrie bei der Neufestlegung des gesetzlichen Mindestlohns zu berücksichtigen. Wären die in der zweiten Jahreshälfte steigenden Löhne in die Berechnung eingeflossen, hätte die neue Lohnuntergrenze bei 8,77 Euro gelegen. Stattdessen berücksichtigte die Kommission aber den ebenfalls noch nicht in Kraft getretenen jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst. Somit liegt der Vorschlag der Kommission nur knapp unter der Forderung der Gewerkschaften.

Sozialverband VdK fordert deutlich höhere Lohnuntergrenze

Dementsprechend positiv äußerte sich Stefan Körzell, Mitglied des Vorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und gleichzeitig auch der Mindestlohnkommission, gegenüber der dpa: „Aus unserer Sicht ist das Glas etwas voller als halbleer.“ Und auch die Arbeitgeberseite in der Kommission ist zufrieden mit der getroffenen Entscheidung, wie Arbeitgeberfunktionär Reinhard Göhner erklärte. Kritik kommt hingegen vom Sozialverband VdK, dem die neue Lohnuntergrenze zu niedrig ist. „Der Mindestlohn muss deutlich erhöht werden und sicherstellen, dass Beschäftigte in Vollzeit mit dem Arbeitseinkommen für ihren Lebensunterunterhalt sorgen können und eine angemessene Alterssicherung über dem Grundsicherungsniveau aufbauen können“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher gegenüber der dpa. Erst kürzlich hatte eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion gezeigt, dass der gesetzliche Mindestlohn vielerorts nicht ausreicht, um den monatlichen Existenzbedarf zu decken. Insbesondere in Großstädten mit hohen Mieten wie München, Hamburg oder Köln reicht der monatliche Gehaltseingang auf dem Girokonto eines Geringverdieners auch bei einer Vollzeitbeschäftigung nicht aus, um alle laufenden Kosten bestreiten zu können.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung/dpa

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